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_Zueignung._
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Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!
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Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
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Versuch' ich wohl euch diesmal fest zu halten?
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Fühl' ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
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Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
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Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
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Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
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Vom Zauberhauch der euren Zug umwittert.
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Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
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Und manche liebe Schatten steigen auf;
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Gleich einer alten, halbverklungnen Sage,
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Kommt erste Lieb' und Freundschaft mit herauf;
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Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
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Des Lebens labyrinthisch irren Lauf,
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Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden
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Vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.
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Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
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Die Seelen, denen ich die ersten sang,
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Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
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Verklungen ach! der erste Wiederklang.
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Mein Leid[Lied] ertönt der unbekannten Menge,
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Ihr Beyfall selbst macht meinem Herzen bang,
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Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
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Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.
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Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
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Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
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Es schwebet nun, in unbestimmten Tönen,
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Mein lispelnd Lied, der Aeolsharfe gleich,
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Ein Schauer faßt mich, Thräne folgt den Thränen,
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Das strenge Herz es fühlt sich mild und weich;
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Was ich besitze seh' ich wie im weiten,
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Und was verschwand wird mir zu Wirklichkeiten.
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_Vorspiel_
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_auf dem Theater._
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_Director, Theaterdichter,
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lustige Person._
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_Director._
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Ihr beyden die ihr mir so oft,
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In Noth und Trübsal, beygestanden,
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Sagt was ihr wohl, in deutschen Landen,
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Von unsrer Unternehmung hofft?
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Ich wünschte sehr der Menge zu behagen,
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Besonders weil sie lebt und leben läßt.
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Die Pfosten sind, die Breter aufgeschlagen,
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Und jedermann erwartet sich ein Fest.
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Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen,
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Gelassen da und möchten gern erstaunen.
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Ich weiß wie man den Geist des Volks versöhnt;
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Doch so verlegen bin ich nie gewesen;
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Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt,
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Allein sie haben schrecklich viel gelesen.
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Wie machen wir's? daß alles frisch und neu
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Und mit Bedeutung auch gefällig sey.
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Denn freylich mag ich gern die Menge sehen,
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Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt,
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Und mit gewaltig wiederholten Wehen,
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Sich durch die enge Gnadenpforte zwängt;
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Bey hellem Tage, schon vor Vieren,
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Mit Stößen sich bis an die Kasse ficht
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Und, wie in Hungersnoth um Brot an Beckerthüren,
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Um ein Billet sich fast die Hälse bricht.
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Dieß Wunder wirkt auf so verschiedne Leute
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Der Dichter nur; mein Freund, o! thu es heute.
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_Dichter._
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O sprich mir nicht von jener bunten Menge,
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Bey deren Anblick uns der Geist entflieht.
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Verhülle mir das wogende Gedränge,
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Das wider Willen uns zum Strudel zieht.
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Nein, führe mich zur stillen Himmelsenge,
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Wo nur dem Dichter reine Freude blüht;
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Wo Lieb' und Freundschaft unsres Herzens Segen
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Mit Götterhand erschaffen und erpflegen.
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Ach! was in tiefer Brust uns da entsprungen,
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Was sich die Lippe schüchtern vorgelallt,
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Mißrathen jetzt und jetzt vielleicht gelungen,
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Verschlingt des wilden Augenblicks Gewalt.
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Oft wenn es erst durch Jahre durchgedrungen
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Erscheint es in vollendeter Gestalt.
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Was glänzt ist für den Augenblick geboren,
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Das Aechte bleibt der Nachwelt unverloren.
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_Lustige Person._
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Wenn ich nur nichts von Nachwelt hören sollte.
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Gesetzt daß _ich_ von Nachwelt reden wollte,
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Wer machte denn der Mitwelt Spaß?
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Den will sie doch und soll ihn haben.
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Die Gegenwart von einem braven Knaben
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Ist, dächt' ich, immer auch schon was.
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Wer sich behaglich mitzutheilen weiß,
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Den wird des Volkes Laune nicht erbittern;
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Er wünscht sich einen großen Kreis,
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Um ihn gewisser zu erschüttern.
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Drum seyd nur brav und zeigt euch musterhaft,
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Laßt Phantasie, mit allen ihren Chören,
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Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,
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Doch, merkt euch wohl! nicht ohne Narrheit hören.
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_Director._
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Besonders aber laßt genug geschehn!
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Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.
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Wird vieles vor den Augen abgesponnen,
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So daß die Menge staunend gaffen kann,
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Da habt ihr in der Breite gleich gewonnen,
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Ihr seyd ein vielgeliebter Mann.
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Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen,
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Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
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Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
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Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.
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Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!
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Solch ein Ragout es muß euch glücken;
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Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.
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Was hilft's wenn ihr ein Ganzes dargebracht,
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Das Publikum wird es euch doch zerpflücken.
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_Dichter._
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Ihr fühlet nicht wie schlecht ein solches Handwerk sey!
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Wie wenig das den ächten Künstler zieme!
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Der saubern Herren Pfuscherey
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Ist, merk' ich, schon bey euch Maxime.
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_Director._
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Ein solcher Vorwurf läßt mich ungekränkt;
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Ein Mann, der recht zu wirken denkt,
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Muß auf das beste Werkzeug halten.
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Bedenkt, ihr habet weiches Holz zu spalten,
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Und seht nur hin für wen ihr schreibt!
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Wenn diesen Langeweile treibt,
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Kommt jener satt vom übertischten Mahle,
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Und, was das allerschlimmste bleibt,
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Gar mancher kommt vom Lesen der Journale.
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Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten,
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Und Neugier nur beflügelt jeden Schritt;
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Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten
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Und spielen ohne Gage mit.
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Was träumet ihr auf eurer Dichter-Höhe?
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Was macht ein volles Haus euch froh?
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Beseht die Gönner in der Nähe!
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Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.
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Der, nach dem Schauspiel, hofft ein Kartenspiel,
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Der eine wilde Nacht an einer Dirne Busen.
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Was plagt ihr armen Thoren viel,
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Zu solchem Zweck, die holden Musen?
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Ich sag' euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr,
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So könnt ihr euch vom Ziele nie verirren,
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Sucht nur die Menschen zu verwirren,
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Sie zu befriedigen ist schwer -- --
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Was fällt euch an? Entzückung oder Schmerzen?
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_Dichter._
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Geh hin und such dir einen andern Knecht!
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Der Dichter sollte wohl das höchste Recht,
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Das Menschenrecht, das ihm Natur vergönnt,
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Um deinetwillen freventlich verscherzen!
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Wodurch bewegt er alle Herzen?
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Wodurch besiegt er jedes Element?
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Ist es der Einklang nicht? der aus dem Busen dringt,
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Und in sein Herz die Welt zurücke schlingt.
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Wenn die Natur des Fadens ew'ge Länge,
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Gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt,
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Wenn aller Wesen unharmon'sche Menge
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Verdrießlich durch einander klingt;
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Wer theilt die fließend immer gleiche Reihe
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Belebend ab, daß sie sich rythmisch regt?
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Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe?
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Wo es in herrlichen Accorden schlägt,
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Wer läßt den Sturm zu Leidenschaften wüthen?
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Das Abendroth im ernsten Sinne glühn?
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Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten
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Auf der Geliebten Pfade hin?
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Wer flicht die unbedeutend grünen Blätter
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Zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art?
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Wer sichert den Olymp? vereinet Götter?
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Des Menschen Kraft im Dichter offenbart.
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_Lustige Person._
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So braucht sie denn die schönen Kräfte
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Und treibt die dicht'rischen Geschäfte,
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Wie man ein Liebesabenteuer treibt.
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Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt
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Und nach und nach wird man verflochten;
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Es wächst das Glück, dann wird es angefochten,
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Man ist entzückt, nun kommt der Schmerz heran,
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Und eh man sich's versieht ist's eben ein Roman.
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Laßt uns auch so ein Schauspiel geben!
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Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
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Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt,
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Und wo ihr's packt, da ist's interessant.
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In bunten Bildern wenig Klarheit,
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Viel Irrthum und ein Fünkchen Wahrheit,
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So wird der beste Trank gebraut,
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Der alle Welt erquickt und auferbaut.
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Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte
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Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
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Dann sauget jedes zärtliche Gemüthe
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Aus eurem Werk sich melanchol'sche Nahrung;
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Dann wird bald dies bald jenes aufgeregt,
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Ein jeder sieht was er im Herzen trägt.
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Noch sind sie gleich bereit zu weinen und zu lachen,
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Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein;
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Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,
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Ein Werdender wird immer dankbar seyn.
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_Dichter._
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So gieb mir auch die Zeiten wieder,
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Da ich noch selbst im Werden war,
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Da sich ein Quell gedrängter Lieder
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Ununterbrochen neu gebar,
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Da Nebel mir die Welt verhüllten,
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Die Knospe Wunder noch versprach,
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Da ich die tausend Blumen brach,
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Die alle Thäler reichlich füllten.
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Ich hatte nichts und doch genug,
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Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug.
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Gieb ungebändigt jene Triebe,
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Das tiefe schmerzenvolle Glück,
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Des Hasses Kraft, die Macht der Liebe,
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Gieb meine Jugend mir zurück!
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_Lustige Person._
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Der Jugend, guter Freund, bedarfst du allenfalls
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Wenn dich in Schlachten Feinde drängen,
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Wenn mit Gewalt an deinen Hals
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Sich allerliebste Mädchen hängen,
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Wenn fern des schnellen Laufes Kranz
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Vom schwer erreichten Ziele winket,
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Wenn nach dem heftgen Wirbeltanz
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Die Nächte schmausend man vertrinket.
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Doch ins bekannte Saitenspiel
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Mit Muth und Anmuth einzugreifen,
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Nach einem selbgesteckten Ziel
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Mit holdem Irren hinzuschweifen,
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Das, alte Herrn, ist eure Pflicht,
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Und wir verehren euch darum nicht minder.
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Das Alter macht nicht kindisch, wie man spricht,
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Es findet uns nur noch als wahre Kinder.
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_Director._
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Der Worte sind genug gewechselt,
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Laßt mich auch endlich Thaten sehn;
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Indeß ihr Complimente drechselt,
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Kann etwas nützliches geschehn.
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Was hilft es viel von Stimmung reden?
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Dem Zaudernden erscheint sie nie.
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Gebt ihr euch einmal für Poeten,
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So kommandirt die Poesie.
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Euch ist bekannt was wir bedürfen,
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Wir wollen stark Getränke schlürfen;
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Nun braut mir unverzüglich dran!
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Was heute nicht geschieht, ist Morgen nicht gethan,
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Und keinen Tag soll man verpassen,
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Das Mögliche soll der Entschluß
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Beherzt sogleich beym Schopfe fassen,
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Er will es dann nicht fahren lassen,
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Und wirket weiter, weil er muß.
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Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen
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Probirt ein jeder was er mag;
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Drum schonet mir an diesem Tag
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Prospecte nicht und nicht Maschinen.
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Gebraucht das groß' und kleine Himmelslicht,
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Die Sterne dürfet ihr verschwenden;
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An Wasser, Feuer, Felsenwänden,
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An Thier und Vögeln fehlt es nicht.
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So schreitet in dem engen Breterhaus
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Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,
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Und wandelt, mit bedächtger Schnelle,
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Vom Himmel, durch die Welt, zur Hölle.
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_Prolog_
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_im Himmel._
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_Der Herr, die himmlischen Heerscharen,_
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nachher _Mephistopheles._
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Die drey Erzengel treten vor.
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_Raphael._
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Die Sonne tönt, nach alter Weise,
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In Brudersphären Wettgesang,
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Und ihre vorgeschriebne Reise
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Vollendet sie mit Donnergang.
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Ihr Anblick giebt den Engeln Stärke,
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Wenn keiner sie ergründen mag.
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Die unbegreiflich hohen Werke
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Sind herrlich wie am ersten Tag.
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|
_Gabriel._
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Und schnell und unbegreiflich schnelle
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Dreht sich umher der Erde Pracht;
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Es wechselt Paradieses-Helle
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Mit tiefer schauervoller Nacht;
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Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
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Am tiefen Grund der Felsen auf,
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Und Fels und Meer wird fortgerissen
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In ewig schnellem Sphärenlauf.
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_Michael._
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Und Stürme brausen um die Wette
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Vom Meer aufs Land vom Land aufs Meer,
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Und bilden wüthend eine Kette
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Der tiefsten Wirkung rings umher.
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Da flammt ein blitzendes Verheeren
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Dem Pfade vor des Donnerschlags.
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Doch deine Boten, Herr, verehren
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Das sanfte Wandeln deines Tags.
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_Zu Drey._
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Der Anblick giebt den Engeln Stärke
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Da keiner dich ergründen mag,
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Und alle deine hohen Werke
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Sind herrlich wie am ersten Tag.
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_Mephistopheles._
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Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
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Und fragst wie alles sich bey uns befinde,
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Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst;
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So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
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Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
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Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt;
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Mein Pathos brächte dich gewiß zum lachen,
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Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.
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Von Sonn' und Welten weiß ich nichts zu sagen,
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Ich sehe nur wie sich die Menschen plagen.
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Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
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Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
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Ein wenig besser würd' er leben,
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Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
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Er nennts Vernunft und braucht's allein
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Nur thierischer als jedes Thier zu seyn.
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Er scheint mir, mit Verlaub von Ew. Gnaden,
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Wie eine der langbeinigen Cicaden,
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Die immer fliegt und fliegend springt
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Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
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Und läg' er nur noch immer in dem Grase!
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In jeden Quark begräbt er seine Nase.
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_Der Herr._
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Hast du mir weiter nichts zu sagen?
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Kommst du nur immer anzuklagen?
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Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?
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_Mephistopheles._
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Nein Herr! ich find' es dort, wie immer, herzlich schlecht.
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Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen,
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Ich mag sogar die Armen selbst nicht plagen.
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_Der Herr._
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Kennst du den Faust?
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_Mephistopheles._
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Den Doctor?
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_Der Herr._
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|
Meinen Knecht!
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_Mephistopheles._
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|
Fürwahr! er dient euch auf besondre Weise.
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|
Nicht irdisch ist des Thoren Trank noch Speise.
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|
Ihn treibt die Gährung in die Ferne,
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Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
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|
Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne,
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|
Und von der Erde jede höchste Lust,
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|
Und alle Näh' und alle Ferne
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|
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.
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|
_Der Herr._
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|
Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient;
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|
So werd' ich ihn bald in die Klarheit führen.
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|
Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,
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|
Daß Blüt' und Frucht die künft'gen Jahre zieren.
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|
_Mephistopheles._
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|
Was wettet ihr? den sollt ihr noch verlieren!
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Wenn ihr mir die Erlaubniß gebt
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|
Ihn meine Straße sacht zu führen.
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|
_Der Herr._
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|
So lang' er auf der Erde lebt,
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|
So lange sey dir's nicht verboten.
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Es irrt der Mensch so lang er strebt.
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|
|
|
_Mephistopheles._
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|
|
|
Da dank' ich euch; denn mit den Todten
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|
Hab' ich mich niemals gern befangen.
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An[Am] meisten lieb' ich mir die vollen frischen Wangen.
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|
Für einen Leichnam bin ich nicht zu Haus;
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Mir geht es wie der Katze mit der Maus.
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|
_Der Herr._
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|
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|
Nun gut, es sey dir überlassen!
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|
Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab,
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Und führ' ihn, kannst du ihn erfassen,
|
|
Auf deinem Wege mit herab,
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|
Und steh' beschämt, wenn du bekennen mußt:
|
|
Ein guter Mensch, in seinem dunkeln Drange,
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|
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Schon gut! nur dauert es nicht lange.
|
|
Mir ist für meine Wette gar nicht bange.
|
|
Wenn ich zu meinem Zweck gelange,
|
|
Erlaubt ihr mir Triumph aus voller Brust.
|
|
Staub soll er fressen, und mit Lust,
|
|
Wie meine Muhme, die berühmte Schlange.
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|
|
|
_Der Herr._
|
|
|
|
Du darfst auch da nur frey erscheinen;
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|
Ich habe deines gleichen nie gehaßt.
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|
Von allen Geistern die verneinen
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|
Ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
|
|
Des Menschen Thätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,
|
|
Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
|
|
Drum geb' ich gern ihm den Gesellen zu,
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|
Der reizt und wirkt, und muß, als Teufel, schaffen.
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|
Doch ihr, die ächten Göttersöhne,
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|
Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
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|
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
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|
Umfaß' euch mit der Liebe holden Schranken,
|
|
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
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|
Befestiget mit dauernden Gedanken.
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|
Der Himmel schließt, die Erzengel vertheilen sich,
|
|
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|
_Mephistopheles_ allein.
|
|
|
|
Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern,
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|
Und hüte mich mit ihm zu brechen.
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|
Es ist gar hübsch von einem großen Herrn
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|
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.
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_Der Tragödie_
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_Erster Theil._
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_Nacht._
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In einem hochgewölbten, engen, gothischen Zimmer _Faust_ unruhig auf
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seinem Sessel am Pulte.
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_Faust._
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Habe nun, ach! Philosophie,
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Juristerey und Medicin,
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Und leider auch Theologie!
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Durchaus studirt, mit heißem Bemühn.
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Da steh' ich nun, ich armer Thor!
|
|
Und bin so klug als wie zuvor;
|
|
Heiße Magister, heiße Doctor gar,
|
|
Und ziehe schon an die zehen Jahr,
|
|
Herauf, herab und quer und krumm,
|
|
Meine Schüler an der Nase herum --
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Und sehe, daß wir nichts wissen können!
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|
Das will mir schier das Herz verbrennen.
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Zwar bin ich gescheidter als alle die Laffen,
|
|
Doctoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
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|
Mich plagen keine Scrupel noch Zweifel,
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|
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel --
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Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen,
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|
Bilde mir nicht ein was rechts zu wissen,
|
|
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
|
|
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
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|
Auch hab' ich weder Gut noch Geld,
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Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt.
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Es möchte kein Hund so länger leben!
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Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
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|
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
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Nicht manch Geheimniß würde kund;
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Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß,
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Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
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Daß ich erkenne, was die Welt
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Im Innersten zusammenhält,
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Schau' alle Wirkenskraft und Samen,
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Und thu' nicht mehr in Worten kramen.
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O sähst du, voller Mondenschein,
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Zum letztenmal auf meine Pein,
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Den ich so manche Mitternacht
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An diesem Pult herangewacht:
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Dann über Büchern und Papier,
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Trübsel'ger Freund, erschienst du mir!
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Ach! könnt' ich doch auf Berges-Höh'n,
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In deinem lieben Lichte gehn,
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Um Bergeshöle mit Geistern schweben,
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Auf Wiesen in deinem Dämmer weben,
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Von allem Wissensqualm entladen,
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In deinem Thau gesund mich baden!
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Weh! steck' ich in dem Kerker noch?
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Verfluchtes, dumpfes Mauerloch!
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Wo selbst das liebe Himmelslicht
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Trüb' durch gemahlte Scheiben bricht.
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Beschränkt mit diesem Bücherhauf,
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Den Würme nagen, Staub bedeckt,
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Den, bis an's hohe Gewölb' hinauf,
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Ein angeraucht Papier umsteckt;
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Mit Gläsern, Büchsen rings umstellt,
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Mit Instrumenten vollgepfropft,
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Urväter Hausrath drein gestopft --
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Das ist deine Welt! das heißt eine Welt!
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Und fragst du noch, warum dein Herz
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Sich bang' in deinem Busen klemmt?
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Warum ein unerklärter Schmerz
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Dir alle Lebensregung hemmt?
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Statt der lebendigen Natur,
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Da Gott die Menschen schuf hinein,
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Umgiebt in Rauch und Moder nur
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Dich Thiergeripp' und Todtenbein.
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Flieh! auf! hinaus ins weite Land!
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Und dieß geheimnißvolle Buch,
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Von Nostradamus eigner Hand,
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Ist dir es nicht Geleit genug?
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Erkennest dann der Sterne Lauf,
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Und wenn Natur dich unterweist,
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Dann geht die Seelenkraft dir auf,
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Wie spricht ein Geist zum andern Geist.
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Umsonst, daß trocknes Sinnen hier
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Die heil'gen Zeichen dir erklärt,
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Ihr schwebt, ihr Geister, neben mir,
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Antwortet mir, wenn ihr mich hört!
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(Er schlägt das Buch auf und erblickt das Zeichen des Makrokosmus.)
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Ha! welche Wonne fließt in diesem Blick
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Auf einmal mir durch alle meine Sinnen!
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Ich fühle junges, heil'ges Lebensglück
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Neuglühend mir durch Nerv' und Adern rinnen.
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War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb?
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Die mir das innre Toben stillen,
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Das arme Herz mit Freude füllen,
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Und mit geheimnißvollem Trieb,
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Die Kräfte der Natur rings um mich her enthüllen.
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Bin ich ein Gott? Mir wird so licht!
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Ich schau' in diesen reinen Zügen
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Die wirkende Natur vor meiner Seele liegen.
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Jetzt erst erkenn' ich was der Weise spricht:
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»Die Geisterwelt ist nicht verschlossen;
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»Dein Sinn ist zu, dein Herz ist todt!
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»Auf bade, Schüler, unverdrossen,
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»Die ird'sche Brust im Morgenroth!«
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(Er beschaut das Zeichen.)
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Wie alles sich zum Ganzen webt,
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Eins in dem andern wirkt und lebt!
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Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen
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Und sich die goldnen Eimer reichen!
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Mit segenduftenden Schwingen
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Vom Himmel durch die Erde dringen,
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Harmonisch all' das All durchklingen!
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Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!
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Wo faß' ich dich, unendliche Natur?
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Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens,
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An denen Himmel und Erde hängt,
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Dahin die welke Brust sich drängt --
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Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht' ich so vergebens?
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(Er schlägt unwillig das Buch um, und erblickt das Zeichen des
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Erdgeistes.)
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Wie anders wirkt dieß Zeichen auf mich ein!
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Du, Geist der Erde, bist mir näher;
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Schon fühl' ich meine Kräfte höher,
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Schon glüh' ich wie von neuem Wein,
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Ich fühle Muth, mich in die Welt zu wagen,
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Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen,
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Mit Stürmen mich herumzuschlagen,
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Und in des Schiffbruchs Knirschen nicht zu zagen,
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Es wölkt sich über mir --
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Der Mond verbirgt sein Licht --
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Die Lampe schwindet!
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Es dampft! -- Es zucken rothe Strahlen
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Mir um das Haupt -- Es weht
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Ein Schauer vom Gewölb' herab
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Und faßt mich an!
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Ich fühl's, du schwebst um mich, erflehter Geist.
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Enthülle dich!
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Ha! wie's in meinem Herzen reißt!
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Zu neuen Gefühlen
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All' meine Sinnen sich erwühlen!
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Ich fühle ganz mein Herz dir hingegeben!
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Du mußt! du mußt! und kostet' es mein Leben!
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(Er faßt das Buch und spricht das Zeichen des Geistes geheimnißvoll aus.
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Es zuckt eine röthliche Flamme, _der Geist_ erscheint in der Flamme.)
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_Geist._
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Wer ruft mir?
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_Faust_ abgewendet.
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Schreckliches Gesicht!
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_Geist._
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Du hast mich mächtig angezogen,
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An meiner Sphäre lang' gesogen,
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Und nun --
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_Faust._
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Weh! ich ertrag' dich nicht!
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_Geist._
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Du flehst erathmend mich zu schauen,
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Meine Stimme zu hören, mein Antlitz zu sehn,
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Mich neigt dein mächtig Seelenflehn,
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Da bin ich! -- Welch erbärmlich Grauen
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Faßt Uebermenschen dich! Wo ist der Seele Ruf?
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Wo ist die Brust? die eine Welt in sich erschuf,
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Und trug und hegte; die mit Freudebeben
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Erschwoll, sich uns, den Geistern, gleich zu heben.
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Wo bist du, Faust? deß Stimme mir erklang,
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Der sich an mich mit allen Kräften drang?
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Bist _Du_ es? der, von meinem Hauch umwittert,
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In allen Lebenstiefen zittert,
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Ein furchtsam weggekrümmter Wurm!
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_Faust._
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Soll ich dir, Flammenbildung, weichen?
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Ich bin's, bin Faust, bin deines gleichen!
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_Geist._
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In Lebensfluthen, im Thatensturm
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Wall' ich auf und ab,
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Webe hin und her!
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Geburt und Grab,
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Ein ewiges Meer,
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Ein wechselnd Weben,
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Ein glühend Leben,
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So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit,
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Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
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_Faust._
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Der du die weite Welt umschweifst,
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Geschäftiger Geist, wie nah fühl' ich mich dir!
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_Geist._
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Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
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Nicht mir!
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(Verschwindet.)
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_Faust_ zusammenstürzend.
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Nicht dir!
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Wem denn?
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Ich Ebenbild der Gottheit!
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Und nicht einmal dir!
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(Es klopft.)
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O Tod! ich kenn's -- das ist mein Famulus --
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Es wird mein schönstes Glück zu nichte!
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Daß diese Fülle der Gesichte
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Der trockne Schleicher stören muß!
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(_Wagner_ im Schlafrocke und der Nachtmütze, eine Lampe
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in der Hand. Faust wendet sich unwillig.)
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_Wagner._
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Verzeiht! ich hör' euch declamiren;
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Ihr las't gewiß ein griechisch Trauerspiel?
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In dieser Kunst möcht' ich 'was profitiren,
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Denn heut zu Tage wirkt das viel.
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Ich hab' es öfters rühmen hören,
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Ein Komödiant könnt' einen Pfarrer lehren.
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_Faust._
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Ja, wenn der Pfarrer ein Komödiant ist;
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Wie das denn wohl zu Zeiten kommen mag.
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_Wagner._
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Ach! wenn man so in sein Museum gebannt ist,
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Und sieht die Welt kaum einen Feyertag,
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Kaum durch ein Fernglas, nur von weiten,
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Wie soll man sie durch Ueberredung leiten?
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_Faust._
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Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen,
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Wenn es nicht aus der Seele dringt,
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Und mit urkräftigem Behagen
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Die Herzen aller Hörer zwingt.
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Sitzt ihr nur immer! leimt zusammen,
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Braut ein Ragout von andrer Schmaus,
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Und blas't die kümmerlichen Flammen
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Aus eurem Aschenhäufchen 'raus!
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Bewund'rung von Kindern und Affen,
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Wenn euch darnach der Gaumen steht;
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Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
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Wenn es euch nicht von Herzen geht.
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_Wagner._
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Allein der Vortrag macht des Redners Glück;
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Ich fühl' es wohl, noch bin ich weit zurück.
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_Faust._
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Such' Er den redlichen Gewinn!
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Sey er kein schellenlauter Thor!
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Es trägt Verstand und rechter Sinn
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Mit wenig Kunst sich selber vor;
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Und wenn's euch Ernst ist was zu sagen,
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Ist's nöthig Worten nachzujagen?
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Ja, eure Reden, die so blinkend sind,
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In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt,
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Sind unerquicklich wie der Nebelwind,
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Der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt!
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_Wagner._
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Ach Gott! die Kunst ist lang;
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Und kurz ist unser Leben.
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Mir wird, bey meinem kritischen Bestreben,
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Doch oft um Kopf und Busen bang'.
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Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben,
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Durch die man zu den Quellen steigt!
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Und eh' man nur den halben Weg erreicht,
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Muß wohl ein armer Teufel sterben.
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_Faust._
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Das Pergament, ist das der heilge Bronnen,
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Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt?
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Erquickung hast du nicht gewonnen,
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Wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt.
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_Wagner._
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Verzeiht! es ist ein groß Ergetzen,
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Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen;
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Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
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Und wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
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_Faust._
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O ja, bis an die Sterne weit!
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Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
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Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
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Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
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Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
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In dem die Zeiten sich bespiegeln.
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Da ist's dann wahrlich oft ein Jammer!
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Man läuft euch bey dem ersten Blick davon.
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Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,
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Und höchstens eine Haupt- und Staatsaction,
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Mit trefflichen, pragmatischen Maximen,
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Wie sie den Puppen wohl im Munde ziemen!
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_Wagner._
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Allein die Welt! des Menschen Herz und Geist!
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Möcht' jeglicher doch was davon erkennen.
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_Faust._
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Ja was man so erkennen heißt!
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Wer darf das Kind beym rechten Namen nennen?
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Die wenigen, die was davon erkannt,
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Die thöricht g'nug ihr volles Herz nicht wahrten,
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Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
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Hat man von je gekreutzigt und verbrannt.
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Ich bitt' euch, Freund, es ist tief in der Nacht,
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Wir müssen's dießmal unterbrechen.
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_Wagner._
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Ich hätte gern nur immer fortgewacht,
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Um so gelehrt mit euch mich zu besprechen.
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Doch Morgen, als am ersten Ostertage,
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Erlaubt mir ein' und andre Frage.
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Mit Eifer hab' ich mich der Studien beflissen,
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Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.
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(ab.)
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_Faust_ allein.
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Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
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Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
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Mit gier'ger Hand nach Schätzen gräbt,
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Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
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Darf eine solche Menschenstimme hier,
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Wo Geisterfülle mich umgab, ertönen?
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Doch ach! für dießmal dank' ich dir,
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Dem ärmlichsten von allen Erdensöhnen.
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Du rissest mich von der Verzweiflung los,
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Die mir die Sinne schon zerstören wollte.
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Ach! die Erscheinung war so Riesen-groß,
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Daß ich mich recht als Zwerg empfinden sollte.
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Ich, Ebenbild der Gottheit, das sich schon
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Ganz nah gedünkt dem Spiegel ew'ger Wahrheit,
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Sein selbst genoß, in Himmelsglanz und Klarheit,
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Und abgestreift den Erdensohn;
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Ich, mehr als Cherub, dessen freye Kraft
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Schon durch die Adern der Natur zu fließen
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Und, schaffend, Götterleben zu genießen
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Sich ahndungsvoll vermaß, wie muß ich's büßen!
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Ein Donnerwort hat mich hinweggerafft.
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Nicht darf ich dir zu gleichen mich vermessen.
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Hab' ich die Kraft dich anzuziehn besessen;
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So hatt' ich dich zu halten keine Kraft.
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In jenem sel'gen Augenblicke
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Ich fühlte mich so klein, so groß,
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Du stießest grausam mich zurücke,
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Ins ungewisse Menschenloos.
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Wer lehret mich? was soll ich meiden?
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Soll ich gehorchen jenem Drang?
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Ach! unsre Thaten selbst, so gut als unsre Leiden,
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Sie hemmen unsres Lebens Gang.
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Dem herrlichsten, was auch der Geist empfangen,
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Drängt immer fremd und fremder Stoff sich an;
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Wenn wir zum Guten dieser Welt gelangen,
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Dann heißt das Beßre Trug und Wahn.
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Die uns das Leben gaben, herrliche Gefühle
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Erstarren in dem irdischen Gewühle.
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Wenn Phantasie sich sonst, mit kühnem Flug,
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Und hoffnungsvoll zum Ewigen erweitert,
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So ist ein kleiner Raum ihr nun genug,
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Wenn Glück auf Glück im Zeitenstrudel scheitert.
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Die Sorge nistet gleich im tiefen Herzen,
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Dort wirket sie geheime Schmerzen,
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Unruhig wiegt sie sich und störet Lust und Ruh;
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Sie deckt sich stets mit neuen Masken zu,
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Sie mag als Haus und Hof, als Weib und Kind erscheinen,
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Als Feuer, Wasser, Dolch und Gift;
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Du bebst vor allem was nicht trifft,
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Und was du nie verlierst das mußt du stets beweinen.
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Den Göttern gleich' ich nicht! zu tief ist es gefühlt;
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Dem Wurme gleich' ich, der den Staub durchwühlt;
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Den, wie er sich im Staube nährend lebt,
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Des Wandrers Tritt vernichtet und begräbt.
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Ist es nicht Staub? was diese hohe Wand,
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Aus hundert Fächern, mir verenget;
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Der Trödel, der mit tausendfachem Tand,
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In dieser Mottenwelt mich dränget?
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Hier soll ich finden was mir fehlt?
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Soll ich vielleicht in tausend Büchern lesen,
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Daß überall die Menschen sich gequält,
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Daß hie und da ein Glücklicher gewesen? --
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Was grinsest du mir hohler Schädel her?
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Als daß dein Hirn, wie meines, einst verwirret,
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Den leichten Tag gesucht und in der Dämmrung schwer,
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Mit Lust nach Wahrheit, jämmerlich geirret.
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Ihr Instrumente freylich, spottet mein,
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Mit Rad und Kämmen, Walz' und Bügel.
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Ich stand am Thor, ihr solltet Schlüssel seyn;
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Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel.
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Geheimnißvoll am lichten Tag
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Läßt sich Natur des Schleyers nicht berauben,
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Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
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Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.
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Du alt Geräthe das ich nicht gebraucht,
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Du stehst nur hier, weil dich mein Vater brauchte.
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Du alte Rolle, du wirst angeraucht,
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So lang an diesem Pult die trübe Lampe schmauchte.
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Weit besser hätt' ich doch mein weniges verpraßt,
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Als mit dem wenigen belastet hier zu schwitzen!
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Was du ererbt von deinen Vätern hast
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Erwirb es, um es zu besitzen.
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Was man nicht nützt ist eine schwere Last,
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Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.
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Doch warum heftet sich mein Blick auf jene Stelle?
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Ist jenes Fläschchen dort den Augen ein Magnet?
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Warum wird mir auf einmal lieblich helle?
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Als wenn im nächt'gen Wald uns Mondenglanz umweht.
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Ich grüße dich, du einzige Phiole!
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Die ich mit Andacht nun herunterhole,
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In dir verehr' ich Menschenwitz und Kunst.
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Du Inbegriff der holden Schlummersäfte,
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Du Auszug aller tödlich feinen Kräfte,
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Erweise deinem Meister deine Gunst!
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Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert,
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Ich fasse dich, das Streben wird gemindert,
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Des Geistes Fluthstrom ebbet nach und nach.
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Ins hohe Meer werd' ich hinausgewiesen,
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Die Spiegelfluth erglänzt zu meinen Füßen,
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Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.
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Ein Feuerwagen schwebt, auf leichten Schwingen,
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An mich heran! Ich fühle mich bereit
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Auf neuer Bahn den Aether zu durchdringen,
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Zu neuen Sphären reiner Thätigkeit.
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Dieß hohe Leben, diese Götterwonne!
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Du, erst noch Wurm, und die verdienest du?
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Ja, kehre nur der holden Erdensonne
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Entschlossen deinen Rücken zu!
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Vermesse dich die Pforten aufzureißen,
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Vor denen jeder gern vorüber schleicht.
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Hier ist es Zeit durch Thaten zu beweisen,
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Daß Mannes-Würde nicht der Götterhöhe weicht,
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Vor jener dunkeln Höhle nicht zu beben,
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In der sich Phantasie zu eigner Quaal verdammt,
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Nach jenem Durchgang hinzustreben,
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Um dessen engen Mund die ganze Hölle flammt;
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Zu diesem Schritt sich heiter zu entschließen
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Und, wär' es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu fließen.
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Nun komm herab, krystallne reine Schaale!
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Hervor aus deinem alten Futterale,
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An die ich viele Jahre nicht gedacht.
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Du glänztest bey der Väter Freudenfeste,
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Erheitertest die ernsten Gäste,
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Wenn einer dich dem andern zugebracht.
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Der vielen Bilder künstlich reiche Pracht,
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Des Trinkers Pflicht, sie reimweis zu erklären,
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Auf Einen Zug die Höhlung auszuleeren,
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Erinnert mich an manche Jugend-Nacht,
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Ich werde jetzt dich keinem Nachbar reichen,
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Ich werde meinen Witz an deiner Kunst nicht zeigen,
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Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht.
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Mit brauner Flut erfüllt er deine Höhle.
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Den ich bereitet, den ich wähle,
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Der letzte Trunk sey nun, mit ganzer Seele,
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Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!
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(Er setzt die Schaale an den Mund.)
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_Glockenklang_ und _Chorgesang._
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_Chor der Engel._
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Christ ist erstanden!
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Freude dem Sterblichen,
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Den die verderblichen,
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Schleichenden, erblichen
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Mängel umwanden.
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_Faust._
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Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton,
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Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
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Verkündiget ihr dumpfen Glocken schon
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Des Osterfestes erste Feyerstunde?
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Ihr Chöre singt ihr schon den tröstlichen Gesang?
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Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
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Gewißheit einem neuen Bunde.
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_Chor der Weiber._
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Mit Spezereyen
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Hatten wir ihn gepflegt,
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Wir seine Treuen
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Hatten ihn hingelegt;
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Tücher und Binden
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Reinlich umwanden wir,
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Ach! und wir finden
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Christ nicht mehr hier.
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_Chor der Engel._
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Christ ist erstanden!
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Selig der Liebende,
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Der die Betrübende,
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Heilsam' und übende
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Prüfung bestanden.
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_Faust._
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Was sucht ihr, mächtig und gelind,
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Ihr Himmelstöne mich am Staube?
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Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
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|
Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube
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Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
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Zu jenen Sphären wag' ich nicht zu streben,
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Woher die holde Nachricht tönt;
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Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
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Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
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Sonst stürzte sich der Himmels-Liebe Kuß
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Auf mich herab, in ernster Sabathstille;
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Da klang so ahndungsvoll des Glockentones Fülle,
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Und ein Gebet war brünstiger Genuß;
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Ein unbegreiflich holdes Sehnen
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Trieb mich durch Wald und Wiesen hinzugehn,
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Und unter tausend heißen Thränen,
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Fühlt' ich mir eine Welt entstehn.
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Dieß Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
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Der Frühlingsfeyer freyes Glück;
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Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,
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Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
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O! tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
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Die Thräne quillt, die Erde hat mich wieder!
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_Chor der Jünger._
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Hat der Begrabene
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Schon sich nach oben,
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Lebend Erhabene,
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Herrlich erhoben;
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Ist er in Werdelust
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Schaffender Freude nah;
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Ach! an der Erde Brust,
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Sind wir zum Leide da.
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Ließ er die Seinen
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Schmachtend uns hier zurück;
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Ach! wir beweinen
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Meister dein Glück!
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_Chor der Engel._
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Christ ist erstanden,
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Aus der Verwesung Schoos.
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Reißet von Banden
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Freudig euch los!
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Thätig ihn preisenden,
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Liebe beweisenden,
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Brüderlich speisenden,
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Predigend reisenden,
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Wonne verheißenden
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Euch ist der Meister nah',
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Euch ist er da!
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_Vor dem Thor._
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_Spaziergänger_ aller Art ziehen hinaus.
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_Einige Handwerksbursche._
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Warum denn dort hinaus?
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_Andre._
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Wir gehn hinaus auf's Jägerhaus.
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_Die Ersten._
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Wir aber wollen nach der Mühle wandern.
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_Ein Handwerksbursch._
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Ich rath' euch nach dem Wasserhof zu gehn.
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_Zweyter._
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Der Weg dahin ist gar nicht schön.
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_Die Zweyten._
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Was thust denn du?
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_Ein Dritter._
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Ich gehe mit den andern.
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_Vierter._
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Nach Burgdorf kommt herauf, gewiß dort findet ihr
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Die schönsten Mädchen und das beste Bier,
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Und Händel von der ersten Sorte.
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_Fünfter._
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Du überlustiger Gesell,
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Juckt dich zum drittenmal das Fell?
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Ich mag nicht hin, mir graut es vor dem Orte.
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_Dienstmädchen._
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Nein, nein! ich gehe nach der Stadt zurück.
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_Andre._
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Wir finden ihn gewiß bey jenen Pappeln stehen.
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_Erste._
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Das ist für mich kein großes Glück;
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Er wird an deiner Seite gehen,
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Mit dir nur tanzt er auf dem Plan.
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Was gehn mich deine Freuden an!
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_Andre._
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Heut ist er sicher nicht allein,
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Der Krauskopf, sagt er, würde bey ihm seyn.
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_Schüler._
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Blitz wie die wackern Dirnen schreiten!
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Herr Bruder komm! wir müssen sie begleiten.
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Ein starkes Bier, ein beizender Toback,
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Und eine Magd im Putz das ist nun mein Geschmack.
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_Bürgermädchen._
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Da sieh mir nur die schönen Knaben!
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Es ist wahrhaftig eine Schmach,
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Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben,
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Und laufen diesen Mägden nach!
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_Zweyter Schüler_ zum ersten.
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Nicht so geschwind! dort hinten kommen zwey,
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Sie sind gar niedlich angezogen,
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's ist meine Nachbarin dabey;
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Ich bin dem Mädchen sehr gewogen.
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Sie gehen ihren stillen Schritt
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Und nehmen uns doch auch am Ende mit.
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_Erster._
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Herr Bruder nein! Ich bin nicht gern genirt.
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Geschwind! daß wir das Wildpret nicht verlieren.
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Die Hand, die Samstags ihren Besen führt,
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Wird Sontags dich am besten caressiren.
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_Bürger._
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Nein, er gefällt mir nicht der neue Burgemeister!
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Nun, da er's ist, wird er nur täglich dreister.
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Und für die Stadt was thut denn er?
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Wird es nicht alle Tage schlimmer?
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Gehorchen soll man mehr als immer,
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Und zahlen mehr als je vorher.
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_Bettler_ singt.
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Ihr guten Herrn, ihr schönen Frauen,
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So wohlgeputzt und backenroth,
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Belieb' es euch mich anzuschauen,
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Und seht und mildert meine Noth!
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Laßt hier mich nicht vergebens leyern!
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Nur der ist froh, der geben mag.
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Ein Tag den alle Menschen feyern,
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Er sey für mich ein Aerndetag.
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_Andrer Bürger._
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Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feyertagen,
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Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrey,
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Wenn hinten, weit, in der Türkey,
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Die Völker auf einander schlagen.
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Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
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Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
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Dann kehrt man Abends froh nach Haus,
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Und segnet Fried' und Friedenszeiten.
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_Dritter Bürger._
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Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn,
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Sie mögen sich die Köpfe spalten,
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Mag alles durch einander gehn;
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Doch nur zu Hause bleib's beym Alten.
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_Alte_ zu den Bürgermädchen.
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Ey! wie geputzt! das schöne junge Blut!
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Wer soll sich nicht in euch vergaffen? --
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Nur nicht so stolz! es ist schon gut!
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Und was ihr wünscht das wüßt' ich wohl zu schaffen.
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_Bürgermädchen._
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Agathe fort! ich nehme mich in Acht
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Mit solchen Hexen öffentlich zu gehen;
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Sie ließ mich zwar, in Sanct Andreas Nacht,
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Den künftgen Liebsten leiblich sehen.
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_Die Andre._
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Mir zeigte sie ihn im Krystall,
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Soldatenhaft, mit mehreren Verwegnen;
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Ich seh' mich um, ich such' ihn überall,
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Allein mir will er nicht begegnen.
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_Soldaten._
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Burgen mit hohen
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Mauern und Zinnen,
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Mädchen mit stolzen
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Höhnenden Sinnen
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Möcht' ich gewinnen!
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Kühn ist das Mühen,
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Herrlich der Lohn!
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Und die Trompete
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Lassen wir werben,
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Wie zu der Freude,
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So zum Verderben.
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Das ist ein Stürmen!
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Das ist ein Leben!
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Mädchen und Burgen
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Müssen sich geben.
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Kühn ist das Mühen,
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Herrlich der Lohn!
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Und die Soldaten
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Ziehen davon.
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_Faust_ und _Wagner._
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_Faust._
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Vom Eise befreyt sind Strom und Bäche,
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Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
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Im Thale grünet Hoffnungs-Glück;
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Der alte Winter, in seiner Schwäche,
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Zog sich in rauhe Berge zurück.
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Von dorther sendet er, fliehend, nur
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Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
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In Streifen über die grünende Flur;
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Aber die Sonne duldet kein Weißes,
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Ueberall regt sich Bildung und Streben,
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Alles will sie mit Farben beleben;
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Doch an Blumen fehlts im Revier,
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Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
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Kehre dich um, von diesen Höhen
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Nach der Stadt zurück zu sehen.
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Aus dem hohlen finstren Thor
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Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
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Jeder sonnt sich heute so gern.
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Sie feyern die Auferstehung des Herrn,
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Denn sie sind selber auferstanden,
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Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
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Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
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Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
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Aus der Straßen quetschender Enge,
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Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
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Sind sie alle ans Licht gebracht.
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Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
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Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
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Wie der Fluß, in Breit' und Länge,
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So manchen lustigen Nachen bewegt,
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Und, bis zum Sinken überladen
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Entfernt sich dieser letzte Kahn.
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Selbst von des Berges fernen Pfaden
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Blinken uns farbige Kleider an.
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Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
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Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
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Zufrieden jauchzet groß und klein:
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Hier bin ich Mensch, hier darf ich's seyn.
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_Wagner._
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Mit euch, Herr Doctor, zu spazieren
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Ist ehrenvoll und ist Gewinn;
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Doch würd' ich nicht allein mich her verlieren,
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Weil ich ein Feind von allem Rohen bin.
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Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben,
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Ist mir ein gar verhaßter Klang;
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Sie toben wie vom bösen Geist getrieben
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Und nennen's Freude, nennen's Gesang.
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_Bauern_ unter der Linde.
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_Tanz und Gesang._
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Der Schäfer putzte sich zum Tanz,
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Mit bunter Jacke, Band und Kranz,
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Schmuck war er angezogen.
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Schon um die Linde war es voll
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Und alles tanzte schon wie toll.
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Juchhe! Juchhe!
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Juchheisa! Heisa! He!
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So ging der Fiedelbogen.
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Er drückte hastig sich heran,
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Da stieß er an ein Mädchen an,
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Mit seinem Ellenbogen;
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Die frische Dirne kehrt sich um
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Und sagte: nun das find' ich dumm
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Juchhe! Juchhe!
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Juchheisa! Heisa! He!
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Seyd nicht so ungezogen.
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Doch hurtig in dem Kreise ging's,
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Sie tanzten rechts sie tanzten links
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Und alle Röcke flogen.
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Sie wurden roth, sie wurden warm
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Und ruhten athmend Arm in Arm,
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Juchhe! Juchhe!
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Juchheisa! Heisa! He!
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Und Hüft' an Ellenbogen.
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Und thu mir doch nicht so vertraut!
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Wie mancher hat nicht seine Braut
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Belogen und betrogen!
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Er schmeichelte sie doch bey Seit'
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Und von der Linde scholl es weit:
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Juchhe! Juchhe!
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Juchheisa! Heisa! He!
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Geschrei und Fiedelbogen.
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_Alter Bauer._
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|
|
Herr Doctor, das ist schön von euch,
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Daß ihr uns heute nicht verschmäht,
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Und unter dieses Volksgedräng',
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Als ein so Hochgelahrter, geht.
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So nehmet auch den schönsten Krug,
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|
Den wir mit frischem Trunk gefüllt,
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Ich bring' ihn zu und wünsche laut,
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Daß er nicht nur den Durst euch stillt;
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Die Zahl der Tropfen, die er hegt,
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Sey euren Tagen zugelegt.
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_Faust._
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Ich nehme den Erquickungs-Trank,
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Erwiedr' euch allen Heil und Dank.
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_Das Volk_ sammelt sich im Kreis umher.
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|
_Alter Bauer._
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Fürwahr es ist sehr wohl gethan,
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Daß ihr am frohen Tag erscheint;
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Habt ihr es vormals doch mit uns
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An bösen Tagen gut gemeynt!
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Gar mancher steht lebendig hier,
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Den euer Vater noch zuletzt
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Der heißen Fieberwuth entriß,
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Als er der Seuche Ziel gesetzt.
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Auch damals ihr, ein junger Mann,
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Ihr gingt in jedes Krankenhaus,
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Gar manche Leiche trug man fort,
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Ihr aber kamt gesund heraus,
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Bestandet manche harte Proben;
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Dem Helfer half der Helfer droben.
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_Alle._
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Gesundheit dem bewährten Mann,
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Daß er noch lange helfen kann!
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|
_Faust._
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Vor jenem droben steht gebückt,
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Der helfen lehrt und Hülfe schickt.
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(Er geht mit Wagnern weiter.)
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|
_Wagner._
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Welch ein Gefühl mußt du, o großer Mann!
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Bey der Verehrung dieser Menge haben!
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O! glücklich! wer von seinen Gaben
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Solch einen Vortheil ziehen kann.
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Der Vater zeigt dich seinem Knaben,
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Ein jeder fragt und drängt und eilt,
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Die Fiedel stockt, der Tänzer weilt.
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Du gehst, in Reihen stehen sie,
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Die Mützen fliegen in die Höh';
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Und wenig fehlt, so beugten sich die Knie,
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Als käm' das Venerabile.
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_Faust._
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Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein,
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Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.
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Hier saß ich oft gedankenvoll allein
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Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.
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An Hoffnung reich, im Glauben fest,
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Mit Thränen, Seufzen, Händeringen
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Dacht' ich das Ende jener Pest
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Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
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Der Menge Beyfall tönt mir nun wie Hohn.
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O könntest du in meinem Innern lesen,
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Wie wenig Vater und Sohn
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Solch eines Ruhmes werth gewesen!
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Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
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Der über die Natur und ihre heilgen Kreise,
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In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
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Mit grillenhafter Mühe sann.
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Der, in Gesellschaft von Adepten,
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Sich in die schwarze Küche schloß,
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Und, nach unendlichen Recepten,
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Das Widrige zusammengoß.
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Da ward ein rother Leu, ein kühner Freyer,
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Im lauen Bad, der Lilie vermählt
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Und beyde dann, mit offnem Flammenfeuer,
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Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
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Erschien darauf, mit bunten Farben,
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Die junge Königin im Glas,
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Hier war die Arzeney, die Patienten starben,
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Und niemand fragte: wer genas?
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So haben wir, mit höllischen Latwergen,
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In diesen Thälern, diesen Bergen,
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Weit schlimmer als die Pest getobt.
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Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
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Sie welkten hin, ich muß erleben
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Daß man die frechen Mörder lobt.
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_Wagner._
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Wie könnt ihr euch darum betrüben!
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Thut nicht ein braver Mann genug;
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Die Kunst, die man ihm übertrug,
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Gewissenhaft und pünctlich auszuüben.
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Wenn du, als Jüngling, deinen Vater ehrst,
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So wirst du gern von ihm empfangen;
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Wenn du, als Mann, die Wissenschaft vermehrst,
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So kann dein Sohn zu höhrem Ziel gelangen.
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|
_Faust._
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O! glücklich! wer noch hoffen kann
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Aus diesem Meer des Irrthums aufzutauchen.
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Was man nicht weiß das eben brauchte man,
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Und was man weiß kann man nicht brauchen.
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Doch laß uns dieser Stunde schönes Gut,
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|
Durch solchen Trübsinn, nicht verkümmern!
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|
Betrachte wie, in Abendsonne-Glut,
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Die grünumgebnen Hütten schimmern.
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Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,
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Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.
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O! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,
|
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Ihr nach und immer nach zu streben.
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Ich säh' im ewigen Abendstrahl
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|
Die stille Welt zu meinen Füßen,
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Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Thal,
|
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Den Silberbach in goldne Ströme fließen.
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Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf
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Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
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Schon thut das Meer sich mit erwärmten Buchten
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Vor den erstaunten Augen auf.
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Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
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Allein der neue Trieb erwacht,
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Ich eile fort ihr ew'ges Licht zu trinken,
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Vor mir den Tag, und hinter mir die Nacht,
|
|
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
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Ein schöner Traum, indessen sie entweicht.
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|
Ach! zu des Geistes Flügeln wird so leicht
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Kein körperlicher Flügel sich gesellen.
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Doch ist es jedem eingeboren,
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|
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
|
|
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
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|
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt;
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Wenn über schroffen Fichtenhöhen
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Der Adler ausgebreitet schwebt,
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Und über Flächen, über Seen,
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|
Der Kranich nach der Heimat strebt.
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|
_Wagner._
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Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,
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|
Doch solchen Trieb hab' ich noch nie empfunden.
|
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Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,
|
|
Des Vogels Fittig werd' ich nie beneiden.
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|
Wie anders tragen uns die Geistesfreuden,
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Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
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Da werden Winternächte hold und schön,
|
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Ein selig Leben wärmet alle Glieder,
|
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Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen;
|
|
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.
|
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|
_Faust._
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Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
|
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O lerne nie den andern kennen!
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Zwey Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
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Die eine will sich von der andern trennen;
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Die eine hält, in derber Liebeslust,
|
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Sich an die Welt, mit klammernden Organen;
|
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Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust,
|
|
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
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|
O giebt es Geister in der Luft,
|
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Die zwischen Erd' und Himmel herrschend weben,
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|
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
|
|
Und führt mich weg, zu neuem buntem Leben!
|
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Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein!
|
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Und trüg' er mich in fremde Länder,
|
|
Mir sollt' er, um die köstlichsten Gewänder,
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|
Nicht feil um einen Königsmantel seyn.
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|
_Wagner._
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Berufe nicht die wohlbekannte Schaar,
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Die, strömend, sich im Dunstkreis überbreitet,
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|
Dem Menschen tausendfältige Gefahr,
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Von allen Enden her, bereitet.
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|
Von Norden dringt der scharfe Geisterzahn
|
|
Auf dich herbey, mit pfeilgespitzten Zungen;
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|
Von Morgen ziehn, vertrocknend, sie heran,
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Und nähren sich von deinen Lungen;
|
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Wenn sie der Mittag aus der Wüste schickt,
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Die Glut auf Glut um deinen Scheitel häufen,
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|
So bringt der West den Schwarm, der erst erquickt,
|
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Um dich und Feld und Aue zu ersäufen.
|
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Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
|
|
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen,
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Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
|
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Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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Doch gehen wir! ergraut ist schon die Welt,
|
|
Die Luft gekühlt, der Nebel fällt!
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Am Abend schätzt man erst das Haus. --
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|
Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?
|
|
Was kann dich in der Dämmrung so ergreifen?
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_Faust._
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Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
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|
_Wagner._
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Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.
|
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|
|
_Faust._
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Betracht' ihn recht! für was hältst du das Thier?
|
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|
|
_Wagner._
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Für einen Pudel, der auf seine Weise
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Sich auf der Spur des Herren plagt.
|
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|
_Faust._
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Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
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Er um uns her und immer näher jagt?
|
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Und irr' ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
|
|
Auf seinen Pfaden hinterdrein.
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|
_Wagner._
|
|
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|
Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel,
|
|
Es mag bey euch wohl Augentäuschung seyn.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen,
|
|
Zu künft'gem Band, um unsre Füße zieht.
|
|
|
|
_Wagner._
|
|
|
|
Ich seh' ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,
|
|
Weil er, statt seines Herrn, zwey Unbekannte sieht.
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|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Der Kreis wird eng, schon ist er nah!
|
|
|
|
_Wagner._
|
|
|
|
Du siehst! ein Hund, und kein Gespenst ist da.
|
|
Er knurrt und zweifelt, legt sich auf den Bauch,
|
|
Er wedelt. Alles Hunde Brauch.
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|
|
_Faust._
|
|
|
|
Geselle dich zu uns! Komm hier!
|
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|
|
_Wagner._
|
|
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Es ist ein pudelnärrisch Thier.
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Du stehest still, er wartet auf;
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Du sprichst ihn an, er strebt an dir hinauf;
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Verliere was, er wird es bringen,
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Nach deinem Stock ins Wasser springen.
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_Faust._
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Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur
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Von einem Geist, und alles ist Dressur.
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_Wagner._
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Dem Hunde, wenn er gut gezogen,
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Wird selbst ein weiser Mann gewogen.
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Ja deine Gunst verdient er ganz und gar
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Er, der Studenten trefflicher Scolar.
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(Sie gehen in das Stadt-Thor.)
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_Studirzimmer._
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_Faust_ mit dem _Pudel_ hereintretend.
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Verlassen hab' ich Feld und Auen,
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Die eine tiefe Nacht bedeckt,
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Mit ahndungsvollem heil'gem Grauen
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In uns die bessre Seele weckt.
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Entschlafen sind nun wilde Triebe,
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Mit jedem ungestümen Thun;
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Es reget sich die Menschenliebe,
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Die Liebe Gottes regt sich nun.
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Sey ruhig Pudel! renne nicht hin und wieder!
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An der Schwelle was schnoperst du hier?
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Lege dich hinter den Ofen nieder,
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Mein bestes Kissen geb' ich dir.
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Wie du draußen auf dem bergigen Wege,
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Durch Rennen und Springen, ergetzt uns hast,
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So nimm nun auch von mir die Pflege,
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Als ein willkommner stiller Gast.
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Ach wenn in unsrer engen Zelle
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Die Lampe freundlich wieder brennt,
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Dann wird's in unserm Busen helle,
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Im Herzen, das sich selber kennt.
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Vernunft fängt wieder an zu sprechen,
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Und Hoffnung wieder an zu blühn,
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Man sehnt sich nach des Lebens Bächen,
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Ach! nach des Lebens Quelle hin.
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Knurre nicht Pudel! Zu den heiligen Tönen,
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Die jetzt meine ganze Seel' umfassen,
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Will der thierische Laut nicht passen.
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Wir sind gewohnt, daß die Menschen verhöhnen
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Was sie nicht verstehn,
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Daß sie vor dem Guten und Schönen,
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Das ihnen oft beschwerlich ist, murren;
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Will es der Hund, wie sie, beknurren[?]
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Aber ach! schon fühl' ich, bey dem besten Willen,
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Befriedigung nicht mehr aus dem Busen quillen.
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Aber warum muß der Strom so bald versiegen,
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Und wir wieder im Durste liegen?
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Davon hab' ich so viel Erfahrung.
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Doch dieser Mangel läßt sich ersetzen,
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Wir lernen das Ueberirdische schätzen,
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Wir sehnen uns nach Offenbarung,
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Die nirgends würd'ger und schöner brennt,
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Als in dem neuen Testament.
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Mich drängt's den Grundtext aufzuschlagen,
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Mit redlichem Gefühl einmal
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Das heilige Original
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In mein geliebtes Deutsch zu übertragen.
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(Er schlägt ein Volum auf und schickt sich an.)
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Geschrieben steht: »im Anfang war das _Wort!_«
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Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
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Ich kann das _Wort_ so hoch unmöglich schätzen,
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Ich muß es anders übersetzen,
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Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
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Geschrieben steht: im Anfang war der _Sinn_.
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Bedenke wohl die erste Zeile,
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Daß deine Feder sich nicht übereile!
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Ist es der _Sinn,_ der alles wirkt und schafft?
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Es sollte stehn: im Anfang war die _Kraft!_
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Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
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Schon warnt mich was, daß ich dabey nicht bleibe.
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Mir hilft der Geist! auf einmal seh' ich Rath
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Und schreibe getrost: im Anfang war die _That!_
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Soll ich mit dir das Zimmer theilen,
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Pudel, so laß das Heulen,
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So laß das Bellen!
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Solch einen störenden Gesellen
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Mag ich nicht in der Nähe leiden.
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Einer von uns beyden
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Muß die Zelle meiden.
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Ungern heb' ich das Gastrecht auf,
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Die Thür' ist offen, hast freyen Lauf.
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Aber was muß ich sehen!
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Kann das natürlich geschehen?
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Ist es Schatten? ist's Wirklichkeit?
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Wie wird mein Pudel lang und breit!
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Er hebt sich mit Gewalt,
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Das ist nicht eines Hundes Gestalt!
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Welch ein Gespenst bracht' ich ins Haus!
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Schon sieht er wie ein Nilpferd aus,
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Mit feurigen Augen, schrecklichem Gebiß.
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O! du bist mir gewiß!
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Für solche halbe Höllenbrut
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Ist Salomonis Schlüssel gut.
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_Geister_ auf dem Gange.
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Drinnen gefangen ist einer!
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Bleibet haußen, folg' ihm keiner!
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Wie im Eisen der Fuchs,
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Zagt ein alter Höllenluchs.
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Aber gebt Acht!
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Schwebet hin, schwebet wieder,
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Auf und nieder,
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Und er hat sich losgemacht.
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Könnt ihr ihm nützen,
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Laßt ihn nicht sitzen!
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Denn er that uns allen
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Schon viel zu Gefallen.
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_Faust._
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Erst zu begegnen dem Thiere,
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Brauch' ich den Spruch der Viere:
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Salamander soll glühen,
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Undene sich winden,
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Silphe verschwinden,
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Kobold sich mühen.
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Wer sie nicht kennte
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Die Elemente,
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Ihre Kraft
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Und Eigenschaft,
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Wäre kein Meister
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Ueber die Geister.
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Verschwind' in Flammen
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Salamander!
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Rauschend fließe zusammen
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Undene!
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Leucht' in Meteoren-Schöne
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Silphe!
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Bring' häußliche Hülfe
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#Incubus! incubus!#
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Tritt hervor und mache den Schluß.
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Keines der Viere
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Steckt in dem Thiere.
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Es liegt ganz ruhig und grins't mich an,
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Ich hab' ihm noch nicht weh gethan.
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Du sollst mich hören
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Stärker beschwören.
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Bist du Geselle
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Ein Flüchtling der Hölle?
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So sieh dies Zeichen!
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Dem sie sich beugen
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Die schwarzen Schaaren.
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Schon schwillt es auf mit borstigen Haaren.
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Verworfnes Wesen!
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Kannst du ihn lesen?
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Den nie entsprossnen,
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Unausgesprochnen,
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Durch alle Himmel gegossnen,
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Freventlich durchstochnen.
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Hinter den Ofen gebannt
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Schwillt es wie ein Elephant,
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Den ganzen Raum füllt es an,
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Es will zum Nebel zerfließen.
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Steige nicht zur Decke hinan!
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Lege dich zu des Meisters Füßen!
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Du siehst daß ich nicht vergebens drohe.
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Ich versenge dich mit heiliger Lohe!
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Erwarte nicht
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Das dreymal glühende Licht!
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Erwarte nicht
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Die stärkste von meinen Künsten!
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_Mephistopheles_
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(tritt, indem der Nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus,
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hinter dem Ofen hervor.)
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Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?
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_Faust._
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Das also war des Pudels Kern!
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Ein fahrender Scolast? Der Casus macht mich lachen.
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|
_Mephistopheles._
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Ich salutire den gelehrten Herrn!
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Ihr habt mich weidlich schwitzen machen.
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_Faust._
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Wie nennst du dich?
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_Mephistopheles._
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Die Frage scheint mir klein,
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Für einen der das Wort so sehr verachtet,
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Der, weit entfernt von allem Schein,
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Nur in der Wesen Tiefe trachtet.
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_Faust._
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Bey euch, ihr Herrn, kann man das Wesen
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Gewöhnlich aus dem Namen lesen,
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Wo es sich allzudeutlich weis't,
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Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.
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Nun gut wer bist du denn?
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|
_Mephistopheles._
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Ein Theil von jener Kraft,
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Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
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|
_Faust._
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Was ist mit diesem Räthselwort gemeynt?
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|
_Mephistopheles._
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Ich bin der Geist der stets verneint!
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Und das mit Recht; denn alles was entsteht
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Ist werth daß es zu Grunde geht;
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Drum besser wär's daß nichts entstünde.
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So ist denn alles was ihr Sünde,
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Zerstörung, kurz das Böse nennt,
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|
Mein eigentliches Element.
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_Faust._
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Du nennst dich einen Theil, und stehst doch ganz vor mir?
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|
_Mephistopheles._
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|
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|
Bescheidne Wahrheit sprech' ich dir.
|
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Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,
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|
Gewöhnlich für ein Ganzes hält;
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Ich bin ein Theil des Theils, der Anfangs alles war,
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Ein Theil der Finsterniß, die sich das Licht gebar,
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Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
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Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
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Und doch gelingt's ihm nicht, da es, so viel es strebt,
|
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Verhaftet an den Körpern klebt.
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Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön,
|
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Ein Körper hemmt's auf seinem Gange,
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So, hoff' ich, dauert es nicht lange
|
|
Und mit den Körpern wird's zu Grunde gehn.
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|
_Faust._
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Nun kenn' ich deine würd'gen Pflichten!
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Du kannst im Großen nichts vernichten
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Und fängst es nun im Kleinen an.
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|
_Mephistopheles._
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|
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|
Und freylich ist nicht viel damit gethan.
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Was sich dem Nichts entgegenstellt,
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Das Etwas, diese plumpe Welt,
|
|
So viel als ich schon unternommen
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Ich wußte nicht ihr beyzukommen,
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|
Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand,
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Geruhig bleibt am Ende Meer und Land!
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Und dem verdammten Zeug, der Thier- und Menschenbrut,
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|
Dem ist nun gar nichts anzuhaben,
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Wie viele hab' ich schon begraben!
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Und immer zirkulirt ein neues, frisches Blut.
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So geht es fort, man möchte rasend werden!
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Der Luft, dem Wasser, wie der Erden
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Entwinden tausend Keime sich,
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|
Im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!
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Hätt' ich mir nicht die Flamme vorbehalten;
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Ich hätte nichts apart's für mich.
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|
_Faust._
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|
So setzest du der ewig regen,
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|
Der heilsam schaffenden Gewalt
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Die kalte Teufelsfaust entgegen,
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|
Die sich vergebens tückisch ballt!
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Was anders suche zu beginnen
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Des Chaos wunderlicher Sohn!
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|
_Mephistopheles._
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Wir wollen wirklich uns besinnen,
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|
Die nächstenmale mehr davon!
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Dürft' ich wohl diesmal mich entfernen?
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|
_Faust._
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Ich sehe nicht warum du fragst.
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Ich habe jetzt dich kennen lernen,
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Besuche nun mich wie du magst.
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Hier ist das Fenster, hier die Thüre,
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Ein Rauchfang ist dir auch gewiß.
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|
_Mephistopheles._
|
|
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|
Gesteh' ichs nur! daß ich hinausspaziere
|
|
Verbietet mir ein kleines Hinderniß,
|
|
Der Drudenfuß auf eurer Schwelle --
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|
_Faust._
|
|
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|
Das Pentagramma macht dir Pein?
|
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Ey sage mir, du Sohn der Hölle,
|
|
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
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|
Wie ward ein solcher Geist betrogen?
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|
_Mephistopheles._
|
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|
Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen;
|
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Der eine Winkel, der nach außen zu,
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Ist, wie du siehst, ein wenig offen.
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|
_Faust._
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|
Das hat der Zufall gut getroffen!
|
|
Und mein Gefangner wärst denn du?
|
|
Das ist von ohngefähr gelungen!
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|
_Mephistopheles._
|
|
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Der Pudel merkte nichts als er hereingesprungen,
|
|
Die Sache sieht jetzt anders aus;
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Der Teufel kann nicht aus dem Haus.
|
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|
_Faust._
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|
|
|
Doch warum gehst du nicht durchs Fenster?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
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's ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster:
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|
Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus.
|
|
Das erste steht uns frey, beym zweyten sind wir Knechte.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Die Hölle selbst hat ihre Rechte?
|
|
Das find' ich gut, da ließe sich ein Packt,
|
|
Und sicher wohl, mit euch ihr Herren schließen?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Was man verspricht, das sollst du rein genießen,
|
|
Dir wird davon nichts abgezwackt.
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|
Doch das ist nicht so kurz zu fassen,
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Und wir besprechen das zunächst;
|
|
Doch jetzo bitt' ich, hoch und höchst,
|
|
Für diesesmal mich zu entlassen.
|
|
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|
_Faust._
|
|
|
|
So bleibe doch noch einen Augenblick,
|
|
Um mir erst gute Mähr zu sagen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Jetzt laß mich los! ich komme bald zurück,
|
|
Dann magst du nach Belieben fragen.
|
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|
|
_Faust._
|
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|
|
Ich habe dir nicht nachgestellt,
|
|
Bist du doch selbst ins Garn gegangen.
|
|
Den Teufel halte wer ihn hält!
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Er wird ihn nicht sobald zum zweytenmale fangen.
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|
|
_Mephistopheles._
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|
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|
Wenn dir's beliebt, so bin ich auch bereit
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|
Dir zur Gesellschaft hier zu bleiben;
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Doch mit Bedingniß, dir die Zeit,
|
|
Durch meine Künste, würdig zu vertreiben.
|
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|
_Faust._
|
|
|
|
Ich seh' es gern, das steht dir frey;
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Nur daß die Kunst gefällig sey!
|
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|
_Mephistopheles._
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|
Du wirst, mein Freund, für deine Sinnen,
|
|
In dieser Stunde mehr gewinnen,
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Als in des Jahres Einerley.
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Was dir die zarten Geister singen,
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Die schönen Bilder die sie bringen,
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Sind nicht ein leeres Zauberspiel.
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|
Auch dein Geruch wird sich ergetzen,
|
|
Dann wirst du deinen Gaumen letzen,
|
|
Und dann entzückt sich dein Gefühl.
|
|
Bereitung braucht es nicht voran,
|
|
Beysammen sind wir, fanget an!
|
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|
_Geister._
|
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Schwindet ihr dunkeln
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Wölbungen droben!
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Reizender schaue,
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Freundlich, der blaue
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Aether herein!
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|
Wären die dunkeln
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Wolken zerronnen!
|
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Sternelein funkeln,
|
|
Mildere Sonnen
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Scheinen darein.
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Himmlischer Söhne
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Geistige Schöne,
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Schwankende Beugung
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Schwebet vorüber.
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Sehnende Neigung
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Folget hinüber;
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Und der Gewänder
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Flatternde Bänder
|
|
Decken die Länder,
|
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Decken die Laube,
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|
Wo sich für's Leben,
|
|
Tief in Gedanken,
|
|
Liebende geben.
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|
Laube bey Laube!
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|
Sprossende Ranken!
|
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Lastende Traube
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|
Stürzt in's Behälter
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|
Drängender Kelter,
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Stürzen in Bächen
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Schäumende Weine,
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|
Rieseln durch reine,
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Edle Gesteine,
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Lassen die Höhen
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Hinter sich liegen,
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|
Breiten zu Seen
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|
Sich ums Genügen
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|
Grünender Hügel.
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|
Und das Geflügel
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Schlürfet sich Wonne,
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|
Flieget der Sonne,
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|
Flieget den hellen
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Inseln entgegen,
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Die sich auf Wellen
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|
Gauklend bewegen;
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Wo wir in Chören
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Jauchzende hören,
|
|
Ueber den Auen
|
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Tanzende schauen,
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Die sich im Freyen
|
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Alle zerstreuen.
|
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Einige glimmen[klimmen]
|
|
Ueber die Höhen,
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|
Andere schwimmen
|
|
Ueber die Seen,
|
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Andere schweben;
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|
Alle zum Leben,
|
|
Alle zur Ferne
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Liebender Sterne
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Seliger Huld.
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|
_Mephistopheles._
|
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Er schläft! So recht, ihr luft'gen, zarten Jungen!
|
|
Ihr habt ihn treulich eingesungen!
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|
Für dies Concert bin ich in eurer Schuld.
|
|
Du bist noch nicht der Mann den Teufel fest zu halten!
|
|
Umgaukelt ihn mit süßen Traumgestalten,
|
|
Versenkt ihn in ein Meer des Wahns;
|
|
Doch dieser Schwelle Zauber zu zerspalten
|
|
Bedarf ich eines Rattenzahns.
|
|
Nicht lange brauch' ich zu beschwören,
|
|
Schon raschelt eine hier und wird sogleich mich hören.
|
|
|
|
Der Herr der Ratten und der Mäuse,
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Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse,
|
|
Befiehlt dir dich hervor zu wagen
|
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Und diese Schwelle zu benagen,
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|
So wie er sie mit Oel betupft --
|
|
Da kommst du schon hervorgehupft!
|
|
Nur frisch ans Werk! Die Spitze, die mich bannte,
|
|
Sie sitzt ganz vornen an der Kante.
|
|
Noch einen Biß, so ist's geschehn. --
|
|
Nun Fauste träume fort, bis wir uns wiedersehn.
|
|
|
|
_Faust_ erwachend.
|
|
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|
Bin ich denn abermals betrogen?
|
|
Verschwindet so der geisterreiche Drang?
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Daß mir ein Traum den Teufel vorgelogen,
|
|
Und daß ein Pudel mir entsprang.
|
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|
_Studirzimmer._
|
|
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|
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|
_Faust. Mephistopheles._
|
|
|
|
_Faust._
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|
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|
Es klopft? Herein! Wer will mich wieder plagen?
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich bin's.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Herein!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Du mußt es dreymal sagen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Herein denn!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
So gefällst du mir.
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|
Wir werden, hoff' ich, uns vertragen;
|
|
Denn dir die Grillen zu verjagen
|
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Bin ich, als edler Junker, hier,
|
|
In rothem goldverbrämten Kleide,
|
|
Das Mäntelchen von starrer Seide,
|
|
Die Hahnenfeder auf dem Hut,
|
|
Mit einem langen, spitzen Degen,
|
|
Und rathe nun dir, kurz und gut,
|
|
Dergleichen gleichfalls anzulegen;
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Damit du, losgebunden, frey,
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Erfahrest was das Leben sey.
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|
_Faust._
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|
In jedem Kleide werd' ich wohl die Pein
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|
Des engen Erdelebens fühlen.
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Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
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Zu jung, um ohne Wunsch zu seyn.
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Was kann die Welt mir wohl gewähren?
|
|
Entbehren sollst du! sollst entbehren!
|
|
Das ist der ewige Gesang,
|
|
Der jedem an die Ohren klingt,
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|
Den, unser ganzes Leben lang,
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|
Uns heiser jede Stunde singt.
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Nur mit Entsetzen wach' ich Morgens auf,
|
|
Ich möchte bittre Thränen weinen,
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|
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
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|
Nicht Einen Wunsch erfüllen wird, nicht Einen,
|
|
Der selbst die Ahndung jeder Lust
|
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Mit eigensinnigem Krittel mindert,
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Die Schöpfung meiner regen Brust
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Mit tausend Lebensfratzen hindert.
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Auch muß ich, wenn die Nacht sich niedersenkt,
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Mich ängstlich auf das Lager strecken,
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|
Auch da wird keine Rast geschenkt,
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|
Mich werden wilde Träume schrecken.
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Der Gott, der mir im Busen wohnt,
|
|
Kann tief mein Innerstes erregen,
|
|
Der über allen meinen Kräften thront,
|
|
Er kann nach außen nichts bewegen;
|
|
Und so ist mir das Daseyn eine Last,
|
|
Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
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Und doch ist nie der Tod ein ganz willkommner Gast.
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_Faust._
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O seelig der! dem er im Siegesglanze
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Die blut'gen Lorbeern um die Schläfe windet,
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Den er, nach rasch durchras'tem Tanze,
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In eines Mädchens Armen findet.
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O wär' ich vor des hohen Geistes Kraft
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Entzückt, entseelt dahin gesunken!
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_Mephistopheles._
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Und doch hat Jemand einen braunen Saft,
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In jener Nacht, nicht ausgetrunken.
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_Faust._
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Das Spioniren, scheint's, ist deine Lust.
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_Mephistopheles._
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Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewußt.
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_Faust._
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Wenn aus dem schrecklichen Gewühle
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Ein süß bekannter Ton mich zog,
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Den Rest von kindlichem Gefühle
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Mit Anklang froher Zeit betrog;
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So fluch' ich allem was die Seele
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Mit Lock- und Gaukelwerk umspannt,
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Und sie in diese Trauerhöle
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Mit Blend- und Schmeichelkräften bannt!
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Verflucht voraus die hohe Meinung,
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Womit der Geist sich selbst umfängt!
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Verflucht das Blenden der Erscheinung,
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Die sich an unsre Sinne drängt!
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Verflucht was uns in Träumen heuchelt,
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Des Ruhms, der Namensdauer Trug!
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Verflucht was als Besitz uns schmeichelt,
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Als Weib und Kind, als Knecht und Pflug!
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Verflucht sey Mammon, wenn mit Schätzen
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Er uns zu kühnen Thaten regt,
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Wenn er zu müßigem Ergetzen
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Die Polster uns zurechte legt!
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Fluch sey dem Balsamsaft der Trauben!
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Fluch jener höchsten Liebeshuld!
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Fluch sey der Hoffnung! Fluch dem Glauben,
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Und Fluch vor allen der Geduld!
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_Geisterchor_ unsichtbar.
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Weh! weh!
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Du hast sie zerstört,
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Die schöne Welt,
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Mit mächtiger Faust,
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Sie stürzt, sie zerfällt!
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Ein Halbgott hat sie zerschlagen!
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Wir tragen
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Die Trümmern ins Nichts hinüber,
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Und klagen
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Ueber die verlorne Schöne.
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Mächtiger
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Der Erdensöhne,
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Prächtiger
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Baue sie wieder,
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In deinem Busen baue sie auf!
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Neuen Lebenslauf
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Beginne,
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Mit hellem Sinne,
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Und neue Lieder
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Tönen darauf!
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_Mephistopheles._
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Dies sind die kleinen
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Von den Meinen.
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Höre, wie zu Lust und Thaten
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Altklug sie rathen!
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In die Welt weit,
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Aus der Einsamkeit,
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Wo Sinnen und Säfte stocken,
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Wollen sie dich locken.
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Hör' auf mit deinem Gram zu spielen,
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Der, wie ein Geyer, dir am Leben frißt;
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Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen
|
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Daß du ein Mensch mit Menschen bist.
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Doch so ist's nicht gemeynt
|
|
Dich unter das Pack zu stoßen.
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Ich bin keiner von den Großen;
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Doch willst du, mit mir vereint,
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Deine Schritte durchs Leben nehmen;
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So will ich mich gern bequemen
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|
Dein zu seyn, auf der Stelle.
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Ich bin dein Geselle
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Und, mach' ich dir's recht,
|
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Bin ich dein Diener, bin dein Knecht!
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|
_Faust._
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Und was soll ich dagegen dir erfüllen?
|
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|
_Mephistopheles._
|
|
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|
Dazu hast du noch eine lange Frist.
|
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|
_Faust._
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Nein nein! der Teufel ist ein Egoist
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Und thut nicht leicht um Gottes Willen
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|
Was einem andern nützlich ist.
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Sprich die Bedingung deutlich aus;
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Ein solcher Diener bringt Gefahr ins Haus.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
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|
|
Ich will mich _hier_ zu deinem Dienst verbinden,
|
|
Auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn;
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|
Wenn wir uns _drüben_ wieder finden,
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|
So sollst du mir das Gleiche thun.
|
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|
_Faust._
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|
Das Drüben kann mich wenig kümmern,
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Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,
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Die andre mag darnach entstehn.
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Aus dieser Erde quillen meine Freuden,
|
|
Und diese Sonne scheinet meinen Leiden;
|
|
Kann ich mich erst von ihnen scheiden,
|
|
Dann mag was will und kann geschehn.
|
|
Davon will ich nichts weiter hören,
|
|
Ob man auch künftig haßt und liebt,
|
|
Und ob es auch in jenen Sphären
|
|
Ein Oben oder Unten giebt.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
In diesem Sinne kannst du's wagen.
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|
Verbinde dich; du sollst, in diesen Tagen,
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|
Mit Freuden meine Künste sehn,
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Ich gebe dir was noch kein Mensch gesehn.
|
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|
_Faust._
|
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Was willst du armer Teufel geben?
|
|
Ward eines Menschen Geist, in seinem hohen Streben,
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Von deines Gleichen je gefaßt?
|
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Doch hast du Speise die nicht sättigt, hast
|
|
Du rothes Gold, das ohne Rast,
|
|
Quecksilber gleich, dir in der Hand zerrinnt,
|
|
Ein Spiel, bey dem man nie gewinnt,
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|
Ein Mädchen, das an meiner Brust
|
|
Mit Aeugeln schon dem Nachbar sich verbindet,
|
|
Der Ehre schöne Götterlust,
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|
Die, wie ein Meteor, verschwindet.
|
|
Zeig mir die Frucht die fault, eh' man sie bricht,
|
|
Und Bäume die sich täglich neu begrünen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ein solcher Auftrag schreckt mich nicht,
|
|
Mit solchen Schätzen kann ich dienen.
|
|
Doch, guter Freund, die Zeit kommt auch heran
|
|
Wo wir was Gut's in Ruhe schmausen mögen.
|
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|
_Faust._
|
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Werd' ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen;
|
|
So sey es gleich um mich gethan!
|
|
Kannst du mich schmeichelnd je belügen,
|
|
Daß ich mir selbst gefallen mag,
|
|
Kannst du mich mit Genuß betrügen;
|
|
Das sey für mich der letzte Tag!
|
|
Die Wette biet' ich!
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Top!
|
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|
_Faust._
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|
Und Schlag auf Schlag!
|
|
Werd' ich zum Augenblicke sagen:
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|
Verweile doch! du bist so schön!
|
|
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
|
|
Dann will ich gern zu Grunde gehn!
|
|
Dann mag die Todtenglocke schallen,
|
|
Dann bist du deines Dienstes frey,
|
|
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
|
|
Es sey die Zeit für mich vorbey!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Bedenk' es wohl, wir werden's nicht vergessen.
|
|
|
|
_Faust._
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|
Dazu hast du ein volles Recht;
|
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Ich habe mich nicht freventlich vermessen.
|
|
Wie ich beharre bin ich Knecht,
|
|
Ob dein, was frag' ich, oder wessen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich werde heute gleich, beym Doctorschmaus,
|
|
Als Diener, meine Pflicht erfüllen.
|
|
Nur eins! -- um Lebens oder Sterbens willen,
|
|
Bitt' ich mir ein Paar Zeilen aus.
|
|
|
|
_Faust._
|
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|
Auch was geschriebnes forderst du Pedant?
|
|
Hast du noch keinen Mann, nicht Mannes-Wort gekannt?
|
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Ist's nicht genug, daß mein gesprochnes Wort
|
|
Auf ewig soll mit meinen Tagen schalten?
|
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Ras't nicht die Welt in allen Strömen fort,
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Und mich soll ein Versprechen halten?
|
|
Doch dieser Wahn ist uns ins Herz gelegt,
|
|
Wer mag sich gern davon befreyen?
|
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Beglückt wer Treue rein im Busen trägt,
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|
Kein Opfer wird ihn je gereuen!
|
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Allein ein Pergament, beschrieben und beprägt,
|
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Ist ein Gespenst vor dem sich alle scheuen.
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|
Das Wort erstirbt schon in der Feder,
|
|
Die Herrschaft führen Wachs und Leder.
|
|
Was willst du böser Geist von mir?
|
|
Erz, Marmor, Pergament, Papier?
|
|
Soll ich mit Griffel, Meißel, Feder schreiben?
|
|
Ich gebe jede Wahl dir frey.
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
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|
|
Wie magst du deine Rednerey
|
|
Nur gleich so hitzig übertreiben?
|
|
Ist doch ein jedes Blättchen gut.
|
|
Du unterzeichnest dich mit einem Tröpfchen Blut.
|
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|
_Faust._
|
|
|
|
Wenn dieß dir völlig G'nüge thut,
|
|
So mag es bey der Fratze bleiben.
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Blut ist ein ganz besondrer Saft.
|
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|
|
_Faust._
|
|
|
|
Nur keine Furcht, daß ich dieß Bündniß breche!
|
|
Das Streben meiner ganzen Kraft
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|
Ist g'rade das was ich verspreche.
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Ich habe mich zu hoch gebläht,
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In deinen Rang gehör' ich nur.
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|
Der große Geist hat mich verschmäht,
|
|
Vor mir verschließt sich die Natur.
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|
Des Denkens Faden ist zerrissen,
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|
Mir ekelt lange vor allem Wissen.
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|
Laß in den Tiefen der Sinnlichkeit
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|
Uns glühende Leidenschaften stillen!
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|
In undurchdrungnen Zauberhüllen
|
|
Sey jedes Wunder gleich bereit!
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|
Stürzen wir uns in das Rauschen der Zeit
|
|
In's Rollen der Begebenheit!
|
|
Da mag denn Schmerz und Genuß,
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|
Gelingen und Verdruß,
|
|
Mit einander wechseln wie es kann;
|
|
Nur rastlos bethätigt sich der Mann.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt.
|
|
Beliebt's euch überall zu naschen,
|
|
Im Fliehen etwas zu erhaschen;
|
|
Bekomm' euch wohl was euch ergetzt.
|
|
Nur greift mir zu und seyd nicht blöde!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du hörest ja, von Freud' ist nicht die Rede.
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|
Dem Taumel weih' ich mich, dem schmerzlichsten Genuß,
|
|
Verliebtem Haß, erquickendem Verdruß.
|
|
Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist,
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|
Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen,
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|
Und was der ganzen Menschheit zugetheilt ist,
|
|
Will ich in meinem innern Selbst genießen,
|
|
Mit meinem Geist das Höchst' und Tiefste greifen,
|
|
Ihr Wohl und Weh auf meinen Busen häufen,
|
|
Und so mein eigen Selbst zu ihrem Selbst erweitern,
|
|
Und, wie sie selbst, am End' auch ich zerscheitern.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
O glaube mir, der manche tausend Jahre
|
|
An dieser harten Speise kaut,
|
|
Daß von der Wiege bis zur Bahre
|
|
Kein Mensch den alten Sauerteig verdaut!
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|
Glaub' unser einem, dieses Ganze
|
|
Ist nur für einen Gott gemacht!
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Er findet sich in einem ew'gen Glanze,
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|
Uns hat er in die Finsterniß gebracht,
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|
Und euch taugt einzig Tag und Nacht.
|
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|
_Faust._
|
|
|
|
Allein ich will!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Das läßt sich hören!
|
|
Doch nur vor Einem ist mir bang';
|
|
Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.
|
|
Ich dächt', ihr ließet euch belehren.
|
|
Associirt euch mit einem Poeten,
|
|
Laßt den Herrn in Gedanken schweifen,
|
|
Und alle edlen Qualitäten
|
|
Auf euren Ehren-Scheitel häufen,
|
|
Des Löwen Muth,
|
|
Des Hirsches Schnelligkeit,
|
|
Des Italiäners feurig Blut,
|
|
Des Nordens Dau'rbarkeit.
|
|
Laßt ihn euch das Geheimniß finden,
|
|
Großmuth und Arglist zu verbinden,
|
|
Und euch, mit warmen Jugendtrieben,
|
|
Nach einem Plane, zu verlieben.
|
|
Möchte selbst solch einen Herren kennen,
|
|
Würd' ihn Herrn Mikrokosmus nennen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was bin ich denn? wenn es nicht möglich ist
|
|
Der Menschheit Krone zu erringen,
|
|
Nach der sich alle Sinne dringen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Du bist am Ende -- was du bist.
|
|
Setz' dir Perrücken auf von Millionen Locken,
|
|
Setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken,
|
|
Du bleibst doch immer was du bist.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ich fühl's, vergebens hab' ich alle Schätze
|
|
Des Menschengeist's auf mich herbeygerafft,
|
|
Und wenn ich mich am Ende niedersetze,
|
|
Quillt innerlich doch keine neue Kraft;
|
|
Ich bin nicht um ein Haar breit höher,
|
|
Bin dem Unendlichen nicht näher.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Mein guter Herr, ihr seht die Sachen,
|
|
Wie man die Sachen eben sieht;
|
|
Wir müssen das gescheidter machen,
|
|
Eh' uns des Lebens Freude flieht.
|
|
Was Henker! freylich Händ' und Füße
|
|
Und Kopf und H -- --[Hintern] die sind dein;
|
|
Doch alles was ich frisch genieße,
|
|
Ist das drum weniger mein?
|
|
Wenn ich sechs Hengste zahlen kann,
|
|
Sind ihre Kräfte nicht die meine?
|
|
Ich renne zu und bin ein rechter Mann,
|
|
Als hätt' ich vier und zwanzig Beine.
|
|
Drum frisch! laß alles Sinnen seyn,
|
|
Und g'rad' mit in die Welt hinein!
|
|
Ich sag' es dir: ein Kerl der speculirt,
|
|
Ist wie ein Thier, auf dürrer Heide
|
|
Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,
|
|
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wie fangen wir das an?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wir gehen eben fort.
|
|
Was ist das für ein Marterort?
|
|
Was heißt das für ein Leben führen,
|
|
Sich und die Jungens ennuyiren?
|
|
Laß du das dem Herrn Nachbar Wanst!
|
|
Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen?
|
|
Das beste, was du wissen kannst,
|
|
Darfst du den Buben doch nicht sagen.
|
|
Gleich hör' ich einen auf dem Gange!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Mir ist's nicht möglich ihn zu sehn.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Der arme Knabe wartet lange,
|
|
Der darf nicht ungetröstet gehn.
|
|
Komm, gib mir deinen Rock und Mütze;
|
|
Die Maske muß mir köstlich stehn.
|
|
|
|
(Er kleidet sich um.)
|
|
|
|
Nun überlaß es meinem Witze!
|
|
Ich brauche nur ein Viertelstündchen Zeit;
|
|
Indessen mache dich zur schönen Fahrt bereit!
|
|
|
|
_Faust_ ab.
|
|
|
|
_Mephistopheles_
|
|
in Faust's langem Kleide.
|
|
|
|
Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
|
|
Des Menschen allerhöchste Kraft,
|
|
Laß nur in Blend- und Zauberwerken
|
|
Dich von dem Lügengeist bestärken,
|
|
So hab' ich dich schon unbedingt --
|
|
Ihm hat das Schicksal einen Geist gegeben,
|
|
Der ungebändigt immer vorwärts dringt,
|
|
Und dessen übereiltes Streben
|
|
Der Erde Freuden überspringt.
|
|
Den schlepp' ich durch das wilde Leben,
|
|
Durch flache Unbedeutenheit,
|
|
Er soll mir zappeln, starren, kleben,
|
|
Und seiner Unersättlichkeit
|
|
Soll Speis' und Trank vor gier'gen Lippen schweben;
|
|
Er wird Erquickung sich umsonst erflehn,
|
|
Und hätt' er sich auch nicht dem Teufel übergeben,
|
|
Er müßte doch zu Grunde gehn!
|
|
|
|
_Ein Schüler_ tritt auf.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Ich bin alhier erst kurze Zeit,
|
|
Und komme voll Ergebenheit,
|
|
Einen Mann zu sprechen und zu kennen,
|
|
Den alle mir mit Ehrfurcht nennen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Eure Höflichkeit erfreut mich sehr!
|
|
Ihr seht einen Mann wie andre mehr.
|
|
Habt ihr euch sonst schon umgethan?
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Ich bitt' euch, nehmt euch meiner an!
|
|
Ich komme mit allem guten Muth,
|
|
Leidlichem Geld und frischem Blut;
|
|
Meine Mutter wollte mich kaum entfernen;
|
|
Möchte gern' was rechts hieraußen lernen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Da seyd ihr eben recht am Ort.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Aufrichtig, möchte schon wieder fort:
|
|
In diesen Mauern, diesen Hallen,
|
|
Will es mir keineswegs gefallen.
|
|
Es ist ein gar beschränkter Raum,
|
|
Man sieht nichts Grünes, keinen Baum,
|
|
Und in den Sälen, auf den Bänken,
|
|
Vergeht mir Hören, Seh'n und Denken.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Das kommt nur auf Gewohnheit an.
|
|
So nimmt ein Kind der Mutter Brust
|
|
Nicht gleich im Anfang willig an,
|
|
Doch bald ernährt es sich mit Lust.
|
|
So wird's euch an der Weisheit Brüsten
|
|
Mit jedem Tage mehr gelüsten.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
An ihrem Hals will ich mit Freuden hangen;
|
|
Doch sagt mir nur, wie kann ich hingelangen?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Erklärt euch, eh' ihr weiter geht,
|
|
Was wählt ihr für eine Facultät?
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Ich wünschte recht gelehrt zu werden,
|
|
Und möchte gern, was auf der Erden
|
|
Und in dem Himmel ist, erfassen,
|
|
Die Wissenschaft und die Natur.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Da seyd ihr auf der rechten Spur;
|
|
Doch müßt ihr euch nicht zerstreuen lassen.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Ich bin dabey mit Seel' und Leib;
|
|
Doch freylich würde mir behagen
|
|
Ein wenig Freyheit und Zeitvertreib,
|
|
An schönen Sommerfeiertagen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen,
|
|
Doch Ordnung lehrt euch Zeit gewinnen.
|
|
Mein theurer Freund, ich rath' euch drum
|
|
Zuerst Collegium Logicum.
|
|
Da wird der Geist euch wohl dressirt,
|
|
In spanische Stiefeln eingeschnürt,
|
|
Daß er bedächtiger so fort an
|
|
Hinschleiche die Gedankenbahn,
|
|
Und nicht etwa, die Kreuz' und Quer,
|
|
Irlichtelire hin und her.
|
|
Dann lehret man euch manchen Tag,
|
|
Daß, was ihr sonst auf einen Schlag
|
|
Getrieben, wie Essen und Trinken frey,
|
|
Eins! Zwey! Drey! dazu nöthig sey.
|
|
Zwar ist's mit der Gedanken-Fabrik
|
|
Wie mit einem Weber-Meisterstück,
|
|
Wo Ein Tritt tausend Fäden regt,
|
|
Die Schifflein herüber hinüber schießen,
|
|
Die Fäden ungesehen fließen,
|
|
Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt:
|
|
Der Philosoph der tritt herein,
|
|
Und beweis't euch, es müßt' so seyn:
|
|
Das Erst' wär' so, das Zweyte so,
|
|
Und drum das Dritt' und Vierte so;
|
|
Und wenn das Erst' und Zweyt' nicht wär',
|
|
Das Dritt' und Viert' wär' nimmermehr.
|
|
Das preisen die Schüler aller Orten,
|
|
Sind aber keine Weber geworden.
|
|
Wer will was lebendig's erkennen und beschreiben,
|
|
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
|
|
Dann hat er die Theile in seiner Hand,
|
|
Fehlt leider! nur das geistige Band.
|
|
#Encheiresin naturae# nennt's die Chimie,
|
|
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Kann euch nicht eben ganz verstehen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Das wird nächstens schon besser gehen,
|
|
Wenn ihr lernt alles reduciren
|
|
Und gehörig klassificiren.
|
|
|
|
_Schüler._
|
|
|
|
Mir wird von alle dem so dumm,
|
|
Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nachher vor allen andern Sachen
|
|
Müßt ihr euch an die Metaphysik machen!
|
|
Da seht, daß ihr tiefsinnig faßt,
|
|
Was in des Menschen Hirn nicht paßt;
|
|
Für, was drein geht und nicht drein geht,
|
|
Ein prächtig Wort zu Diensten steht.
|
|
Doch vorerst dieses halbe Jahr
|
|
Nehmt ja der besten Ordnung wahr.
|
|
Fünf Stunden habt ihr jeden Tag;
|
|
Seyd drinnen mit dem Glockenschlag!
|
|
Habt euch vorher wohl präparirt,
|
|
Paragraphos wohl einstudirt,
|
|
Damit ihr nachher besser seht,
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Daß er nichts sagt, als was im Buche steht;
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Doch euch des Schreibens ja befleißt,
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Als dictirt' euch der Heilig' Geist!
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_Schüler._
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Das sollt ihr mir nicht zweymal sagen!
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Ich denke mir wie viel es nützt;
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Denn, was man schwarz auf weiß besitzt,
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Kann man getrost nach Hause tragen.
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_Mephistopheles._
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Doch wählt mir eine Facultät!
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_Schüler._
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Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen.
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_Mephistopheles._
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Ich kann es euch so sehr nicht übel nehmen,
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Ich weiß wie es um diese Lehre steht.
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Es erben sich Gesetz' und Rechte
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Wie eine ew'ge Krankheit fort,
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Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte,
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Und rücken sacht von Ort zu Ort.
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Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage;
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Weh dir, daß du ein Enkel bist!
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Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
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Von dem ist leider! nie die Frage.
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_Schüler._
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Mein Abscheu wird durch euch vermehrt.
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O glücklich der! den ihr belehrt.
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Fast möcht' ich nun Theologie studiren.
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_Mephistopheles._
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Ich wünschte nicht euch irre zu führen.
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Was diese Wissenschaft betrifft,
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Es ist so schwer den falschen Weg zu meiden,
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Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift,
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Und von der Arzeney ists kaum zu unterscheiden.
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Am besten ist's auch hier, wenn ihr nur Einen hört,
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Und auf des Meisters Worte schwört.
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Im Ganzen -- haltet euch an Worte!
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Dann geht ihr durch die sichre Pforte
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Zum Tempel der Gewißheit ein.
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_Schüler._
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Doch ein Begriff muß bey dem Worte seyn.
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_Mephistopheles._
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Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen;
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Denn eben wo Begriffe fehlen,
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Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
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Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
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Mit Worten ein System bereiten,
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An Worte läßt sich trefflich glauben,
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Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.
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_Schüler._
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Verzeiht, ich halt' euch auf mit vielen Fragen,
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Allein ich muß euch noch bemüh'n.
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Wollt ihr mir von der Medicin
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Nicht auch ein kräftig Wörtchen sagen?
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Drey Jahr' ist eine kurze Zeit,
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Und, Gott! das Feld ist gar zu weit.
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Wenn man einen Fingerzeig nur hat,
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Läßt sich's schon eher weiter fühlen.
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_Mephistopheles_ für sich.
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Ich bin des trocknen Tons nun satt,
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Muß wieder recht den Teufel spielen.
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(Laut.)
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Der Geist der Medicin ist leicht zu fassen;
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Ihr durchstudirt die groß' und kleine Welt,
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Um es am Ende gehn zu lassen,
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Wie's Gott gefällt.
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Vergebens daß ihr ringsum wissenschaftlich schweift,
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Ein jeder lernt nur was er lernen kann;
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Doch der den Augenblick ergreift,
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Das ist der rechte Mann.
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Ihr seyd noch ziemlich wohlgebaut,
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An Kühnheit wird's euch auch nicht fehlen,
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Und wenn ihr euch nur selbst vertraut,
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Vertrauen euch die andern Seelen.
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Besonders lernt die Weiber führen;
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Es ist ihr ewig Weh und Ach
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So tausendfach
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Aus Einem Puncte zu curiren,
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Und wenn ihr halbweg ehrbar thut,
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Dann habt ihr sie all' unter'm Hut.
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Ein Titel muß sie erst vertraulich machen,
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Daß eure Kunst viel Künste übersteigt;
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Zum Willkomm' tappt ihr dann nach allen Siebensachen,
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Um die ein andrer viele Jahre streicht,
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Versteht das Pülslein wohl zu drücken,
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Und fasset sie, mit feurig schlauen Blicken,
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Wohl um die schlanke Hüfte frey,
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Zu seh'n, wie fest geschnürt sie sey.
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|
_Schüler._
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|
Das sieht schon besser aus! Man sieht doch wo und wie.
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|
_Mephistopheles._
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Grau, theurer Freund, ist alle Theorie,
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Und grün des Lebens goldner Baum.
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|
_Schüler._
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|
Ich schwör' euch zu, mir ist's als wie ein Traum.
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|
Dürft' ich euch wohl ein andermal beschweren,
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|
Von eurer Weisheit auf den Grund zu hören?
|
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|
|
_Mephistopheles._
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|
Was ich vermag, soll gern geschehn.
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|
_Schüler._
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|
Ich kann unmöglich wieder gehn,
|
|
Ich muß euch noch mein Stammbuch überreichen.
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|
Gönn' eure Gunst mir dieses Zeichen!
|
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|
_Mephistopheles._
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|
Sehr wohl.
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|
|
(Er schreibt und giebt's.)
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|
_Schüler_ lies't.
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|
#Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.#
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|
(Macht's ehrerbietieg[ehrerbietig] zu und empfiehlt sich.)
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|
_Mephistopheles._
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|
Folg' nur dem alten Spruch und meiner Muhme der Schlange,
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|
Dir wird gewiß einmal bey deiner Gottähnlichkeit bange!
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|
_Faust_ tritt auf.
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|
_Faust._
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Wohin soll es nun gehn?
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|
_Mephistopheles._
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|
|
Wohin es dir gefällt.
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|
Wir sehn die kleine, dann die große Welt.
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|
Mit welcher Freude, welchem Nutzen,
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|
Wirst du den Cursum durchschmarutzen!
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|
|
_Faust._
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|
Allein bey meinem langen Bart
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Fehlt mir die leichte Lebensart.
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|
Es wird mir der Versuch nicht glücken;
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|
Ich wußte nie mich in die Welt zu schicken,
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|
Vor andern fühl' ich mich so klein;
|
|
Ich werde stets verlegen seyn.
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Mein guter Freund, das wird sich alles geben;
|
|
Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.
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|
|
_Faust._
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|
Wie kommen wir denn aus dem Haus?
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|
Wo hast du Pferde, Knecht und Wagen?
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|
|
_Mephistopheles._
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|
Wir breiten nur den Mantel aus,
|
|
Der soll uns durch die Lüfte tragen.
|
|
Du nimmst bey diesem kühnen Schritt
|
|
Nur keinen großen Bündel mit.
|
|
Ein Bißchen Feuerluft, die ich bereiten werde,
|
|
Hebt uns behend von dieser Erde.
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|
Und sind wir leicht, so geht es schnell hinauf;
|
|
Ich gratulire dir zum neuen Lebenslauf!
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|
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|
_Auerbachs Keller in Leipzig._
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|
_Zeche lustiger Gesellen._
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_Frosch._
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|
|
Will keiner trinken? keiner lachen?
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|
Ich will euch lehren Gesichter machen!
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|
Ihr seyd ja heut wie nasses Stroh,
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|
Und brennt sonst immer lichterloh.
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbey,
|
|
Nicht eine Dummheit, keine Sauerey.
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|
|
_Frosch_
|
|
|
|
(gießt ihm ein Glas Wein über den Kopf.)
|
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|
Da hast du beydes!
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|
|
_Brander._
|
|
|
|
Doppelt Schwein!
|
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|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Ihr wollt' es ja, man soll es seyn!
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Zur Thür hinaus wer sich entzweyt!
|
|
Mit offner Brust singt Runda, sauft und schreyt!
|
|
Auf! Holla! Ho!
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|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Weh mir, ich bin verloren!
|
|
Baumwolle her! der Kerl sprengt mir die Ohren.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Wenn das Gewölbe wiederschallt,
|
|
Fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
So recht, hinaus mit dem der etwas übel nimmt!
|
|
A! tara lara da!
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
A! tara lara da!
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Die Kehlen sind gestimmt.
|
|
|
|
(Singt.)
|
|
|
|
Das liebe, heil'ge Röm'sche Reich,
|
|
Wie hält's nur noch zusammen?
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Ein garstig Lied! Pfuy! ein politisch Lied!
|
|
Ein leidig Lied! Dankt Gott mit jedem Morgen
|
|
Daß ihr nicht braucht für's Röm'sche Reich zu sorgen!
|
|
Ich halt' es wenigstens für reichlichen Gewinn,
|
|
Daß ich nicht Kaiser oder Kanzler bin.
|
|
Doch muß auch uns ein Oberhaupt nicht fehlen;
|
|
Wir wollen einen Papst erwählen.
|
|
Ihr wißt, welch eine Qualität
|
|
Den Ausschlag giebt, den Mann erhöht.
|
|
|
|
_Frosch_ singt.
|
|
|
|
Schwing' dich auf, Frau Nachtigall,
|
|
Grüß' mir mein Liebchen zehentausendmal.
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|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Dem Liebchen keinen Gruß! ich will davon nichts hören!
|
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|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Dem Liebchen Gruß und Kuß! du wirst mir's nicht verwehren!
|
|
|
|
(Singt.)
|
|
|
|
Riegel auf! in stiller Nacht.
|
|
Riegel auf! der Liebste wacht.
|
|
Riegel zu! des Morgens früh.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Ja, singe, singe nur, und lob' und rühme sie!
|
|
Ich will zu meiner Zeit schon lachen.
|
|
Sie hat mich angeführt, dir wird sie's auch so machen.
|
|
Zum Liebsten sey ein Kobold ihr bescheert!
|
|
Der mag mit ihr auf einem Kreuzweg schäkern;
|
|
Ein alter Bock, wenn er vom Blocksberg kehrt,
|
|
Mag im Galopp noch gute Nacht ihr meckern!
|
|
Ein braver Kerl von echtem Fleisch und Blut
|
|
Ist für die Dirne viel zu gut.
|
|
Ich will von keinem Gruße wissen,
|
|
Als ihr die Fenster eingeschmissen!
|
|
|
|
_Brander_ auf den Tisch schlagend.
|
|
|
|
Paßt auf! paßt auf! Gehorchet mir!
|
|
Ihr Herrn gesteht, ich weiß zu leben,
|
|
Verliebte Leute sitzen hier,
|
|
Und diesen muß, nach Standsgebühr,
|
|
Zur guten Nacht ich was zum Besten geben.
|
|
Gebt Acht! Ein Lied vom neusten Schnitt!
|
|
Und singt den Rundreim kräftig mit!
|
|
|
|
(Er singt.)
|
|
|
|
Es war eine Ratt' im Kellernest,
|
|
Lebte nur von Fett und Butter,
|
|
Hatte sich ein Ränzlein angemäst't,
|
|
Als wie der Doctor Luther.
|
|
Die Köchinn hatt' ihr Gift gestellt;
|
|
Da ward's so eng' ihr in der Welt,
|
|
Als hätte sie Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Chorus_ jauchzend.
|
|
|
|
Als hätte sie Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Sie fuhr herum, sie fuhr heraus,
|
|
Und soff aus allen Pfützen,
|
|
Zernagt', zerkratzt' das ganze Haus,
|
|
Wollte nichts ihr Wüthen nützen;
|
|
Sie thät gar manchen Aengstesprung,
|
|
Bald hatte das arme Thier genung,
|
|
Als hätt' es Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Chorus._
|
|
|
|
Als hätt' es Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Sie kam für Angst am hellen Tag
|
|
Der Küche zugelaufen,
|
|
Fiel an den Heerd und zuckt' und lag,
|
|
Und thät erbärmlich schnaufen.
|
|
Da lachte die Vergifterinn noch:
|
|
Ha! sie pfeift auf dem letzten Loch,
|
|
Als hätte sie Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Chorus._
|
|
|
|
Als hätte sie Lieb' im Leibe.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Wie sich die platten Bursche freuen!
|
|
Es ist mir eine rechte Kunst,
|
|
Den armen Ratten Gift zu streuen!
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Sie stehn wohl sehr in deiner Gunst?
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Der Schmerbauch mit der kahlen Platte!
|
|
Das Unglück macht ihn zahm und mild;
|
|
Er sieht in der geschwollnen Ratte
|
|
Sein ganz natürlich Ebenbild.
|
|
|
|
_Faust_ und _Mephistopheles._
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich muß dich nun vor allen Dingen
|
|
In lustige Gesellschaft bringen,
|
|
Damit du siehst, wie leicht sich's leben läßt.
|
|
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.
|
|
Mit wenig Witz und viel Behagen
|
|
Dreht jeder sich im engen Zirkeltanz,
|
|
Wie junge Katzen mit dem Schwanz.
|
|
Wenn sie nicht über Kopfweh klagen,
|
|
So lang' der Wirth nur weiter borgt,
|
|
Sind sie vergnügt und unbesorgt.
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Die kommen eben von der Reise,
|
|
Man sieht's an ihrer wunderlichen Weise;
|
|
Sie sind nicht eine Stunde hier.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Wahrhaftig du hast Recht! Mein Leipzig lob' ich mir!
|
|
Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Für was siehst du die Fremden an?
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Laßt mich nur gehn! bey einem vollen Glase,
|
|
Zieh' ich, wie einen Kinderzahn,
|
|
Den Burschen leicht die Würmer aus der Nase.
|
|
Sie scheinen mir aus einem edlen Haus,
|
|
Sie sehen stolz und unzufrieden aus.
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Marktschreyer sind's gewiß, ich wette!
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Vielleicht.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Gib Acht, ich schraube sie!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ zu Faust.
|
|
|
|
Den Teufel spürt das Völkchen nie,
|
|
Und wenn er sie beym Kragen hätte.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Seyd uns gegrüßt, ihr Herrn!
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Viel Dank zum Gegengruß.
|
|
|
|
(Leise, Mephistopheles von der Seite ansehend.)
|
|
|
|
Was hinkt der Kerl auf Einem Fuß?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ist es erlaubt, uns auch zu euch zu setzen?
|
|
Statt eines guten Trunks, den man nicht haben kann,
|
|
Soll die Gesellschaft uns ergetzen.
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Ihr scheint ein sehr verwöhnter Mann.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Ihr seyd wohl spät von Rippach aufgebrochen?
|
|
Habt ihr mit Herren Hans noch erst zu Nacht gespeis't?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Heut sind wir ihn vorbey gereis't;
|
|
Wir haben ihn das letztemal gesprochen.
|
|
Von seinen Vettern wußt' er viel zu sagen,
|
|
Viel Grüße hat er uns an jeden aufgetragen.
|
|
|
|
(Er neigt sich gegen Frosch.)
|
|
|
|
_Altmayer._ leise
|
|
|
|
Da hast du's! der versteht's!
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Ein pfiffiger Patron!
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Nun, warte nur, ich krieg' ihn schon!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wenn ich nicht irrte, hörten wir
|
|
Geübte Stimmen Chorus singen?
|
|
Gewiß, Gesang muß trefflich hier
|
|
Von dieser Wölbung wiederklingen!
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Seyd ihr wohl gar ein Virtuos?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Gebt uns ein Lied!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wenn ihr begehrt, die Menge.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Nur auch ein nagelneues Stück!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wir kommen erst aus Spanien zurück,
|
|
Dem schönen Land des Weins und der Gesänge.
|
|
|
|
(Singt.)
|
|
|
|
Es war einmal ein König,
|
|
Der hatt' einen großen Floh --
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Horcht! Einen Floh! Habt ihr das wohl gefaßt?
|
|
Ein Floh ist mir ein saub'rer Gast.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ singt.
|
|
|
|
Es war einmal ein König,
|
|
Der hatt' einen großen Floh,
|
|
Den liebt' er gar nicht wenig,
|
|
Als wie seinen eignen Sohn.
|
|
Da rief er seinen Schneider,
|
|
Der Schneider kam heran.
|
|
Da miß dem Junker Kleider,
|
|
Und miß ihm Hosen an!
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Vergeßt nur nicht dem Schneider einzuschärfen,
|
|
Daß er mir auf's genauste mißt,
|
|
Und daß, so lieb sein Kopf ihm ist,
|
|
Die Hosen keine Falten werfen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
In Sammet und in Seide
|
|
War er nun angethan,
|
|
Hatte Bänder auf dem Kleide,
|
|
Hatt' auch ein Kreuz daran,
|
|
Und war sogleich Minister,
|
|
Und hatt' einen großen Stern.
|
|
Da wurden seine Geschwister
|
|
Bey Hof' auch große Herrn.
|
|
|
|
Und Herrn und Frau'n am Hofe,
|
|
Die waren sehr geplagt,
|
|
Die Königinn und die Zofe
|
|
Gestochen und genagt,
|
|
Und durften sie nicht knicken,
|
|
Und weg sie jucken nicht.
|
|
Wir knicken und ersticken
|
|
Doch gleich wenn einer sticht.
|
|
|
|
_Chorus_ jauchzend.
|
|
|
|
Wir knicken und ersticken
|
|
Doch gleich wenn einer sticht.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Bravo! Bravo! Das war schön!
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
So soll es jedem Floh ergehn!
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Spitzt die Finger und packt sie fein!
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Es lebe die Freyheit! Es lebe der Wein!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich tränke gern ein Glas, die Freyheit hoch zu ehren,
|
|
Wenn eure Weine nur ein Bißchen besser wären.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Wir mögen das nicht wieder hören!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich fürchte nur der Wirth beschweret sich,
|
|
Sonst gäb' ich diesen werthen Gästen
|
|
Aus unserm Keller was zum Besten.
|
|
|
|
_Siebel._
|
|
|
|
Nur immer her! ich nehm's auf mich.
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Schafft ihr ein gutes Glas, so wollen wir euch loben.
|
|
Nur gebt nicht gar zu kleine Proben;
|
|
Denn wenn ich judiciren soll,
|
|
Verlang' ich auch das Maul recht voll.
|
|
|
|
_Altmayer_ leise.
|
|
|
|
Sie sind vom Rheine, wie ich spüre.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Schafft einen Bohrer an!
|
|
|
|
_Brander._
|
|
|
|
Was soll mit dem geschehn?
|
|
Ihr habt doch nicht die Fässer vor der Thüre?
|
|
|
|
_Altmayer._
|
|
|
|
Dahinten hat der Wirth ein Körbchen Werkzeug stehn.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ nimmt den Bohrer.
|
|
|
|
(zu Frosch)
|
|
|
|
Nun sagt, was wünschet ihr zu schmecken?
|
|
|
|
_Frosch._
|
|
|
|
Wie meynt ihr das? Habt ihr so mancherley?
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_Mephistopheles._
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Ich stell' es einem jeden frey.
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_Altmayer_ zu Frosch.
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Aha! du fängst schon an die Lippen abzulecken.
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_Frosch._
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Gut! wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.
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Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.
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_Mephistopheles._
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(indem er an dem Platz, wo Frosch sitzt, ein Loch in den Tischrand
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bohrt.)
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Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!
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_Altmayer._
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Ach das sind Taschenspielersachen.
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_Mephistopheles_ zu Brander.
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Und ihr?
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_Brander._
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Ich will Champagner Wein,
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Und recht mussirend soll er seyn!
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_Mephistopheles._
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(bohrt, einer hat indessen die Wachspropfen[Wachspfropfen] gemacht und
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verstopft.)
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_Brander._
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Man kann nicht stets das Fremde meiden,
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Das Gute liegt uns oft so fern.
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Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,
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Doch ihre Weine trinkt er gern.
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_Siebel._
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(indem sich Mephistopheles seinem Platze nähert.)
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Ich muß gestehn, den sauren mag ich nicht,
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Gebt mir ein Glas vom echten süßen!
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_Mephistopheles_ bohrt.
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Euch soll sogleich Tokayer fließen.
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_Altmayer._
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Nein, Herren, seht mir in's Gesicht!
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Ich seh' es ein, ihr habt uns nur zum Besten.
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_Mephistopheles._
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Ey! Ey! Mit solchen edlen Gästen
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Wär' es ein Bißchen viel gewagt.
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Geschwind! Nur grad' heraus gesagt!
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Mit welchem Weine kann ich dienen?
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_Altmayer._
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Mit jedem! Nur nicht lang gefragt.
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(Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind,)
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_Mephistopheles_ mit seltsamen Geberden.
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Trauben trägt der Weinstock!
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Hörner der Ziegenbock;
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Der Wein ist saftig, Holz die Reben,
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Der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.
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Ein tiefer Blick in die Natur!
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Hier ist ein Wunder, glaubet nur!
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Nun zieht die Pfropfen und genießt!
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_Alle._
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(indem sie die Pfropfen ziehen, und jedem der verlangte Wein in's Glas
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läuft.)
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O schöner Brunnen, der uns fließt!
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_Mephistopheles._
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Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt!
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(Sie trinken wiederholt.)
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_Alle_ singen.
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Uns ist ganz kannibalisch wohl,
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Als wie fünf hundert Säuen!
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_Mephistopheles._
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Das Volk ist frey, seht an, wie wohl's ihm geht!
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_Faust._
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Ich hätte Lust nun abzufahren.
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_Mephistopheles._
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Gib nur erst Acht, die Bestialität
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Wird sich gar herrlich offenbaren.
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_Siebel._
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(trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde, und wird zur
|
|
Flamme.)
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Helft! Feuer! helft! die Hölle brennt!
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_Mephistopheles_ die Flamme besprechend.
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Sey ruhig, freundlich Element!
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(zu dem Gesellen.)
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Für dießmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.
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_Siebel._
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|
Was soll das seyn? Wart! ihr bezahlt es theuer!
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Es scheinet, daß ihr uns nicht kennt.
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_Frosch._
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|
Laß er uns das zum zweytenmale bleiben!
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_Altmayer._
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Ich dächt', wir hießen ihn ganz sachte seitwärts gehn.
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_Siebel._
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|
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|
Was Herr? Er will sich unterstehn,
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|
Und hier sein Hokuspokus treiben?
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|
_Mephistopheles._
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Still, altes Weinfaß!
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_Siebel._
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|
Besenstiel!
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|
Du willst uns gar noch grob begegnen?
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_Brander._
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Wart nur! es sollen Schläge regnen.
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|
_Altmayer._
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(zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen.)
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Ich brenne! ich brenne!
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_Siebel._
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Zauberey!
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Stoßt zu! der Kerl ist vogelfrey!
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(Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los.)
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_Mephistopheles_ mit ernsthafter Geberde.
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Falsch Gebild und Wort
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Verändern Sinn und Ort!
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Seyd hier und dort!
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(Sie stehn erstaunt und sehn einander an.)
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_Altmayer._
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Wo bin ich? Welches schöne Land!
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_Frosch._
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Weinberge! Seh' ich recht?
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_Siebel._
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|
Und Trauben gleich zur Hand!
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_Brander._
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|
Hier unter diesem grünen Laube,
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|
Seht, welch ein Stock! Seht, welche Traube!
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|
|
(Er faßt Siebeln bei[bey] der Nase. Die andern thun es wechselseitig und
|
|
heben die Messer.)
|
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|
_Mephistopheles_ wie oben.
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|
Irrthum, laß los der Augen Band!
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|
Und merkt euch, wie der Teufel spaße.
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|
(Er verschwindet mit Faust, die Gesellen fahren aus einander.)
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_Siebel._
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|
Was giebt's?
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_Altmayer._
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|
Wie?
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_Frosch._
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|
War das deine Nase?
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|
_Brander_ (zu Siebel)
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|
Und deine hab' ich in der Hand!
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|
_Altmayer._
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|
Es war ein Schlag, der ging durch alle Glieder!
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|
Schafft einen Stuhl, ich sinke nieder!
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|
_Frosch._
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|
Nein, sagt mir nur, was ist geschehn?
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|
_Siebel._
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|
Wo ist der Kerl? Wenn ich ihn spüre,
|
|
Er soll mir nicht lebendig gehn!
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_Altmayer._
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|
Ich hab' ihn selbst hinaus zur Kellerthüre --
|
|
Auf einem Fasse reiten sehn -- --
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|
Es liegt mir bleyschwer in den Füßen.
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|
|
(Sich nach dem Tische wendend.)
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|
Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen?
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_Siebel._
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Betrug war alles, Lug und Schein.
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_Frosch._
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|
Mir däuchte doch als tränk' ich Wein.
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|
_Brander._
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|
|
Aber wie war es mit den Trauben?
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|
_Altmayer._
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|
|
|
Nun sag' mir eins, man soll kein Wunder glauben!
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|
_Hexenküche._
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|
Auf einem niedrigen Herde steht ein großer Kessel über dem Feuer. In dem
|
|
Dampfe, der davon in die Höhe steigt, zeigen sich verschiedne Gestalten.
|
|
_Eine Meerkatze_ sitzt bey dem Kessel und schäumt ihn, und sorgt daß er
|
|
nicht überläuft. _Der Meerkater_ mit den Jungen sitzt darneben und wärmt
|
|
sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten Hexenhausrath
|
|
ausgeschmückt.
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|
_Faust. Mephistopheles._
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|
|
_Faust._
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|
Mir widersteht das tolle Zauberwesen!
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Versprichst du mir, ich soll genesen,
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|
In diesem Wust von Raserey?
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Verlang' ich Rath von einem alten Weibe?
|
|
Und schafft die Sudelköcherey
|
|
Wohl dreyßig Jahre mir vom Leibe?
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|
Weh mir, wenn du nichts bessers weißt!
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|
Schon ist die Hoffnung mir verschwunden.
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|
Hat die Natur und hat ein edler Geist
|
|
Nicht irgend einen Balsam ausgefunden?
|
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|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Mein Freund, nun sprichst du wieder klug!
|
|
Doch[Dich] zu verjüngen, gibt's auch ein natürlich Mittel;
|
|
Allein es steht in einem andern Buch,
|
|
Und ist ein wunderlich Capitel.
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|
_Faust._
|
|
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|
Ich will es wissen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gut! Ein Mittel, ohne Geld
|
|
Und Arzt und Zauberey, zu haben:
|
|
Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
|
|
Fang' an zu hacken und zu graben,
|
|
Erhalte dich und deinen Sinn
|
|
In einem ganz beschränkten Kreise,
|
|
Ernähre dich mit ungemischter Speise,
|
|
Leb' mit dem Vieh als Vieh, und acht' es nicht für Raub,
|
|
Den Acker, den du ärndest, selbst zu düngen;
|
|
Das ist das beste Mittel, glaub',
|
|
Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen!
|
|
|
|
_Faust._
|
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|
|
Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht bequemen[,]
|
|
Den Spaten in die Hand zu nehmen,
|
|
Das enge Leben steht mir gar nicht an.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
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|
|
So muß denn doch die Hexe dran.
|
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|
_Faust._
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|
Warum denn just das alte Weib?
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Kannst du den Trank nicht selber brauen?
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|
_Mephistopheles._
|
|
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Das wär' ein schöner Zeitvertreib!
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Ich wollt' indeß wohl tausend Brücken bauen.
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|
Nicht Kunst und Wissenschaft allein,
|
|
Geduld will bey dem Werke seyn.
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|
Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig,
|
|
Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.
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|
Und alles was dazu gehört
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|
Es sind gar wunderbare Sachen!
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Der Teufel hat sie's zwar gelehrt;
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|
Allein der Teufel kann's nicht machen.
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|
(Die Thiere erblickend.)
|
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|
Sieh, welch ein zierliches Geschlecht!
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Das ist die Magd! das ist der Knecht!
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|
(Zu den Thieren.)
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|
Es scheint, die Frau ist nicht zu Hause?
|
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|
_Die Thiere._
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Beym Schmause,
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Aus dem Haus
|
|
Zum Schornstein hinaus!
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wie lange pflegt sie wohl zu schwärmen?
|
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|
_Die Thiere._
|
|
|
|
So lange wir uns die Pfoten wärmen.
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|
|
_Mephistopheles_ zu Faust.
|
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|
|
Wie findest du die zarten Thiere?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
So abgeschmackt, als ich nur jemand sah!
|
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nein, ein Discours wie dieser da,
|
|
Ist g'rade der, den ich am liebsten führe!
|
|
|
|
(Zu den Thieren.)
|
|
|
|
So sagt mir doch, verfluchte Puppen!
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|
Was quirlt ihr in dem Brey herum?
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|
_Thiere._
|
|
|
|
Wir kochen breite Bettelsuppen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Da habt ihr ein groß Publicum.
|
|
|
|
_Der Kater_
|
|
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|
(macht sich herbey und schmeichelt dem Mephistopheles.)
|
|
|
|
O würfle nur gleich,
|
|
Und mache mich reich,
|
|
Und laß mich gewinnen!
|
|
Gar schlecht ist's bestellt,
|
|
Und wär' ich bey Geld,
|
|
So wär' ich bey Sinnen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wie glücklich würde sich der Affe schätzen,
|
|
Könnt' er nur auch in's Lotto setzen!
|
|
|
|
(Indessen haben die jungen Meerkätzchen mit einer großen Kugel gespielt
|
|
und rollen sie hervor.)
|
|
|
|
_Der Kater._
|
|
|
|
Das ist die Welt;
|
|
Sie steigt und fällt
|
|
Und rollt beständig;
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|
Sie klingt wie Glas;
|
|
Wie bald bricht das?
|
|
Ist hohl inwendig,
|
|
Hier glänzt sie sehr,
|
|
Und hier noch mehr,
|
|
Ich bin lebendig!
|
|
Mein lieber Sohn,
|
|
Halt dich davon!
|
|
Du mußt sterben!
|
|
Sie ist von Thon,
|
|
Es giebt Scherben.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Was soll das Sieb?
|
|
|
|
_Der Kater_ holt es herunter.
|
|
|
|
Wärst du ein Dieb,
|
|
Wollt' ich dich gleich erkennen.
|
|
|
|
(Er läuft zur Kätzinn und läßt sie durchsehen.)
|
|
|
|
Sieh durch das Sieb!
|
|
Erkennst du den Dieb,
|
|
Und darfst ihn nicht nennen?
|
|
|
|
_Mephistopheles_ sich dem Feuer nähernd.
|
|
|
|
Und dieser Topf?
|
|
|
|
_Kater und Kätzinn._
|
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|
|
Der alberne Tropf!
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Er kennt nicht den Topf,
|
|
Er kennt nicht den Kessel!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Unhöfliches Thier!
|
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|
|
_Der Kater._
|
|
|
|
Den Wedel nimm hier,
|
|
Und setz' dich in Sessel!
|
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|
|
(Er nöthigt den Mephistopheles zu sitzen.)
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
(welcher diese Zeit über vor einem Spiegel gestanden, sich ihm bald
|
|
genähert, bald sich von ihm entfernt hat.)
|
|
|
|
Was seh' ich? Welch ein himmlisch Bild
|
|
Zeigt sich in diesem Zauberspiegel!
|
|
O Liebe, leihe mir den schnellsten deiner Flügel,
|
|
Und führe mich in ihr Gefild!
|
|
Ach wenn ich nicht auf dieser Stelle bleibe,
|
|
Wenn ich es wage nah' zu gehn,
|
|
Kann ich sie nur als wie im Nebel sehn! --
|
|
Das schönste Bild von einem Weibe!
|
|
Ist's möglich, ist das Weib so schön?
|
|
Muß' ich an diesem hingestreckten Leibe
|
|
Den Inbegriff von allen Himmeln sehn?
|
|
So etwas findet sich auf Erden?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Natürlich, wenn ein Gott sich erst sechs Tage plagt,
|
|
Und selbst am Ende Bravo sagt,
|
|
Da muß es was gescheidtes werden.
|
|
Für dießmal sieh dich immer satt;
|
|
Ich weiß dir so ein Schätzchen auszuspüren,
|
|
Und selig wer das gute Schicksal hat,
|
|
Als Bräutigam sie heim zu führen!
|
|
|
|
(Faust sieht immerfort in den Spiegel. Mephistopheles, sich in dem
|
|
Sessel dehnend und mit dem Wedel spielend, fährt fort zu sprechen.)
|
|
|
|
Hier sitz' ich wie der König auf dem Throne,
|
|
Den Zepter halt' ich hier, es fehlt nur noch die Krone.
|
|
|
|
_Die Thiere._
|
|
|
|
(welche bisher allerley wunderliche Bewegungen durch einander gemacht
|
|
haben, bringen dem Mephistopheles eine Krone mit großem Geschrey.)
|
|
|
|
O sey doch so gut,
|
|
Mit Schweiß und mit Blut
|
|
Die Krone zu leimen!
|
|
|
|
(Sie gehn ungeschickt mit der Krone um und zerbrechen sie in zwey
|
|
Stücke, mit welchen sie herumspringen.)
|
|
|
|
Nun ist es geschehn!
|
|
Wir reden und sehn,
|
|
Wir hören und reimen;
|
|
|
|
_Faust_ gegen den Spiegel.
|
|
|
|
Weh mir! ich werde schier verrückt.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ auf die Thiere deutend.
|
|
|
|
Nun fängt mir an fast selbst der Kopf zu schwanken.
|
|
|
|
_Die Thiere._
|
|
|
|
Und wenn es uns glückt,
|
|
Und wenn es sich schickt,
|
|
So sind es Gedanken!
|
|
|
|
_Faust_ wie oben.
|
|
|
|
Mein Busen fängt mir an zu brennen!
|
|
Entfernen wir uns nur geschwind!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ in obiger Stellung.
|
|
|
|
Nun, wenigstens muß man bekennen,
|
|
Daß es aufrichtige Poeten sind.
|
|
|
|
(Der Kessel, welchen die Kätzinn bisher ausser Acht gelassen, fängt an
|
|
überzulaufen; es entsteht eine grosse Flamme, welche zum Schornstein
|
|
hinaus schlägt. _Die Hexe_ kommt durch die Flamme mit entsetzlichem
|
|
Geschrey herunter gefahren.)
|
|
|
|
_Die Hexe._
|
|
|
|
Au! Au! Au! Au!
|
|
Verdammtes Thier! verfluchte Sau!
|
|
Versäumst den Kessel, versengst die Frau!
|
|
Verfluchtes Thier!
|
|
|
|
(Faust und Mephistopheles erblickend.)
|
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|
Was ist das hier?
|
|
Wer seyd ihr hier?
|
|
Was wollt ihr da?
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|
Wer schlich sich ein?
|
|
Die Feuerpein
|
|
Euch in's Gebein!
|
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|
|
(Sie fährt mit dem Schaumlöffel in den Kessel, und spritzt Flammen nach
|
|
Faust, Mephistopheles und den Thieren. Die Thiere winseln.)
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
(welcher den Wedel, den er in der Hand hält, umkehrt, und unter die
|
|
Gläser und Töpfe schlägt.)
|
|
|
|
Entzwey! entzwey!
|
|
Da liegt der Brey!
|
|
Da liegt das Glas!
|
|
Es ist nur Spaß,
|
|
Der Tact, du Aas,
|
|
Zu deiner Melodey.
|
|
|
|
(Indem die Hexe voll Grimm und Entsetzen zurücktritt.)
|
|
|
|
Erkennst du mich? Gerippe! Scheusal du!
|
|
Erkennst du deinen Herrn und Meister?
|
|
Was hält mich ab, so schlag' ich zu,
|
|
Zerschmettre dich und deine Katzen-Geister!
|
|
Hast du vor'm rothen Wamms nicht mehr Respect?
|
|
Kannst du die Hahnenfeder nicht erkennen?
|
|
Hab' ich dieß Angesicht versteckt?
|
|
Soll ich mich etwa selber nennen?
|
|
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|
_Die Hexe._
|
|
|
|
O Herr, verzeiht den rohen Gruß!
|
|
Sah' ich doch keinen Pferdefuß.
|
|
Wo sind denn eure beyden Raben?
|
|
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|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Für dießmal kamst du so davon;
|
|
Denn freylich ist es eine Weile schon,
|
|
Daß wir uns nicht gesehen haben.
|
|
Auch die Cultur, die alle Welt beleckt,
|
|
Hat auf den Teufel sich erstreckt;
|
|
Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen,
|
|
Wo siehst du Hörner, Schweif und Klauen?
|
|
Und was den Fuß betrifft, den ich nicht missen kann,
|
|
Der würde mir bey Leuten schaden;
|
|
Darum bedien' ich mich, wie mancher junge Mann,
|
|
Seit vielen Jahren falscher Waden.
|
|
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|
_Die Hexe_ tanzend.
|
|
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Sinn und Verstand verlier' ich schier,
|
|
Seh' ich den Junker Satan wieder hier!
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|
|
_Mephistopheles._
|
|
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|
Den Nahmen, Weib, verbitt' ich mir!
|
|
|
|
_Die Hexe._
|
|
|
|
Warum? Was hat er euch gethan?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Er ist schon lang' in's Fabelbuch geschrieben;
|
|
Allein die Menschen sind nichts besser dran,
|
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Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.
|
|
Du nennst mich Herr Baron, so ist die Sache gut;
|
|
Ich bin ein Cavalier, wie andre Cavaliere.
|
|
Du zweifelst nicht an meinem edlen Blut;
|
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Sieh her, das ist das Wapen, das ich führe!
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|
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(Er macht eine unanständige Gebärde.)
|
|
|
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_Die Hexe_ lacht unmäßig.
|
|
|
|
Ha! Ha! Das ist in eurer Art!
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Ihr seyd ein Schelm, wie ihr nur immer war't!
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_Mephistopheles_ zu Faust.
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Mein Freund, das lerne wohl verstehn!
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Dieß ist die Art mit Hexen umzugehn.
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_Die Hexe._
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Nun sagt, ihr Herren, was ihr schafft.
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_Mephistopheles._
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Ein gutes Glas von dem bekannten Saft!
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Doch muß ich euch um's ält'ste bitten;
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Die Jahre doppeln seine Kraft.
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_Die Hexe._
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Gar gern! Hier hab' ich eine Flasche,
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Aus der ich selbst zuweilen nasche,
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Die auch nicht mehr im mind'sten stinkt;
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Ich will euch gern ein Gläschen geben.
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(Leise.)
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Doch wenn es dieser Mann unvorbereitet trinkt,
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So kann er, wißt ihr wohl, nicht eine Stunde leben.
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_Mephistopheles._
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Es ist ein guter Freund, dem es gedeihen soll;
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Ich gönn' ihm gern das beste deiner Küche.
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Zieh deinen Kreis, sprich deine Sprüche,
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Und gieb ihm eine Tasse voll!
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_Die Hexe._
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(mit seltsamen Geberden, zieht einen Kreis und stellt wunderbare Sachen
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hinein; indessen fangen die Gläser an zu klingen, die Kessel zu tönen,
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und machen Musik. Zuletzt bringt sie ein großes Buch, stellt die
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Meerkatzen in den Kreis, die ihr zum Pult dienen und die Fackel halten
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müssen. Sie winkt Fausten, zu ihr zu treten.)
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_Faust_ zu Mephistopheles.
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Nein, sage mir, was soll das werden?
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Das tolle Zeug, die rasenden Geberden,
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Der abgeschmackteste Betrug
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Sind mir bekannt, verhaßt genug.
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_Mephistopheles._
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|
Ey Possen! Das ist nur zum Lachen;
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Sey nur nicht ein so strenger Mann!
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Sie muß als Arzt ein Hokuspokus machen,
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Damit der Saft dir wohl gedeihen kann.
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(Er nöthigt Fausten in den Kreis zu treten.)
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_Die Hexe_ mit großer Emphase fängt an aus dem Buche zu declamiren.
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Du mußt verstehn!
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Aus Eins mach' Zehn,
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Und Zwey laß gehn,
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Und Drey mach' gleich,
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So bist du reich.
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|
Verlier' die Vier!
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Aus Fünf und Sechs,
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So sagt die Hex',
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Mach' Sieben und Acht,
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So ist's vollbracht:
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Und Neun ist Eins,
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Und Zehn ist keins.
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Das ist das Hexen-Einmal-Eins!
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_Faust._
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Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber.
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|
_Mephistopheles._
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Das ist noch lange nicht vorüber,
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Ich kenn' es wohl, so klingt das ganze Buch;
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Ich habe manche Zeit damit verloren,
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Denn ein vollkommner Widerspruch
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Bleibt gleich geheimnißvoll für Kluge wie für Thoren.
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Mein Freund, die Kunst ist alt und neu.
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Es war die Art zu allen Zeiten,
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Durch Drey und Eins, und Eins und Drey
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|
Irrthum statt Wahrheit zu verbreiten.
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So schwätzt und lehrt man ungestört;
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Wer will sich mit den Narr'n befassen?
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Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
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Es müsse sich dabey doch auch was denken lassen.
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_Die Hexe_ fährt fort.
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|
Die hohe Kraft
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Der Wissenschaft,
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Der ganzen Welt verborgen!
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Und wer nicht denkt,
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Dem wird sie geschenkt,
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Er hat sie ohne Sorgen.
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|
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|
_Faust._
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|
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|
Was sagt sie uns für Unsinn vor?
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|
Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
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|
Mich dünkt, ich hör' ein ganzes Chor
|
|
Von hundert tausend Narren sprechen.
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|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Genug, genug, o treffliche Sibylle!
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|
Gib deinen Trank herbey, und fülle
|
|
Die Schale rasch bis an den Rand hinan;
|
|
Denn meinem Freund wird dieser Trunk nicht schaden:
|
|
Er ist ein Mann von vielen Graden,
|
|
Der manchen guten Schluck gethan.
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|
|
_Die Hexe._
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|
|
|
(mit vielen Ceremonien, schenkt den Trank in eine Schale; wie sie Faust
|
|
an den Mund bringt, entsteht eine leichte Flamme.)
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|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nur frisch hinunter! Immer zu!
|
|
Es wird dir gleich das Herz erfreuen.
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|
Bist mit dem Teufel du und du,
|
|
Und willst dich vor der Flamme scheuen?
|
|
|
|
_Die Hexe_ lös't den Kreis.
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|
|
_Faust_ tritt heraus.
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|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun frisch hinaus! Du darfst nicht ruhn.
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|
|
|
_Die Hexe._
|
|
|
|
Mög' euch das Schlückchen wohl behagen!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ zur Hexe.
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|
|
|
Und kann ich dir was zu Gefallen thun;
|
|
So darfst du mir's nur auf Walpurgis sagen.
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|
|
|
_Die Hexe._
|
|
|
|
Hier ist ein Lied! wenn ihr's zuweilen singt,
|
|
So werdet ihr besondre Würkung spüren.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ zu Faust.
|
|
|
|
Komm nur geschwind und laß dich führen;
|
|
Du mußt nothwendig transpiriren,
|
|
Damit die Kraft durch inn- und äußres dringt.
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|
Den edlen Müßiggang lehr' ich hernach dich schätzen,
|
|
Und bald empfindest du mit innigem Ergetzen,
|
|
Wie sich Cupido regt und hin und wieder springt.
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|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Laß mich nur schnell noch in den Spiegel schauen!
|
|
Das Frauenbild war gar zu schön!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nein! Nein! Du sollst das Muster aller Frauen
|
|
Nun bald leibhaftig vor dir seh'n.
|
|
|
|
Leise.
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|
|
|
Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
|
|
Bald Helenen in jedem Weibe.
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|
|
|
|
|
|
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|
|
_Straße._
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|
|
|
_Faust. Margarete_ vorüber gehend.
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|
_Faust._
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|
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|
Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
|
|
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Bin weder Fräulein, weder schön,
|
|
Kann ungeleitet nach Hause gehn.
|
|
|
|
(Sie macht sich los und ab.)
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Beym Himmel, dieses Kind ist schön!
|
|
So etwas hab' ich nie gesehn.
|
|
Sie ist so sitt- und tugendreich,
|
|
Und etwas schnippisch doch zugleich.
|
|
Der Lippe Roth, der Wange Licht,
|
|
Die Tage der Welt vergess' ich's nicht!
|
|
Wie sie die Augen niederschlägt,
|
|
Hat tief sich in mein Herz geprägt;
|
|
Wie sie kurz angebunden war,
|
|
Das ist nun zum Entzücken gar!
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|
|
|
_Mephistopheles_ tritt auf.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun, welche?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Sie ging just vorbey.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Da die? Sie kam von ihrem Pfaffen,
|
|
Der sprach sie aller Sünden frey;
|
|
Ich schlich mich hart am Stuhl vorbey,
|
|
Es ist ein gar unschuldig Ding,
|
|
Das eben für nichts zur Beichte ging;
|
|
Ueber die hab' ich keine Gewalt!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ist über vierzehn Jahr doch alt.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Du sprichst ja wie Hans Liederlich,
|
|
Der begehrt jede liebe Blum' für sich,
|
|
Und dünkelt ihm, es wär' kein' Ehr'
|
|
Und Gunst, die nicht zu pflücken wär';
|
|
Geht aber doch nicht immer an.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Mein Herr Magister Lobesan,
|
|
Laß er mich mit dem Gesetz in Frieden!
|
|
Und das sag' ich ihm kurz und gut,
|
|
Wenn nicht das süße junge Blut
|
|
Heut' Nacht in meinen Armen ruht;
|
|
So sind wir um Mitternacht geschieden.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Bedenkt was gehn und stehen mag!
|
|
Ich brauche wenigstens vierzehn Tag'
|
|
Nur die Gelegenheit auszuspüren.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hätt' ich nur sieben Stunden Ruh,
|
|
Brauchte den Teufel nicht dazu,
|
|
So ein Geschöpfchen zu verführen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ihr sprecht schon fast wie ein Franzos;
|
|
Doch bitt' ich, laßt's euch nicht verdrießen:
|
|
Was hilft's nur g'rade zu genießen?
|
|
Die Freud' ist lange nicht so groß,
|
|
Als wenn ihr erst herauf, herum,
|
|
Durch allerley Brimborium,
|
|
Das Püppchen geknetet und zugericht't,
|
|
Wie's lehret manche welsche Geschicht'.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hab' Appetit auch ohne das.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Jetzt ohne Schimpf und ohne Spaß.
|
|
Ich sag' euch, mit dem schönen Kind
|
|
Geht's ein- für allemal nicht geschwind.
|
|
Mit Sturm ist da nichts einzunehmen;
|
|
Wir müssen uns zur List bequemen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Schaff' mir etwas vom Engelsschatz!
|
|
Führ' mich an ihren Ruheplatz!
|
|
Schaff' mir ein Halstuch von ihrer Brust,
|
|
Ein Strumpfband meiner Liebeslust!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Damit ihr seht, daß ich eurer Pein
|
|
Will förderlich und dienstlich seyn;
|
|
Wollen wir keinen Augenblick verlieren,
|
|
Will euch noch heut' in ihr Zimmer führen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Und soll sie sehn? sie haben?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nein!
|
|
Sie wird bey einer Nachbarinn seyn.
|
|
Indessen könnt ihr ganz allein
|
|
An aller Hoffnung künft'ger Freuden
|
|
In ihrem Dunstkreis satt euch weiden.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Können wir hin?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Es ist noch zu früh.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Sorg' du mir für ein Geschenk für sie.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er reüssiren!
|
|
Ich kenne manchen schönen Platz
|
|
Und manchen alt vergrabnen Schatz,
|
|
Ich muß ein Bißchen revidiren.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Abend._
|
|
|
|
|
|
_Ein kleines reinliches Zimmer._
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
(ihre Zöpfe flechtend und aufbindend.)
|
|
|
|
Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüßt',
|
|
Wer heut der Herr gewesen ist!
|
|
Er sah gewiß recht wacker aus,
|
|
Und ist aus einem edlen Haus;
|
|
Das konnt' ich ihm an der Stirne lesen --
|
|
Er wär' auch sonst nicht so keck gewesen.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Mephistopheles. Faust._
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Herein, ganz leise, nur herein!
|
|
|
|
_Faust_ nach einigem Stillschweigen.
|
|
|
|
Ich bitte dich, laß mich allein!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ herumspürend.
|
|
|
|
Nicht jedes Mädchen hält so rein.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Faust_ (rings aufschauend.)
|
|
|
|
Willkommen süßer Dämmerschein!
|
|
Der du dieß Heiligthum durchwebst.
|
|
Ergreif mein Herz, du süße Liebespein!
|
|
Die du vom Thau der Hoffnung schmachtend lebst.
|
|
Wie athmet rings Gefühl der Stille,
|
|
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
|
|
In dieser Armuth welche Fülle!
|
|
In diesem Kerker welche Seligkeit!
|
|
|
|
(Er wirft sich auf den ledernen Sessel am Bette.)
|
|
|
|
O nimm mich auf! der du die Vorwelt schon
|
|
Bey Freud' und Schmerz in offnen Arm empfangen!
|
|
Wie oft, ach! hat an diesem Väter-Thron
|
|
Schon eine Schaar von Kindern rings gehangen!
|
|
Vielleicht hat, dankbar für den heil'gen Christ,
|
|
Mein Liebchen hier, mit vollen Kinderwangen,
|
|
Dem Ahnherrn fromm die welke Hand geküßt.
|
|
Ich fühl', o Mädchen, deinen Geist
|
|
Der Füll' und Ordnung um mich säuseln,
|
|
Der mütterlich dich täglich unterweis't,
|
|
Den Teppich auf den Tisch dich reinlich breiten heißt,
|
|
Sogar den Sand zu deinen Füßen kräuseln.
|
|
O liebe Hand! so göttergleich!
|
|
Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.
|
|
Und hier!
|
|
|
|
(Er hebt einen Bettvorhang auf.)
|
|
|
|
Was faßt mich für ein Wonnegraus!
|
|
Hier möcht' ich volle Stunden säumen.
|
|
Natur! Hier bildetest in leichten Träumen
|
|
Den eingebornen Engel aus;
|
|
Hier lag das Kind! mit warmem Leben
|
|
Den zarten Busen angefüllt,
|
|
Und hier mit heilig reinem Weben
|
|
Entwirkte sich das Götterbild!
|
|
|
|
Und du! Was hat dich hergeführt?
|
|
Wie innig fühl' ich mich gerührt!
|
|
Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer?
|
|
Armsel'ger Faust! ich kenne dich nicht mehr.
|
|
|
|
Umgiebt mich hier ein Zauberduft?
|
|
Mich drang's so g'rade zu genießen,
|
|
Und fühle mich in Liebestraum zerfließen!
|
|
Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft?
|
|
|
|
Und träte sie den Augenblick herein,
|
|
Wie würdest du für deinen Frevel büßen!
|
|
Der große Hans, ach wie so klein!
|
|
Läg', hingeschmolzen, ihr zu Füßen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Geschwind! ich seh' sie unten kommen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Fort! Fort! Ich kehre nimmermehr!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Hier ist ein Kästchen leidlich schwer,
|
|
Ich hab's wo anders hergenommen.
|
|
Stellt's hier nur immer in den Schrein,
|
|
Ich schwör' euch, ihr vergehn die Sinnen;
|
|
Ich that euch Sächelchen hinein,
|
|
Um eine andre zu gewinnen.
|
|
Zwar Kind ist Kind und Spiel ist Spiel.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ich weiß nicht, soll ich?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Fragt ihr viel?
|
|
Meint ihr vielleicht den Schatz zu wahren?
|
|
Dann rath' ich eurer Lüsternheit
|
|
Die liebe schöne Tageszeit,
|
|
Und mir die weitre Müh' zu sparen.
|
|
Ich hoff' nicht daß ihr geitzig seyd!
|
|
Ich kratz' den Kopf, reib' an den Händen --
|
|
|
|
(Er stellt das Kästchen in den Schrein und drückt das Schloß wieder zu.)
|
|
|
|
Nur fort! geschwind! --
|
|
Um euch das süße junge Kind
|
|
Nach Herzens Wunsch und Will' zu wenden;
|
|
Und ihr seht drein,
|
|
Als solltet ihr in den Hörsal hinein,
|
|
Als stünd' leibhaftig vor euch da
|
|
Physik und Metaphysika!
|
|
Nur fort! --
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Margarete_ mit einer Lampe.
|
|
|
|
Es ist so schwül, so dumpfig hie,
|
|
|
|
(Sie macht das Fenster auf.)
|
|
|
|
Und ist doch eben so warm nicht drauß'.
|
|
Es wird mir so, ich weiß' nicht wie --
|
|
Ich wollt', die Mutter käm' nach Haus.
|
|
Mir läuft ein Schauer über'n Leib --
|
|
Bin doch ein thöricht furchtsam Weib!
|
|
|
|
(Sie fängt an zu singen, indem sie sich auszieht.)
|
|
|
|
Es war ein König in Thule
|
|
Gar treu bis an das Grab,
|
|
Dem sterbend seine Buhle
|
|
Einen goldnen Becher gab.
|
|
|
|
Es ging ihm nichts darüber,
|
|
Er leert ihn jeden Schmaus;
|
|
Die Augen gingen ihm über,
|
|
So oft er trank daraus.
|
|
|
|
Und als er kam zu sterben,
|
|
Zählt' er seine Städt' im Reich,
|
|
Gönnt' alles seinem Erben,
|
|
Den Becher nicht zugleich.
|
|
|
|
Er saß beym Königsmahle,
|
|
Die Ritter um ihn her,
|
|
Auf hohem Väter-Saale,
|
|
Dort auf dem Schloß am Meer.
|
|
|
|
Dort stand der alte Zecher,
|
|
Trank letzte Lebensgluth,
|
|
Und warf den heiligen Becher
|
|
Hinunter in die Fluth.
|
|
|
|
Er sah ihn stürzen, trinken
|
|
Und sinken tief ins Meer,
|
|
Die Augen thäten ihm sinken,
|
|
Trank nie einen Tropfen mehr.
|
|
|
|
(Sie eröffnet den Schrein, ihre Kleider einzuräumen, und erblickt das
|
|
Schmuckkästchen.)
|
|
|
|
Wie kommt das schöne Kästchen hier herein?
|
|
Ich schloß doch ganz gewiß den Schrein.
|
|
Es ist doch wunderbar! Was mag wohl drinne seyn?
|
|
Vielleicht bracht's jemand als ein Pfand,
|
|
Und meine Mutter lieh darauf.
|
|
Da hängt ein Schlüsselchen am Band,
|
|
Ich denke wohl, ich mach' es auf!
|
|
Was ist das? Gott im Himmel! schau,
|
|
So was hab' ich mein' Tage nicht gesehn!
|
|
Ein Schmuck! Mit dem könnt' eine Edelfrau
|
|
Am höchsten Feiertage gehn.
|
|
Wie sollte mir die Kette stehn?
|
|
Wem mag die Herrlichkeit gehören?
|
|
|
|
(Sie putzt sich damit auf und tritt vor den Spiegel.)
|
|
|
|
Wenn nur die Ohrring' meine wären!
|
|
Man sieht doch gleich ganz anders drein.
|
|
Was hilft euch Schönheit, junges Blut?
|
|
Das ist wohl alles schön und gut,
|
|
Allein man läßt's auch alles seyn;
|
|
Man lobt euch halb mit Erbarmen.
|
|
Nach Golde drängt,
|
|
Am Golde hängt
|
|
Doch alles. Ach wir Armen!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Spazirgang._
|
|
|
|
|
|
_Faust_ in Gedanken auf und ab gehend. Zu ihm _Mephistopheles._
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Bey aller verschmähten Liebe! Beym höllischen Elemente!
|
|
Ich wollt', ich wüßte 'was ärgers, daß ich's fluchen könnte!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was hast? was kneipt dich denn so sehr?
|
|
So kein Gesicht sah' ich in meinem Leben!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich möcht' mich gleich dem Teufel übergeben,
|
|
Wenn ich nur selbst kein Teufel wär'!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hat sich dir was im Kopf verschoben?
|
|
Dich kleidet's, wie ein Rasender zu toben!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Denkt nur, den Schmuck für Gretchen angeschafft,
|
|
Den hat ein Pfaff hinweggerafft! --
|
|
Die Mutter kriegt das Ding zu schauen,
|
|
Gleich fängt's ihr heimlich an zu grauen:
|
|
Die Frau hat gar einen feinen Geruch,
|
|
Schnuffelt immer im Gebetbuch,
|
|
Und riecht's einem jeden Möbel an,
|
|
Ob das Ding heilig ist oder profan;
|
|
Und an dem Schmuck da spürt sie's klar,
|
|
Daß dabey nicht viel Segen war.
|
|
Mein Kind, rief sie, ungerechtes Gut
|
|
Befängt die Seele, zehrt auf das Blut.
|
|
Wollen's der Mutter Gottes weihen,
|
|
Wird uns mit Himmels-Manna erfreuen!
|
|
Margretlein zog ein schiefes Maul,
|
|
Ist halt, dacht' sie, ein geschenkter Gaul,
|
|
Und wahrlich! gottlos ist nicht der,
|
|
Der ihn so fein gebracht hierher.
|
|
Die Mutter ließ einen Pfaffen kommen;
|
|
Der hatte kaum den Spaß vernommen,
|
|
Ließ sich den Anblick wohl behagen.
|
|
Er sprach: So ist man recht gesinnt!
|
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Wer überwindet der gewinnt.
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Die Kirche hat einen guten Magen,
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Hat ganze Länder aufgefressen,
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Und doch noch nie sich übergessen;
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Die Kirch' allein, meine lieben Frauen,
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Kann ungerechtes Gut verdauen.
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_Faust._
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Das ist ein allgemeiner Brauch,
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Ein Jud' und König kann es auch.
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_Mephistopheles._
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Strich drauf ein Spange, Kett' und Ring',
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Als wären's eben Pfifferling',
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Dankt' nicht weniger und nicht mehr,
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Als ob's ein Korb voll Nüsse wär',
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Versprach ihnen allen himmlischen Lohn --
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Und sie waren sehr erbaut davon.
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_Faust._
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Und Gretchen?
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_Mephistopheles._
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Sitzt nun unruhvoll,
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Weiß weder was sie will noch soll,
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Denkt an's Geschmeide Tag und Nacht,
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Noch mehr an den, der's ihr gebracht.
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_Faust._
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Des Liebchens Kummer thut mir leid.
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Schaff' du ihr gleich ein neu Geschmeid'!
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Am ersten war ja so nicht viel.
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_Mephistopheles._
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O ja, dem Herrn ist alles Kinderspiel!
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_Faust._
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Und mach', und richt's nach meinem Sinn!
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Häng' dich an ihre Nachbarinn.
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Sey Teufel doch nur nicht wie Brey,
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Und schaff' einen neuen Schmuck herbey!
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_Mephistopheles._
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|
Ja, gnäd'ger Herr, von Herzen gerne.
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(Faust ab.)
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_Mephistopheles._
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|
So ein verliebter Thor verpufft
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Euch Sonne, Mond und alle Sterne
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Zum Zeitvertreib dem Liebchen in die Luft.
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(ab.)
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_Der Nachbarinn Haus._
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_Marthe_ allein.
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Gott verzeih's meinem lieben Mann,
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Er hat an mir nicht wohl gethan!
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Geht da stracks in die Welt hinein,
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Und läßt mich auf dem Stroh allein.
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Thät' ihn doch wahrlich nicht betrüben,
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Thät' ihn, weiß Gott, recht herzlich lieben.
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(Sie weint.)
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Vielleicht ist er gar todt! -- O Pein! -- --
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Hätt' ich nur einen Todtenschein!
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_Margarete_ kommt.
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_Margarete._
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Frau Marthe!
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_Marthe._
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Gretelchen, was soll's?
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_Margarete._
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Fast sinken mir die Kniee nieder!
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Da find' ich so ein Kästchen wieder
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In meinem Schrein, von Ebenholz,
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Und Sachen herrlich ganz und gar,
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Weit reicher als das erste war.
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_Marthe._
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Das muß sie nicht der Mutter sagen;
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Thät's wieder gleich zur Beichte tragen.
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_Margarete._
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|
Ach seh' sie nur! ach schau' sie nur!
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_Marthe_ putzt sie auf.
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|
O du glücksel'ge Creatur!
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_Margarete._
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|
Darf mich, leider, nicht auf der Gassen,
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Noch in der Kirche mit sehen lassen.
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|
_Marthe._
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|
Komm du nur oft zu mir herüber,
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|
Und leg' den Schmuck hier heimlich an;
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Spazier' ein Stündchen lang dem Spiegelglas vorüber,
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|
Wir haben unsre Freude dran;
|
|
Und dann gibt's einen Anlaß, gibt's ein Fest,
|
|
Wo man's so nach und nach den Leuten sehen läßt.
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|
Ein Kettchen erst, die Perle dann in's Ohr;
|
|
Die Mutter sieht's wohl nicht, man macht ihr auch was vor.
|
|
|
|
_Margarete._
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|
|
|
Wer konnte nur die beyden Kästchen bringen?
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|
Es geht nicht zu mit rechten Dingen!
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|
|
(Es klopft.)
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|
_Margarete._
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|
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|
Ach Gott! mag das meine Mutter seyn?
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|
_Marthe_ durchs Vorhängel guckend.
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|
Es ist ein fremder Herr -- Herein!
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|
_Mephistopheles_ tritt auf.
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|
|
_Mephistopheles._
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|
|
Bin so frey g'rad' herein zu treten,
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|
Muß bey den Frauen Verzeihn erbeten.
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|
|
|
(Tritt ehrerbietig vor Margareten zurück.)
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|
Wollte nach Frau Marthe Schwerdlein fragen!
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|
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|
_Marthe._
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|
Ich bin's, was hat der Herr zu sagen?
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|
_Mephistopheles_ leise zu ihr.
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|
|
Ich kenne Sie jetzt, mir ist das genug;
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|
Sie hat da gar vornehmen Besuch.
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|
Verzeiht die Freyheit die ich genommen,
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|
Will Nachmittage wieder kommen.
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|
|
|
_Marthe_ laut.
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|
Denk', Kind, um alles in der Welt!
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|
Der Herr dich für ein Fräulein hält.
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|
|
_Margarete._
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|
|
Ich bin ein armes junges Blut;
|
|
Ach Gott! der Herr ist gar zu gut:
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|
Schmuck und Geschmeide sind nicht mein.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ach, es ist nicht der Schmuck allein;
|
|
Sie hat ein Wesen, einen Blick so scharf!
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|
Wie freut mich's, daß ich bleiben darf.
|
|
|
|
_Marthe._
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|
|
|
Was bringt Er denn? Verlange sehr --
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich wollt' ich hätt' eine frohere Mähr'!
|
|
Ich hoffe, Sie läßt mich's drum nicht büßen:
|
|
Ihr Mann ist todt und läßt Sie grüßen.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ist todt? das treue Herz! O weh!
|
|
Mein Mann ist todt! Ach ich vergeh'!
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|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ach! liebe Frau, verzweifelt nicht!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
So hört die traurige Geschicht'!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ich möchte drum mein' Tag' nicht lieben,
|
|
Würde mich Verlust zu Tode betrüben.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Freud' muß Leid, Leid muß Freude haben.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Erzählt mir seines Lebens Schluß!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Er liegt in Padua begraben
|
|
Bey'm heiligen Antonius,
|
|
An einer wohlgeweihten Stätte
|
|
Zum ewig kühlen Ruhebette.
|
|
|
|
_Marthe._
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|
|
|
Habt ihr sonst nichts an mich zu bringen[?]
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ja, eine Bitte, groß und schwer;
|
|
Laß Sie doch ja für ihn dreyhundert Messen singen!
|
|
Im übrigen sind meine Taschen leer.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Was! nicht ein Schaustück? Kein Geschmeid'?
|
|
Was jeder Handwerksbursch im Grund des Säckels spart,
|
|
Zum Angedenken aufbewahrt,
|
|
Und lieber hungert lieber bettelt!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Madam, es thut mir herzlich leid;
|
|
Allein er hat sein Geld wahrhaftig nicht verzettelt.
|
|
Auch er bereute seine Fehler sehr,
|
|
Ja, und bejammerte sein Unglück noch viel mehr.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ach! daß die Menschen so unglücklich sind!
|
|
Gewiß ich will für ihn manch Requiem noch beten.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ihr wäret werth, gleich in die Eh' zu treten:
|
|
Ihr seyd ein liebenswürdig Kind.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ach nein, das geht jetzt noch nicht an.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ist's nicht ein Mann, sey's derweil' ein Galan.
|
|
's ist eine der größten Himmelsgaben,
|
|
So ein lieb Ding im Arm zu haben.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Das ist des Landes nicht der Brauch.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Brauch oder nicht! es gibt sich auch.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Erzählt mir doch!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich stand an seinem Sterbebette,
|
|
Es war was besser als von Mist,
|
|
Von halbgefaultem Stroh; allein er starb als Christ,
|
|
Und fand, daß er weit mehr noch auf der Zeche hätte.
|
|
Wie, rief er, muß ich mich von Grund aus hassen,
|
|
So mein Gewerb, mein Weib so zu verlassen!
|
|
Ach! die Erinnerung tödtet mich.
|
|
Vergäb' sie mir nur noch in diesem Leben! --
|
|
|
|
_Marthe_ weinend.
|
|
|
|
Der gute Mann! ich hab' ihm längst vergeben.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Allein, weiß Gott! sie war mehr Schuld als ich.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Das lügt er! Was! am Rand des Grab's zu lügen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Er fabelte gewiß in letzten Zügen,
|
|
Wenn ich nur halb ein Kenner bin.
|
|
Ich hatte, sprach er, nicht zum Zeitvertreib zu gaffen,
|
|
Erst Kinder, und dann Brot für sie zu schaffen,
|
|
Und Brot im allerweit'sten Sinn,
|
|
Und konnte nicht einmal mein Theil in Frieden essen.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Hat er so aller Treu', so aller Lieb' vergessen,
|
|
Der Plackerey bey Tag und Nacht!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nicht doch, er hat euch herzlich dran gedacht.
|
|
Er sprach: Als ich nun weg von Malta ging,
|
|
Da betet' ich für Frau und Kinder brünstig;
|
|
Uns war denn auch der Himmel günstig,
|
|
Daß unser Schiff ein Türkisch Fahrzeug fing,
|
|
Das einen Schatz des großen Sultans führte.
|
|
Da ward der Tapferkeit ihr Lohn,
|
|
Und ich empfing denn auch, wie sich's gebührte,
|
|
Mein wohlgemess'nes Theil davon.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ey wie? Ey wo? Hat er's vielleicht vergraben?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wer weiß, wo nun es die vier Winde haben.
|
|
Ein schönes Fräulein nahm sich seiner an,
|
|
Als er in Napel fremd umher spazirte;
|
|
Sie hat an ihm viel Lieb's und Treu's gethan,
|
|
Daß er's bis an sein selig Ende spürte.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Der Schelm! der Dieb an seinen Kindern!
|
|
Auch alles Elend, alle Noth
|
|
Konnt' nicht sein schändlich Leben hindern!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ja seht! dafür ist er nun todt.
|
|
Wär' ich nun jetzt an eurem Platze;
|
|
Betraurt' ich ihn ein züchtig Jahr,
|
|
Visirte dann unterweil' nach einem neuen Schatze.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ach Gott! wie doch mein erster war,
|
|
Find' ich nicht leicht auf dieser Welt den andern!
|
|
Es konnte kaum ein herziger Närrchen seyn.
|
|
Er liebte nur das allzuviele Wandern,
|
|
Und fremde Weiber, und fremden Wein,
|
|
Und das verfluchte Würfelspiel.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun, nun, so konnt' es gehn und stehen,
|
|
Wenn er euch ungefähr so viel
|
|
Von seiner Seite nachgesehen.
|
|
Ich schwör' euch zu, mit dem Beding
|
|
Wechselt' ich selbst mit euch den Ring!
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
O es beliebt dem Herrn zu scherzen!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ für sich.
|
|
|
|
Nun mach' ich mich bey Zeiten fort!
|
|
Die hielte wohl den Teufel selbst beym Wort.
|
|
|
|
(zu Gretchen.)
|
|
|
|
Wie steht es denn mit Ihrem Herzen?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Was meint der Herr damit?
|
|
|
|
_Mephistopheles_ für sich.
|
|
|
|
Du gut's, unschuldig's Kind!
|
|
|
|
(Laut.)
|
|
|
|
Lebt wohl ihr Frauen!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Lebt wohl!
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
O sagt mir doch geschwind!
|
|
Ich möchte gern ein Zeugniß haben,
|
|
Wo, wie und wann mein Schatz gestorben und begraben.
|
|
Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen,
|
|
Möcht' ihn auch todt im Wochenblättchen lesen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ja, gute Frau, durch zweyer Zeugen Mund
|
|
Wird allerwegs die Wahrheit kund;
|
|
Habe noch gar einen feinen Gesellen,
|
|
Den will ich euch vor den Richter stellen.
|
|
Ich bring' ihn her.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
O thut das ja!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Und hier die Jungfrau ist auch da? --
|
|
Ein braver Knab'! ist viel gereis't,
|
|
Fräuleins alle Höflichkeit erweis't.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Müßte vor dem Herren schamroth werden.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Vor keinem Könige der Erden.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Da hinter'm Haus in meinem Garten
|
|
Wollen wir der Herrn heut' Abend warten.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Straße._
|
|
|
|
|
|
_Faust. Mehpistopheles._
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wie ist's? Will's fördern? Will's bald gehn?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ah bravo! Find' ich euch in Feuer?
|
|
In kurzer Zeit ist Gretchen euer.
|
|
Heut' Abend sollt ihr sie bey Nachbar' Marthen sehn:
|
|
Das ist ein Weib wie auserlesen
|
|
Zum Kuppler- und Zigeunerwesen!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
So recht!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Doch wird auch was von uns begehrt.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ein Dienst ist wohl des andern werth.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wir legen nur ein gültig Zeugniß nieder,
|
|
Daß ihres Ehherrn ausgereckte Glieder
|
|
In Padua an heil'ger Stätte ruhn.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Sehr klug! Wir werden erst die Reise machen müssen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
#Sancta Simplicitas#! darum ist's nicht zu thun;
|
|
Bezeugt nur ohne viel zu wissen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wenn Er nichts bessers hat, so ist der Plan zerrissen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
O heil'ger Mann! Da wär't ihr's nun!
|
|
Ist es das erstemal in eurem Leben,
|
|
Daß ihr falsch Zeugniß abgelegt?
|
|
Habt ihr von Gott, der Welt und was sich d'rin bewegt,
|
|
Vom Menschen, was sich ihm in Kopf und Herzen regt,
|
|
Definitionen nicht mit großer Kraft gegeben?
|
|
Mit frecher Stirne, kühner Brust?
|
|
Und wollt ihr recht in's Innre gehen,
|
|
Habt ihr davon, ihr müßt es g'rad' gestehen,
|
|
So viel als von Herrn Schwerdleins Tod gewußt!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du bist und bleibst ein Lügner, ein Sophiste.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ja, wenn man's nicht ein Bißchen tiefer wüßte.
|
|
Denn morgen wirst in allen Ehren
|
|
Das arme Gretchen nicht bethören,
|
|
Und alle Seelenlieb' ihr schwören?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Und zwar von Herzen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gut und schön!
|
|
Dann wird von ewiger Treu' und Liebe,
|
|
Von einzig überallmächt'gem Triebe --
|
|
Wird das auch so von Herzen gehn?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Laß das! Es wird! -- Wenn ich empfinde,
|
|
Für das Gefühl, für das Gewühl
|
|
Nach Namen suche, keinen finde,
|
|
Dann durch die Welt mit allen Sinnen schweife,
|
|
Nach allen höchsten Worten greife,
|
|
Und diese Gluth, von der ich brenne,
|
|
Unendlich, ewig, ewig nenne,
|
|
Ist das ein teuflisch Lügenspiel?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich hab' doch Recht!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hör'! merk' dir dieß --
|
|
Ich bitte dich, und schone meine Lunge --
|
|
Wer Recht behalten will und hat nur eine Zunge,
|
|
Behält's gewiß.
|
|
Und komm', ich hab' des Schwätzens Ueberdruß,
|
|
Denn du hast Recht, vorzüglich weil ich muß.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Garten._
|
|
|
|
|
|
_Margarete_ an _Faustens_ Arm,
|
|
_Marthe_ mit _Mephistopheles_ auf und ab spazirend.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ich fühl' es wohl, daß mich der Herr nur schont,
|
|
Herab sich läßt, mich zu beschämen.
|
|
Ein Reisender ist so gewohnt
|
|
Aus Gütigkeit fürlieb zu nehmen,
|
|
Ich weiß zu gut, daß solch' erfahrnen Mann
|
|
Mein arm Gespräch nicht unterhalten kann.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ein Blick von dir, Ein Wort mehr unterhält,
|
|
Als alle Weisheit dieser Welt.
|
|
|
|
(Er küßt ihre Hand.)
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Incommodirt euch nicht! Wie könnt ihr sie nur küssen?
|
|
Sie ist so garstig, ist so rauh!
|
|
Was hab' ich nicht schon alles schaffen müssen!
|
|
Die Mutter ist gar zu genau.
|
|
|
|
(Gehn vorüber.)
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Und ihr, mein Herr, ihr reis't so immer fort?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ach, daß Gewerb' und Pflicht uns dazu treiben!
|
|
Mit wie viel Schmerz verläßt man manchen Ort,
|
|
Und darf doch nun einmal nicht bleiben!
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
In raschen Jahren geht's wohl an,
|
|
So um und um frey durch die Welt zu streifen;
|
|
Doch kömmt die böse Zeit heran,
|
|
Und sich als Hagestolz allein zum Grab' zu schleifen,
|
|
Das hat noch keinem wohl gethan.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Mit Grausen seh' ich das von weiten.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Drum, werther Herr, berathet euch in Zeiten.
|
|
|
|
(Gehn vorüber.)
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ja, aus den Augen aus dem Sinn!
|
|
Die Höflichkeit ist euch geläufig;
|
|
Allein ihr habt der Freunde häufig,
|
|
Sie sind verständiger als ich bin.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
O Beste! glaube, was man so verständig nennt,
|
|
Ist oft mehr Eitelkeit und Kurzsinn.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Wie?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ach, daß die Einfalt, daß die Unschuld nie
|
|
Sich selbst und ihren heil'gen Werth erkennt!
|
|
Daß Demuth, Niedrigkeit, die höchsten Gaben
|
|
Der liebevoll austheilenden Natur --
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Denkt ihr an mich ein Augenblickchen nur,
|
|
Ich werde Zeit genug an euch zu denken haben.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ihr seyd wohl viel allein?
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|
_Margarete._
|
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Ja, unsre Wirthschaft ist nur klein,
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Und doch will sie versehen seyn.
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Wir haben keine Magd; muß kochen, fegen, stricken
|
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Und nähn, und laufen früh und spat;
|
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Und meine Mutter ist in allen Stücken
|
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So accurat!
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Nicht daß sie just so sehr sich einzuschränken hat;
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Wir könnten uns weit eh'r als andre regen:
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Mein Vater hinterließ ein hübsch Vermögen,
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Ein Häuschen und ein Gärtchen vor der Stadt.
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Doch hab' ich jetzt so ziemlich stille Tage;
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Mein Bruder ist Soldat,
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Mein Schwesterchen ist todt.
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Ich hatte mit dem Kind wohl meine liebe Noth;
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Doch übernähm' ich gern noch einmal alle Plage,
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So lieb war mir das Kind.
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_Faust._
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Ein Engel, wenn dir's glich.
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_Margarete._
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Ich zog es auf, und herzlich liebt' es mich.
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Es war nach meines Vaters Tod geboren.
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Die Mutter gaben wir verloren,
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So elend wie sie damals lag,
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Und sie erholte sich sehr langsam, nach und nach.
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Da konnte sie nun nicht d'ran denken
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Das arme Würmchen selbst zu tränken,
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Und so erzog ich's ganz allein,
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Mit Milch und Wasser; so ward's mein.
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Auf meinem Arm, in meinem Schoos
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War's freundlich, zappelte, ward groß.
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|
_Faust._
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Du hast gewiß das reinste Glück empfunden.
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|
_Margarete._
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Doch auch gewiß gar manche schwere Stunden.
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Des Kleinen Wiege stand zu Nacht
|
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An meinem Bett', es durfte kaum sich regen,
|
|
War ich erwacht;
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Bald mußt' ich's tränken, bald es zu mir legen,
|
|
Bald, wenn's nicht schwieg, vom Bett' aufstehn,
|
|
Und tänzelnd in der Kammer auf und nieder gehn,
|
|
Und früh am Tage schon am Waschtrog stehn;
|
|
Dann auf dem Markt und an dem Herde sorgen,
|
|
Und immer fort wie heut so morgen.
|
|
Da geht's, mein Herr, nicht immer muthig zu;
|
|
Doch schmeckt dafür das Essen, schmeckt die Ruh.
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|
|
(Gehn vorüber.)
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|
_Marthe._
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Die armen Weiber sind doch übel dran:
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Ein Hagestolz ist schwerlich zu bekehren.
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|
_Mephistopheles._
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|
Es käme nur auf eures gleichen an,
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|
Mich eines bessern zu belehren.
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|
_Marthe._
|
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|
Sagt g'rad', mein Herr, habt ihr noch nichts gefunden?
|
|
Hat sich das Herz nicht irgendwo gebunden?
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|
_Mephistopheles._
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|
Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd,
|
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Ein braves Weib, sind Gold und Perlen werth.
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|
_Marthe._
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Ich meine, ob ihr niemals Lust bekommen?
|
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|
_Mephistopheles._
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Man hat mich überall recht höflich aufgenommen.
|
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|
|
_Marthe._
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|
Ich wollte sagen: ward's nie Ernst in eurem Herzen?
|
|
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|
_Mephistopheles._
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|
Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ach, ihr versteht mich nicht!
|
|
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|
_Mephistopheles._
|
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|
Das thut mir herzlich leid!
|
|
Doch ich versteh' -- daß ihr sehr gütig seyd.
|
|
|
|
(Gehn vorüber.)
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du kanntest mich, o kleiner Engel, wieder,
|
|
Gleich als ich in den Garten kam?
|
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|
_Margarete._
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|
|
|
Saht ihr es nicht? ich schlug die Augen nieder.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Und du verzeihst die Freyheit, die ich nahm?
|
|
Was sich die Frechheit unterfangen,
|
|
Als du jüngst aus dem Dom gegangen.
|
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|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ich war bestürzt, mir war das nie geschehn;
|
|
Es konnte niemand von mir übels sagen.
|
|
Ach, dacht' ich, hat er in deinem Betragen
|
|
Was freches, unanständiges gesehn?
|
|
Es schien ihn gleich nur anzuwandeln,
|
|
Mit dieser Dirne g'rade hin zu handeln.
|
|
Gesteh' ich's doch! Ich wußte nicht was sich
|
|
Zu eurem Vortheil hier zu regen gleich begonnte;
|
|
Allein gewiß, ich war recht bös' auf mich,
|
|
Daß ich auf euch nicht böser werden konnte.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Süß Liebchen!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Laßt einmal!
|
|
|
|
(Sie pflückt eine Sternblume und zupft die Blätter ab, eins nach dem
|
|
andern.)
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was soll das? Einen Strauß?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Nein, es soll nur ein Spiel.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wie?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Geht! ihr lacht mich aus.
|
|
|
|
(Sie rupft und murmelt.)
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was murmelst du?
|
|
|
|
_Margarete_ halb laut.
|
|
|
|
Er liebt mich -- liebt mich nicht.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du holdes Himmels-Angesicht!
|
|
|
|
_Margarete_ fährt fort.
|
|
|
|
Liebt mich -- Nicht -- Liebt mich -- Nicht --
|
|
|
|
(Das lezte[letzte] Blatt ausrupfend, mit holder Freude.)
|
|
|
|
Er liebt mich!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ja, mein Kind! Laß dieses Blumenwort
|
|
Dir Götter-Ausspruch seyn. Er liebt dich!
|
|
Verstehst du, was das heißt? Er liebt dich!
|
|
|
|
(Er faßt ihre beyden Hände.)
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Mich überläuft's!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
O schaudre nicht! Laß diesen Blick,
|
|
Laß diesen Händedruck dir sagen,
|
|
Was unaussprechlich ist:
|
|
Sich hinzugeben ganz und eine Wonne
|
|
Zu fühlen, die ewig seyn muß!
|
|
Ewig! -- Ihr Ende würde Verzweiflung seyn.
|
|
Nein, kein Ende! Kein Ende!
|
|
|
|
_Margarete_
|
|
|
|
(drückt ihm die Hände, macht sich los und läuft weg. Er steht einen
|
|
Augenblick in Gedanken, dann folgt er ihr.)
|
|
|
|
_Marthe_ kommend.
|
|
|
|
Die Nacht bricht an.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ja, und wir wollen fort.
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ich bät' euch länger hier zu bleiben,
|
|
Allein es ist ein gar zu böser Ort.
|
|
Es ist als hätte niemand nichts zu treiben
|
|
Und nichts zu schaffen,
|
|
Als auf des Nachbarn Schritt und Tritt zu gaffen,
|
|
Und man kommt in's Gered', wie man sich immer stellt.
|
|
Und unser Pärchen?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ist den Gang dort aufgeflogen.
|
|
Muthwill'ge Sommervögel!
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Er scheint ihr gewogen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Und sie ihm auch. Das ist der Lauf der Welt.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Ein Gartenhäuschen._
|
|
|
|
|
|
_Margarete_ springt herein, steckt sich hinter die Thür, hält die
|
|
Fingerspitze an die Lippen, und guckt durch die Ritze.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Er kommt!
|
|
|
|
_Faust_ kommt.
|
|
|
|
Ach Schelm, so neckst du mich!
|
|
Treff' ich dich!
|
|
|
|
(Er küßt sie.)
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
(ihn fassend und den Kuß zurück gebend.)
|
|
|
|
Bester Mann! von Herzen lieb' ich dich!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ klopft an.
|
|
|
|
_Faust_ stampfend.
|
|
|
|
Wer da?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gut Freund!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ein Thier!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Es ist wohl Zeit zu scheiden.
|
|
|
|
_Marthe_ kommt.
|
|
|
|
Ja, es ist spät, mein Herr.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Darf ich euch nicht geleiten?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Die Mutter würde mich -- Lebt wohl!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Muß ich denn gehn?
|
|
Lebt wohl!
|
|
|
|
_Marthe._
|
|
|
|
Ade!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Auf baldig Wiedersehn!
|
|
|
|
(Faust und Mephistopheles ab.)
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Du lieber Gott! was so ein Mann
|
|
Nicht alles alles denken kann!
|
|
Beschämt nur steh' ich vor ihm da,
|
|
Und sag' zu allen Sachen ja.
|
|
Bin doch ein arm unwissend Kind,
|
|
Begreife nicht was er an mir find't.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Wald und Höhle._
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|
|
|
_Faust_ allein.
|
|
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|
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
|
|
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
|
|
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
|
|
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
|
|
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
|
|
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
|
|
Vergönnest mir in ihre tiefe Brust,
|
|
Wie in den Busen eines Freund's, zu schauen.
|
|
Du führst die Reihe der Lebendigen
|
|
Vor mir vorbey, und lehrst mich meine Brüder
|
|
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
|
|
Und wenn der Sturm im Walde braus't und knarrt,
|
|
Die Riesenfichte, stürzend, Nachbaräste
|
|
Und Nachbarstämme, quetschend, nieder streift,
|
|
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert;
|
|
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
|
|
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
|
|
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
|
|
Und steigt vor meinem Blick der reine Mond
|
|
Besänftigend herüber; schweben mir
|
|
Von Felsenwänden, aus dem feuchten Busch,
|
|
Der Vorwelt silberne Gestalten auf,
|
|
Und lindern der Betrachtung strenge Lust.
|
|
|
|
O daß dem Menschen nichts Vollkomm'nes wird,
|
|
Empfind' ich nun. Du gabst zu dieser Wonne,
|
|
Die mich den Göttern nah' und näher bringt,
|
|
Mir den Gefährten, den ich schon nicht mehr
|
|
Entbehren kann, wenn er gleich, kalt und frech,
|
|
Mich vor mir selbst erniedrigt, und zu Nichts,
|
|
Mit einem Worthauch, deine Gaben wandelt.
|
|
Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer
|
|
Nach jenem schönen Bild geschäftig an.
|
|
So tauml' ich von Begierde zu Genuß,
|
|
Und im Genuß verschmacht' ich nach Begierde.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ tritt auf.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Habt ihr nun bald das Leben g'nug geführt?
|
|
Wie kann's euch in die Länge freuen?
|
|
Es ist wohl gut, daß man's einmal probirt;
|
|
Dann aber wieder zu was neuen!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ich wollt', du hättest mehr zu thun,
|
|
Als mich am guten Tag zu plagen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun nun! ich laß' dich gerne ruhn,
|
|
Du darfst mir's nicht im Ernste sagen.
|
|
An dir Gesellen unhold, barsch und toll,
|
|
Ist wahrlich wenig zu verlieren.
|
|
Den ganzen Tag hat man die Hände voll!
|
|
Was ihm gefällt und was man lassen soll,
|
|
Kann man dem Herrn nie an der Nase spüren.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Das ist so just der rechte Ton!
|
|
Er will noch Dank, daß er mich ennüyirt.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wie hätt'st du, armer Erdensohn,
|
|
Dein Leben ohne mich geführt?
|
|
Vom Kribskrabs der Imagination
|
|
Hab' ich dich doch auf Zeiten lang curirt;
|
|
Und wär' ich nicht, so wär'st du schon
|
|
Von diesem Erdball abspazirt.
|
|
Was hast du da in Höhlen, Felsenritzen
|
|
Dich wie ein Schuhu zu versitzen?
|
|
Was schlurfst aus dumpfem Moos und triefendem Gestein,
|
|
Wie eine Kröte, Nahrung ein?
|
|
Ein schöner, süßer Zeitvertreib!
|
|
Dir steckt der Doctor noch im Leib.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Verstehst du, was für neue Lebenskraft
|
|
Mir dieser Wandel in der Oede schafft?
|
|
Ja, würdest du es ahnden können,
|
|
Du wärest Teufel g'nug mein Glück mir nicht zu gönnen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ein überirdisches Vergnügen!
|
|
In Nacht und Thau auf den Gebirgen liegen,
|
|
Und Erd und Himmel wonniglich umfassen,
|
|
Zu einer Gottheit sich aufschwellen lassen,
|
|
Der Erde Mark mit Ahndungsdrang durchwühlen,
|
|
Alle sechs Tagewerk' im Busen fühlen,
|
|
In stolzer Kraft ich weiß nicht was genießen,
|
|
Bald liebewonniglich in alles überfließen,
|
|
Verschwunden ganz der Erdensohn,
|
|
Und dann die hohe Intuition --
|
|
|
|
(Mit einer Geberde.)
|
|
|
|
Ich darf nicht sagen wie -- zu schließen.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Pfuy über dich!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Das will euch nicht behagen;
|
|
Ihr habt das Recht gesittet pfuy zu sagen.
|
|
Man darf das nicht vor keuschen Ohren nennen,
|
|
Was keusche Herzen nicht entbehren können.
|
|
Und kurz und gut, ich gönn' Ihm das Vergnügen,
|
|
Gelegentlich sich etwas vorzulügen;
|
|
Doch lange hält Er das nicht aus.
|
|
Du bist schon wieder abgetrieben,
|
|
Und, währt es länger, aufgerieben
|
|
In Tollheit oder Angst und Graus.
|
|
Genug damit! dein Liebchen sitzt dadrinne,
|
|
Und alles wird ihr eng' und trüb'.
|
|
Du kommst ihr gar nicht aus dem Sinne,
|
|
Sie hat dich übermächtig lieb.
|
|
Erst kam deine Liebeswuth übergeflossen,
|
|
Wie vom geschmolznen Schnee ein Bächlein übersteigt;
|
|
Du hast sie ihr in's Herz gegossen,
|
|
Nun ist dein Bächlein wieder seicht.
|
|
Mich dünkt, anstatt in Wäldern zu thronen,
|
|
Ließ es dem großen Herren gut,
|
|
Das arme affenjunge Blut
|
|
Für seine Liebe zu belohnen.
|
|
Die Zeit wird ihr erbärmlich lang;
|
|
Sie steht am Fenster, sieht die Wolken ziehn
|
|
Ueber die alte Stadtmauer hin.
|
|
Wenn ich ein Vöglein wär'! so geht ihr Gesang
|
|
Tagelang, halbe Nächte lang.
|
|
Einmal ist sie munter, meist betrübt,
|
|
Einmal recht ausgeweint,
|
|
Dann wieder ruhig, wie's scheint,
|
|
Und immer verliebt.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Schlange! Schlange!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ für sich.
|
|
|
|
Gelt! daß ich dich fange!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Verruchter! hebe dich von hinnen,
|
|
Und nenne nicht das schöne Weib!
|
|
Bring' die Begier zu ihrem süßen Leib
|
|
Nicht wieder vor die halb verrückten Sinnen!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Was soll es denn? Sie meint, du seyst entfloh'n,
|
|
Und halb und halb bist du es schon.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ich bin ihr nah', und wär' ich noch so fern,
|
|
Ich kann sie nie vergessen, nie verlieren;
|
|
Ja, ich beneide schon den Leib des Herrn,
|
|
Wenn ihre Lippen ihn indeß berühren.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gar wohl, mein Freund! Ich hab' euch oft beneidet
|
|
Um's Zwillingspaar, das unter Rosen weidet.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Entfliehe, Kuppler!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Schön! Ihr schimpft und ich muß lachen.
|
|
Der Gott, der Bub' und Mädchen schuf,
|
|
Erkannte gleich den edelsten Beruf,
|
|
Auch selbst Gelegenheit zu machen.
|
|
Nur fort, es ist ein großer Jammer!
|
|
Ihr sollt in eures Liebchens Kammer,
|
|
Nicht etwa in den Tod.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was ist die Himmelsfreud' in ihren Armen?
|
|
Laß mich an ihrer Brust erwarmen!
|
|
Fühl' ich nicht immer ihre Noth?
|
|
Bin ich der Flüchtling nicht? der Unbehaus'te?
|
|
Der Unmensch ohne Zweck und Ruh?
|
|
Der wie ein Wassersturz von Fels zu Felsen braus'te
|
|
Begierig wüthend nach dem Abgrund zu.
|
|
Und seitwärts sie, mit kindlich dumpfen Sinnen,
|
|
Im Hüttchen auf dem kleinen Alpenfeld,
|
|
Und all ihr häusliches Beginnen
|
|
Umfangen in der kleinen Welt.
|
|
Und ich, der Gottverhaßte, hatte nicht genug,
|
|
Daß ich die Felsen faßte
|
|
Und sie zu Trümmern schlug!
|
|
Sie, ihren Frieden mußt' ich untergraben!
|
|
Du, Hölle, mußtest dieses Opfer haben!
|
|
Hilf, Teufel, mir die Zeit der Angst verkürzen,
|
|
Was muß geschehn, mag's gleich geschehn!
|
|
Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen
|
|
Und sie mit mir zu Grunde gehn!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Wie's wieder siedet, wieder glüht!
|
|
Geh' ein und tröste sie, du Thor!
|
|
Wo so ein Köpfchen keinen Ausgang sieht,
|
|
Stellt er sich gleich das Ende vor.
|
|
Es lebe wer sich tapfer hält!
|
|
Du bist doch sonst so ziemlich eingeteufelt.
|
|
Nichts abgeschmackters find' ich auf der Welt,
|
|
Als einen Teufel der verzweifelt.
|
|
|
|
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|
|
|
|
_Gretchens Stube._
|
|
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|
|
_Gretchen_
|
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|
am Spinnrade allein.
|
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|
Meine Ruh' ist hin,
|
|
Mein Herz ist schwer,
|
|
Ich finde sie nimmer
|
|
Und nimmermehr.
|
|
|
|
Wo ich ihn nicht hab'
|
|
Ist mir das Grab,
|
|
Die ganze Welt
|
|
Ist mir vergällt.
|
|
|
|
Mein armer Kopf
|
|
Ist mir verrückt,
|
|
Mein armer Sinn
|
|
Ist mir zerstückt.
|
|
|
|
Meine Ruh' ist hin,
|
|
Mein Herz ist schwer,
|
|
Ich finde sie nimmer
|
|
Und nimmermehr.
|
|
|
|
Nach ihm nur schau' ich
|
|
Zum Fenster hinaus,
|
|
Nach ihm nur geh' ich
|
|
Aus dem Haus.
|
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|
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Sein hoher Gang,
|
|
Sein' edle Gestalt,
|
|
Seines Mundes Lächeln,
|
|
Seiner Augen Gewalt,
|
|
|
|
Und seiner Rede
|
|
Zauberfluß,
|
|
Sein Händedruck,
|
|
Und ach sein Kuß!
|
|
|
|
Meine Ruh' ist hin,
|
|
Mein Herz ist schwer,
|
|
Ich finde sie nimmer
|
|
Und nimmermehr.
|
|
|
|
Mein Busen drängt
|
|
Sich nach ihm hin,
|
|
Ach dürft' ich fassen
|
|
Und halten ihn!
|
|
Und küssen ihn
|
|
So wie ich wollt',
|
|
An seinen Küssen
|
|
Vergehen sollt'!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Marthens Garten._
|
|
|
|
|
|
_Margarete. Faust._
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Versprich mir, Heinrich!
|
|
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_Faust._
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Was ich kann!
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_Margarete._
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Nun sag', wie hast du's mit der Religion?
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Du bist ein herzlich guter Mann,
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Allein ich glaub', du hält'st nicht viel davon.
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_Faust._
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Laß das, mein Kind! du fühlst, ich bin dir gut;
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Für meine Lieben ließ' ich Leib und Blut,
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Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.
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_Margarete._
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Das ist nicht recht, man muß d'ran glauben!
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_Faust._
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Muß man?
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_Margarete._
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Ach! wenn ich etwas auf dich könnte!
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Du ehrst auch nicht die heil'gen Sacramente.
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_Faust._
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Ich ehre sie.
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_Margarete._
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Doch ohne Verlangen.
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Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
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Glaubst du an Gott?
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_Faust._
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Mein Liebchen, wer darf sagen,
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Ich glaub' an Gott?
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Magst Priester oder Weise fragen,
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Und ihre Antwort scheint nur Spott
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Ueber den Frager zu seyn.
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_Margarete._
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So glaubst du nicht?
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|
_Faust._
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Mißhör' mich nicht, du holdes Angesicht!
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Wer darf ihn nennen?
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Und wer bekennen:
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Ich glaub' ihn.
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Wer empfinden?
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Und sich unterwinden
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Zu sagen: ich glaub' ihn nicht.
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Der Allumfasser,
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Der Allerhalter,
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Faßt und erhält er nicht
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Dich, mich, sich selbst?
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Wölbt sich der Himmel nicht dadroben?
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Liegt die Erde nicht hierunten fest?
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Und steigen freundlich blickend
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Ewige Sterne nicht herauf?
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Schau' ich nicht Aug' in Auge dir,
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Und drängt nicht alles
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Nach Haupt und Herzen dir,
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Und webt in ewigem Geheimniß
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Unsichtbar sichtbar neben dir?
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Erfüll' davon dein Herz, so groß es ist,
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Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
|
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Nenn' es dann wie du willst,
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Nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott!
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Ich habe keinen Nahmen
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Dafür! Gefühl ist alles;
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Name ist Schall und Rauch,
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Umnebelnd Himmelsgluth.
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|
_Margarete._
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|
Das ist alles recht schön und gut;
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Ungefähr sagt das der Pfarrer auch,
|
|
Nur mit ein Bißchen andern Worten.
|
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|
_Faust._
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Es sagen's aller Orten
|
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Alle Herzen unter dem himmlischen Tage,
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Jedes in seiner Sprache;
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Warum nicht ich in der meinen?
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|
_Margarete._
|
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|
Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen,
|
|
Steht aber doch immer schief darum;
|
|
Denn du hast kein Christenthum.
|
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|
_Faust._
|
|
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|
Lieb's Kind!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Es thut mir lang' schon weh,
|
|
Daß ich dich in der Gesellschaft seh'.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wie so?
|
|
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|
_Margarete._
|
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|
Der Mensch, den du da bey dir hast,
|
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Ist mir in tiefer inn'rer Seele verhaßt:
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|
Es hat mir in meinem Leben
|
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So nichts einen Stich in's Herz gegeben,
|
|
Als des Menschen widrig Gesicht.
|
|
|
|
_Faust._
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|
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|
Liebe Puppe, fürcht' ihn nicht!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Seine Gegenwart bewegt mir das Blut.
|
|
Ich bin sonst allen Menschen gut;
|
|
Aber, wie ich mich sehne dich zu schauen,
|
|
Hab' ich vor dem Menschen ein heimlich Grauen,
|
|
Und halt' ihn für einen Schelm dazu!
|
|
Gott verzeih' mir's, wenn ich ihm Unrecht thu'!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Es muß auch solche Käuze geben.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Wollte nicht mit seines Gleichen leben!
|
|
Kommt er einmal zur Thür herein,
|
|
Sieht er immer so spöttisch drein,
|
|
Und halb ergrimmt;
|
|
Man sieht, daß er an nichts keinen Antheil nimmt;
|
|
Es steht ihm an der Stirn' geschrieben,
|
|
Daß er nicht mag eine Seele lieben.
|
|
Mir wird's so wohl in deinem Arm,
|
|
So frey, so hingegeben warm,
|
|
Und seine Gegenwart schnürt mir das Inn're zu.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du ahndungsvoller Engel du!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Das übermannt mich so sehr,
|
|
Daß, wo er nur mag zu uns treten,
|
|
Meyn' ich sogar, ich liebte dich nicht mehr.
|
|
Auch wenn er da ist, könnt' ich nimmer beten,
|
|
Und das frißt mir in's Herz hinein;
|
|
Dir, Heinrich, muß es auch so seyn.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du hast nun die Antipathie!
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ich muß nun fort.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Ach kann ich nie
|
|
Ein Stündchen ruhig dir am Busen hängen,
|
|
Und Brust an Brust und Seel' in Seele drängen?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Ach wenn ich nur alleine schlief!
|
|
Ich ließ dir gern heut Nacht den Riegel offen;
|
|
Doch meine Mutter schläft nicht tief,
|
|
Und würden wir von ihr betroffen,
|
|
Ich wär' gleich auf der Stelle todt!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du Engel, das hat keine Noth.
|
|
Hier ist ein Fläschchen! Drey Tropfen nur
|
|
In ihren Trank umhüllen
|
|
Mit tiefem Schlaf gefällig die Natur.
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Was thu' ich nicht um deinetwillen?
|
|
Es wird ihr hoffentlich nicht schaden!
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Würd' ich sonst, Liebchen, dir es rathen?
|
|
|
|
_Margarete._
|
|
|
|
Seh' ich dich, bester Mann, nur an,
|
|
Weiß nicht was mich nach deinem Willen treibt,
|
|
Ich habe schon so viel für dich gethan,
|
|
Daß mir zu thun fast nichts mehr übrig bleibt.
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Mephistopheles_ tritt auf.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Der Grasaff'! ist er weg?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hast wieder spionirt?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich hab's ausführlich wohl vernommen.
|
|
Herr Doctor wurden da katechisirt;
|
|
Hoff' es soll Ihnen wohl bekommen.
|
|
Die Mädels sind doch sehr interessirt,
|
|
Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
|
|
Sie denken, duckt er da, folgt er uns eben auch.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du Ungeheuer siehst nicht ein,
|
|
Wie diese treue liebe Seele
|
|
Von ihrem Glauben voll,
|
|
Der ganz allein
|
|
Ihr selig machend ist, sich heilig quäle,
|
|
Daß sie den liebsten Mann verloren halten soll.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Du übersinnlicher, sinnlicher Freyer,
|
|
Ein Mägdelein nasführet dich.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du Spottgeburt von Dreck und Feuer!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Und die Physiognomie versteht sie meisterlich.
|
|
In meiner Gegenwart wird's ihr sie weiß nicht wie,
|
|
Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn;
|
|
Sie fühlt, daß ich ganz sicher ein Genie,
|
|
Vielleicht wohl gar der Teufel bin.
|
|
Nun heute Nacht --?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Was geht dich's an?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Hab' ich doch meine Freude d'ran!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Am Brunnen._
|
|
|
|
|
|
_Gretchen_ und _Lieschen._
|
|
|
|
(mit Krügen.)
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Hast nichts von Bärbelchen gehört?
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Kein Wort. Ich komm' gar wenig unter Leute.
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Gewiß, Sibylle sagt' mir's heute!
|
|
Die hat sich endlich auch bethört.
|
|
Das ist das Vornehmthun!
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Wie so?
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Es stinkt!
|
|
Sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt.
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Ach!
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
So ist's ihr endlich recht ergangen.
|
|
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
|
|
Das war ein Spaziren,
|
|
Auf Dorf und Tanzplatz Führen,
|
|
Mußt' überall die erste seyn,
|
|
Curtesirt' ihr immer mit Pastetchen und Wein;
|
|
Bild't sich was auf ihre Schönheit ein,
|
|
War doch so ehrlos sich nicht zu schämen
|
|
Geschenke von ihm anzunehmen.
|
|
War ein Gekos' und ein Geschleck';
|
|
Da ist denn auch das Blümchen weg[!]
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Das arme Ding!
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Bedauerst sie noch gar!
|
|
Wenn unser eins am Spinnen war,
|
|
Uns Nachts die Mutter nicht hinunterließ;
|
|
Stand sie bey ihrem Buhlen süß,
|
|
Auf der Thürbank und im dunkeln Gang
|
|
Ward' ihnen keine Stunde zu lang.
|
|
Da mag sie denn sich ducken nun,
|
|
Im Sünderhemdchen Kirchbuß' thun!
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Er nimmt sie gewiß zu seiner Frau.
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Er wär' ein Narr! Ein flinker Jung'
|
|
Hat anderwärts noch Luft genung.
|
|
Er ist auch fort.
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Das ist nicht schön!
|
|
|
|
_Lieschen._
|
|
|
|
Kriegt sie ihn, soll's ihr übel gehn.
|
|
Das Kränzel reißen die Buben ihr,
|
|
Und Häckerling streuen wir vor die Thür!
|
|
|
|
(ab.)
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
(nach Hause gehend.)
|
|
|
|
Wie konnt' ich sonst so tapfer schmählen,
|
|
Sah ich ein armes Mägdlein fehlen!
|
|
Wie konnt' ich über andrer Sünden
|
|
Nicht Worte g'nug der Zunge finden!
|
|
Wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar,
|
|
Mir's immer doch nicht schwarz g'nug war,
|
|
Und segnet' mich und that so groß,
|
|
Und bin nun selbst der Sünde bloß!
|
|
Doch -- alles was dazu mich trieb,
|
|
Gott! war so gut! ach war so lieb!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Zwinger._
|
|
|
|
|
|
In der Mauerhöhle ein Andachtsbild der #Mater dolorosa,# Blumenkrüge
|
|
davor.
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|
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|
_Gretchen._
|
|
|
|
(steckt frische Blumen in die Krüge.)
|
|
|
|
Ach neige,
|
|
Du Schmerzenreiche,
|
|
Dein Antlitz gnädig meiner Noth!
|
|
|
|
Das Schwert im Herzen,
|
|
Mit tausend Schmerzen
|
|
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
|
|
|
|
Zum Vater blickst du,
|
|
Und Seufzer schickst du
|
|
Hinauf um sein' und deine Noth.
|
|
|
|
Wer fühlet,
|
|
Wie wühlet
|
|
Der Schmerz mir im Gebein?
|
|
Was mein armes Herz hier banget,
|
|
Was es zittert, was verlanget,
|
|
Weißt nur du, nur du allein!
|
|
|
|
Wohin ich immer gehe,
|
|
Wie weh, wie weh, wie wehe
|
|
Wird mir im Busen hier!
|
|
Ich bin ach kaum alleine,
|
|
Ich wein', ich wein', ich weine,
|
|
Das Herz zerbricht in mir.
|
|
|
|
Die Scherben vor meinem Fenster
|
|
Bethaut' ich mit Thränen, ach!
|
|
Als ich am frühen Morgen
|
|
Dir diese Blumen brach.
|
|
|
|
Schien hell in meine Kammer
|
|
Die Sonne früh herauf,
|
|
Saß ich in allem Jammer
|
|
In meinem Bett' schon auf.
|
|
|
|
Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
|
|
Ach neige,
|
|
Du Schmerzenreiche,
|
|
Dein Antlitz gnädig meiner Noth!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
_Nacht._
|
|
|
|
|
|
_Straße vor Gretchens Thüre._
|
|
|
|
_Valentin_ Soldat, Gretchens Bruder.
|
|
|
|
Wenn ich saß bey einem Gelag,
|
|
Wo mancher sich berühmen mag,
|
|
Und die Gesellen mir den Flor
|
|
Der Mägdlein laut gepriesen vor,
|
|
Mit vollem Glas das Lob verschwemmt,
|
|
Den Ellenbogen aufgestemmt;
|
|
Saß ich in meiner sichern Ruh
|
|
Hört' all' dem Schwadroniren zu.
|
|
Und streiche lächelnd meinen Bart,
|
|
Und kriege das volle Glas zur Hand
|
|
Und sage: alles nach seiner Art!
|
|
Aber ist eine im ganzen Land,
|
|
Die meiner trauten Gretel gleicht,
|
|
Die meiner Schwester das Wasser reicht?
|
|
Top! Top! Kling! Klang! das ging herum!
|
|
Die einen schrieen: er hat Recht,
|
|
Sie ist die Zier vom ganzen Geschlecht!
|
|
Da saßen alle die Lober stumm.
|
|
Und nun! -- um's Haar sich auszuraufen
|
|
Und an den Wänden hinauf zu laufen! --
|
|
Mit Stichelreden, Naserümpfen
|
|
Soll jeder Schurke mich beschimpfen!
|
|
Soll wie ein böser Schuldner sitzen,
|
|
Bey jedem Zufallswörtchen schwitzen!
|
|
Und möcht' ich sie zusammenschmeißen;
|
|
Könnt' ich sie doch nicht Lügner heißen.
|
|
|
|
Was kommt heran? Was schleicht herbey?
|
|
Irr' ich nicht, es sind ihrer zwey.
|
|
Ist er's, gleich pack' ich ihn beym Felle,
|
|
Soll nicht lebendig von der Stelle!
|
|
|
|
_Faust. Mephistopheles._
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Wie von dem Fenster dort der Sakristey
|
|
Aufwärts der Schein des ewigen Lämpchens flämmert
|
|
Und schwach und schwächer seitwärts dämmert,
|
|
Und Finsterniß drängt ringsum bey!
|
|
So sieht's in meinem Busen nächtig.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Und mir ist's wie dem Kätzlein schmächtig,
|
|
Das an den Feuerleitern schleicht,
|
|
Sich leis' dann um die Mauern streicht.
|
|
Mir ist's ganz tugendlich dabey,
|
|
Ein Bißchen Diebsgelüst, ein Bißchen Rammeley.
|
|
So spukt mir schon durch alle Glieder
|
|
Die herrliche Walpurgisnacht.
|
|
Die kommt uns übermorgen wieder,
|
|
Da weiß man doch warum man wacht.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Rückt wohl der Schatz indessen in die Höh'?
|
|
Den ich dorthinten flimmern seh'.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Du kannst die Freude bald erleben,
|
|
Das Kesselchen herauszuheben.
|
|
Ich schielte neulich so hinein,
|
|
Sind herrliche Löwenthaler drein.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Nicht ein Geschmeide? Nicht ein Ring?
|
|
Meine liebe Buhle damit zu zieren.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Ich sah dabey wohl so ein Ding,
|
|
Als wie eine Art von Perlenschnüren.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
So ist es recht! Mir thut es weh,
|
|
Wenn ich ohne Geschenke zu ihr geh'.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Es sollt' euch eben nicht verdrießen
|
|
Umsonst auch etwas zu genießen.
|
|
Jetzt da der Himmel voller Sterne glüht,
|
|
Sollt ihr ein wahres Kunststück hören:
|
|
Ich sing' ihr ein moralisch Lied,
|
|
Um sie gewisser zu bethören.
|
|
|
|
(Singt zur Zither.)
|
|
|
|
Was machst du mir
|
|
Vor Liebchens Thür
|
|
Cathrinchen hier
|
|
Bey frühem Tagesblicke?
|
|
Laß, laß es seyn!
|
|
Er läßt dich ein
|
|
Als Mädchen ein,
|
|
Als Mädchen nicht zurücke.
|
|
|
|
Nehmt euch in Acht!
|
|
Ist es vollbracht,
|
|
Dann gute Nacht
|
|
Ihr armen, armen Dinger!
|
|
Habt ihr euch lieb,
|
|
Thut keinem Dieb
|
|
Nur nichts zu Lieb',
|
|
Als mit dem Ring am Finger.
|
|
|
|
_Valentin_ tritt vor.
|
|
|
|
Wen lockst du hier? beym Element!
|
|
Vermaledeyter Rattenfänger!
|
|
Zum Teufel erst das Instrument!
|
|
Zum Teufel hinter drein den Sänger!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Die Zither ist entzwey! an der ist nichts zu halten.
|
|
|
|
_Valentin._
|
|
|
|
Nun soll es an ein Schedelspalten!
|
|
|
|
_Mephistopheles_ zu Faust.
|
|
|
|
Herr Doctor nicht gewichen! Frisch!
|
|
Hart an mich an, wie ich euch führe.
|
|
Heraus mit eurem Flederwisch!
|
|
Nur zugestoßen! ich parire.
|
|
|
|
_Valentin._
|
|
|
|
Parire den!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Warum denn nicht?
|
|
|
|
_Valentin._
|
|
|
|
Auch den!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Gewiß!
|
|
|
|
_Valentin._
|
|
|
|
Ich glaub' der Teufel ficht!
|
|
Was ist denn das? Schon wird die Hand mir lahm.
|
|
|
|
_Mephistopheles_ zu Faust.
|
|
|
|
Stoß zu!
|
|
|
|
_Valentin_ fällt.
|
|
|
|
O weh!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun ist der Lümmel zahm!
|
|
Nun aber fort! Wir müssen gleich verschwinden:
|
|
Denn schon entsteht ein mörderlich Geschrey.
|
|
Ich weiß mich trefflich mit der Polizey,
|
|
Doch mit dem Blutbann schlecht mich abzufinden.
|
|
|
|
_Marthe_ am Fenster.
|
|
|
|
Heraus! Heraus!
|
|
|
|
_Gretchen_ am Fenster.
|
|
|
|
Herbey ein Licht!
|
|
|
|
_Marthe_ wie oben.
|
|
|
|
Man schilt und rauft, man schreit und ficht.
|
|
|
|
Volk.
|
|
|
|
Da liegt schon einer todt!
|
|
|
|
_Marthe_ heraustretend.
|
|
|
|
Die Mörder sind sie denn entflohn?
|
|
|
|
_Gretchen_ heraustretend.
|
|
|
|
Wer liegt hier?
|
|
|
|
_Volk._
|
|
|
|
Deiner Mutter Sohn.
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
|
Allmächtiger! welche Noth!
|
|
|
|
_Valentin._
|
|
|
|
Ich sterbe! das ist bald gesagt
|
|
Und bälder noch gethan.
|
|
Was steht ihr Weiber, heult und klagt?
|
|
Kommt her und hört mich an!
|
|
|
|
(Alle treten um ihn.)
|
|
|
|
Mein Gretchen sieh! du bist noch jung,
|
|
Bist gar noch nicht gescheidt genung,
|
|
Machst deine Sachen schlecht.
|
|
Ich sag' dir's im Vertrauen nur:
|
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Du bist doch nun einmal eine Hur';
|
|
So sey's auch eben recht.
|
|
|
|
_Gretchen._
|
|
|
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Mein Bruder! Gott! Was soll mir das?
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_Valentin._
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Laßt unsern Herr Gott aus dem Spaß.
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Geschehn ist leider nun geschehn,
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Und wie es gehn kann, so wird's gehn.
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Du fingst mit Einem heimlich an,
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Bald kommen ihrer mehre dran,
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Und wenn dich erst ein Dutzend hat,
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So hat dich auch die ganze Stadt.
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Wenn erst die Schande wird geboren,
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Wird sie heimlich zur Welt gebracht,
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Und man zieht den Schleyer der Nacht
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Ihr über Kopf und Ohren;
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Ja, man möchte sie gern ermorden.
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Wächst sie aber und macht sich groß,
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Dann geht sie auch bey Tage bloß,
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Und ist doch nicht schöner geworden.
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Je häßlicher wird ihr Gesicht,
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Je mehr sucht sie des Tageslicht.
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Ich seh' wahrhaftig schon die Zeit
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Daß alle brave Bürgersleut'
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Wie von einer angesteckten Leichen
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Von dir, du Metze! seitab weichen.
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Dir soll das Herz im Leib verzagen!
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Wenn sie dir in die Augen sehn.
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Sollst keine goldne Kette mehr tragen!
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In der Kirche nicht mehr am Altar stehn
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In einem schönen Spitzenkragen
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Dich nicht beym Tanze wohlbehagen!
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In eine finstre Jammerecken
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Unter Bettler und Krüpel dich verstecken,
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Und wenn dir denn auch Gott verzeiht,
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Auf Erden seyn vermaledeyt!
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_Marthe._
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Befehlt eure Seele Gott zu Gnaden!
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Wollt ihr noch Lästrung auf euch laden?
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_Valentin._
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Könnt' ich dir nur an den dürren Leib
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Du schändlich kupplerisches Weib!
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Da hofft' ich aller meiner Sünden
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Vergebung reiche Maß zu finden.
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_Gretchen._
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Mein Bruder! Welche Höllenpein!
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_Valentin._
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Ich sage, laß die Thränen seyn!
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Da du dich sprachst der Ehre los,
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Gabst mir den schwersten Herzensstoß.
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Ich gehe durch den Todesschlaf
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Zu Gott ein als Soldat und brav.
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(stirbt.)
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_Dom._
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_Amt, Orgel und Gesang._
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_Gretchen_ unter vielem Volke. _Böser Geist_ hinter Gretchen.
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_Böser Geist._
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Wie anders, Gretchen, war dir's,
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Als du noch voll Unschuld
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Hier zum Altar trat'st,
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Aus dem vergriffnen Büchelchen
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Gebete lalltest,
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Halb Kinderspiele,
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Halb Gott im Herzen
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Gretchen!
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Wo steht dein Kopf?
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In deinem Herzen,
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Welche Missethat?
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Bet'st du für deiner Mutter Seele? die
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Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief.
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Auf deiner Schwelle wessen Blut?
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-- Und unter deinem Herzen
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Regt sich's nicht quillend schon,
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Und ängstet dich und sich
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Mit ahndungsvoller Gegenwart?
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_Gretchen._
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Weh! Weh!
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Wär' ich der Gedanken los,
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Die mir herüber und hinüber gehen
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Wider mich!
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_Chor._
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#Dies irae, dies illa
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Solvet saeclum in favilla.#
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(Orgelton.)
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_Böser Geist._
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Grimm faßt dich!
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Die Posaune tönt!
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Die Gräber beben!
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Und dein Herz,
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Aus Aschenruh'
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Zu Flammenqualen
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Wieder aufgeschaffen,
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Bebt auf!
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_Gretchen._
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Wär' ich hier weg!
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Mir ist als ob die Orgel mir
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Den Athem versetzte,
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Gesang mein Herz
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Im Tiefsten lös'te.
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_Chor._
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#Judex ergo cum sedebit,
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Quidquid latet adparebit,
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Nil inultum remanebit.#
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_Gretchen._
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Mir wird so eng'!
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Die Mauern-Pfeiler
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Befangen mich!
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Das Gewölbe
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Drängt mich! -- Luft!
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_Böser Geist._
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Verbirg' dich! Sünd' und Schande
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Bleibt' nicht verborgen.
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Luft? Licht?
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Weh dir!
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_Chor._
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#Quid sum miser tunc dicturus?
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|
Quem patronum rogaturus?
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|
Cum vix justus sit securus.#
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|
_Böser Geist._
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|
Ihr Antlitz wenden
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Verklärte von dir ab.
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|
Die Hände dir zu reichen,
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|
Schauert's den Reinen.
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|
Weh!
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|
_Chor._
|
|
|
|
#Quid sum miser tunc dicturus?#
|
|
|
|
_Gretchen._
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|
Nachbarin! Euer Fläschchen! --
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|
|
(Sie fällt in Ohnmacht.)
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|
_Walpurgisnacht._
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|
_Harzgebirg._
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_Gegend von Schirke und Elend._
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_Faust. Mephistopheles._
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|
_Mephistopheles._
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Verlangst du nicht nach einem Besenstiele?
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Ich wünschte mir den allerderbsten Bock.
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|
Auf diesem Weg sind wir noch weit vom Ziele.
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|
_Faust._
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|
So lang' ich mich noch frisch auf meinen Beinen fühle,
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|
Genügt mir dieser Knotenstock.
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|
Was hilft's daß man den Weg verkürzt! --
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|
Im Labyrinth der Thäler hinzuschleichen,
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Dann diesen Felsen zu ersteigen,
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|
Von dem der Quell sich ewig sprudelnd stürzt,
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Das ist die Lust, die solche Pfade würzt!
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Der Frühling webt schon in den Birken
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Und selbst die Fichte fühlt ihn schon,
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|
Sollt' er nicht auch auf unsre Glieder wirken?
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|
_Mephistopheles._
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|
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|
Fürwahr ich spüre nichts davon!
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Mir ist es winterlich im Leibe,
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Ich wünschte Schnee und Frost auf meiner Bahn.
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Wie traurig steigt die unvollkommne Scheibe
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Des rothen Monds mit später Gluth heran!
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Und leuchtet schlecht, daß man bey jedem Schritte,
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|
Vor einen Baum, vor einen Felsen rennt!
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|
Erlaub' daß ich ein Irrlicht bitte!
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|
Dort seh' ich eins, das eben lustig brennt.
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He da! mein Freund! darf ich dich zu uns fodern?
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Was willst du so vergebens lodern?
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Sey doch so gut und leucht' uns da hinauf!
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|
_Irrlicht._
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Aus Ehrfurcht, hoff' ich, soll es mir gelingen
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|
Mein leichtes Naturell zu zwingen,
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|
Nur Zickzack geht gewöhnlich unser Lauf.
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|
_Mephistopheles._
|
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|
Ei! Ei! er denkt's den Menschen nachzuahmen.
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|
Geh er nur g'rad', in's Teufels Nahmen!
|
|
Sonst blas' ich ihm sein Flacker-Leben aus.
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|
|
_Irrlicht._
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|
|
Ich merke wohl, ihr seyd der Herr vom Haus,
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|
Und will mich gern nach euch bequemen.
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Allein bedenkt! der Berg ist heute zaubertoll,
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Und wenn ein Irrlicht euch die Wege weisen soll,
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So müßt ihr's so genau nicht nehmen.
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|
_Faust, Mephistopheles, Irrlicht_ im Wechselgesang.
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In die Traum- und Zaubersphäre
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Sind wir, scheint es, eingegangen.
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Führ' uns gut und mach' dir Ehre!
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Daß wir vorwärts bald gelangen,
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In den weiten, öden Räumen.
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Seh' die Bäume hinter Bäumen,
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Wie sie schnell vorüber rücken,
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Und die Klippen, die sich bücken,
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Und die langen Felsennasen,
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|
Wie sie schnarchen, wie sie blasen!
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Durch die Steine, durch den Rasen
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Eilet Bach und Bächlein nieder.
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Hör' ich Rauschen? hör' ich Lieder?
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Hör' ich holde Liebesklage,
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Stimmen jener Himmelstage?
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Was wir hoffen, was wir lieben!
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Und das Echo, wie die Sage
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Alter Zeiten, hallet wieder.
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Uhu! Schuhu! tönt es näher,
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Kauz und Kibitz und der Häher,
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|
Sind sie alle wach geblieben?
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Sind das Molche durchs Gesträuche?
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Lange Beine, dicke Bäuche.
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Und die Wurzeln, wie die Schlangen,
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Winden sich aus Fels und Sande;
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Strecken wunderliche Bande,
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Uns zu schrecken, uns zu fangen;
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Aus belebten, derben Masern
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Stecken[Strecken] sie Polypenfasern
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Nach dem Wandrer. Und die Mäuse
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Tausendfärbig, schaarenweise,
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Durch das Moos und durch die Heide!
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Und die Funkenwürmer fliegen,
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|
Mit gedrängten Schwärme-Zügen,
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|
Zum verwirrenden Geleite.
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|
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|
Aber sag' mir ob wir stehen?
|
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Oder ob wir weiter gehen?
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|
Alles alles scheint zu drehen,
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Fels und Bäume, die Gesichter
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Schneiden, und die irren Lichter,
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|
Die sich mehren, die sich blähen.
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|
_Mephistopheles._
|
|
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|
Fasse wacker meinen Zipfel!
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Hier ist so ein Mittelgipfel,
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|
Wo man mit Erstaunen sieht,
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|
Wie im Berg der Mammon glüht.
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|
_Faust._
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|
|
|
Wie seltsam glimmert durch die Gründe
|
|
Ein morgenröthlich trüber Schein!
|
|
Und selbst bis in die tiefen Schlünde
|
|
Des Abgrunds wittert er hinein.
|
|
Da steigt ein Dampf, dort ziehen Schwaden,
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|
Hier leuchtet Glut aus Dunst und Flor,
|
|
Dann schleicht sie wie ein zarter Faden,
|
|
Dann bricht sie wie ein Quell hervor.
|
|
Hier schlingt sie eine ganze Strecke,
|
|
Mit hundert Adern, sich durchs Thal,
|
|
Und hier in der gedrängten Ecke
|
|
Vereinzelt sie sich auf einmal.
|
|
Da sprühen Funken in der Nähe,
|
|
Wie ausgestreuter goldner Sand.
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|
Doch schau! in ihrer ganzen Höhe
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|
Entzündet sich die Felsenwand.
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|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Erleuchtet nicht zu diesem Feste
|
|
Herr Mammon prächtig den Pallast?
|
|
Ein Glück daß du's gesehen hast;
|
|
Ich spüre schon die ungestümen Gäste.
|
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|
_Faust._
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|
|
|
Wie ras't die Windsbraut durch die Luft!
|
|
Mit welchen Schlägen trifft sie meinen Nacken!
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|
_Mephistopheles._
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Du mußt des Felsens alte Rippen packen,
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|
Sonst stürzt sie dich hinab in dieser Schlünde Gruft.
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|
Ein Nebel verdichtet die Nacht.
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Höre wie's durch die Wälder kracht!
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Aufgescheucht fliegen die Eulen.
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Hör' es splittern die Säulen
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Ewig grüner Palläste.
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Girren und Brechen der Aeste
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Der Stämme mächtiges Dröhnen!
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Der Wurzeln Knarren und Gähnen!
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Im fürchterlich verworrenen Falle
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Ueber einander krachen sie alle,
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|
Und durch die übertrümmerten Klüfte
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Zischen und heulen die Lüfte.
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|
Hörst du Stimmen in der Höhe?
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In der Ferne in der Nähe?
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|
Ja, den ganzen Berg entlang
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Strömt ein wüthender Zaubergesang.
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|
_Hexen_ im Chor.
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|
Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
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Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
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|
Dort sammelt sich der große Hauf,
|
|
Herr Urian sitzt oben auf.
|
|
So geht es über Stein und Stock
|
|
Es f--t[farzt] die Hexe, es st--t[stinckt] der Bock.
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|
_Stimme._
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|
Die alte Baubo kommt allein,
|
|
Sie reitet auf einem Mutterschwein.
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|
_Chor._
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|
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|
So Ehre dem[denn], wem Ehre gebürt!
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Frau Baubo vor! und angeführt!
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Ein tüchtig Schwein und Mutter drauf,
|
|
Da folgt der ganze Hexenhauf.
|
|
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|
_Stimme._
|
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|
Welchen Weg kommst du her?
|
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|
_Stimme._
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|
Ueber'n Ilsenstein!
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|
Da guckt' ich der Eule ins Nest hinein.
|
|
Die macht ein Paar Augen!
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|
|
_Stimme._
|
|
|
|
O fahre zur Hölle!
|
|
Was reit'st du so schnelle!
|
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|
|
_Stimme._
|
|
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Mich hat sie geschunden,
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|
Da sieh nur die Wunden!
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|
_Hexen_ Chor.
|
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Der Weg ist breit, der Weg ist lang,
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|
Was ist das für ein toller Drang?
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Die Gabel sticht, der Besen kratzt,
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|
Das Kind erstickt, die Mutter platzt.
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|
|
|
_Hexenmeister._ Halbes Chor.
|
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|
|
Wir schleichen wie die Schneck' im Haus,
|
|
Die Weiber alle sind voraus.
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|
Denn, geht es zu des Bösen Haus,
|
|
Das Weib hat tausend Schritt voraus.
|
|
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|
_Andre Hälfte._
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|
|
|
Wir nehmen das nicht so genau,
|
|
Mit tausend Schritten macht's die Frau;
|
|
Doch, wie sie auch sich eilen kann,
|
|
Mit Einem Sprunge macht's der Mann.
|
|
|
|
_Stimme_ oben.
|
|
|
|
Kommt mit, kommt mit, vom Felsensee!
|
|
|
|
_Stimmen_ von unten.
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|
Wir möchten gerne mit in die Höh'.
|
|
Wir waschen und blank sind wir ganz und gar;
|
|
Aber auch ewig unfruchtbar.
|
|
|
|
_Beyde Chöre._
|
|
|
|
Es schweigt der Wind, es flieht der Stern,
|
|
Der trübe Mond verbirgt sich gern.
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|
Im Sausen sprüht das Zauberchor
|
|
Viel tausend Feuerfunken hervor.
|
|
|
|
_Stimme_ von unten.
|
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|
Halte! Halte!
|
|
|
|
_Stimme_ von oben.
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|
Wer ruft da aus der Felsenspalte?
|
|
|
|
_Stimme_ unten.
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|
|
Nehmt mich mit! Nehmt mich mit!
|
|
Ich steige schon dreyhundert Jahr,
|
|
Und kann den Gipfel nicht erreichen.
|
|
Ich wäre gern bey meines gleichen.
|
|
|
|
_Beyde Chöre._
|
|
|
|
Es trägt der Besen, trägt der Stock,
|
|
Die Gabel trägt, es trägt der Bock,
|
|
Wer heute sich nicht heben kann,
|
|
Ist ewig ein verlorner Mann.
|
|
|
|
_Halbhexe_ unten.
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|
|
|
Ich tripple nach, so lange Zeit,
|
|
Wie sind die andern schon so weit!
|
|
Ich hab' zu Hause keine Ruh,
|
|
Und komme hier doch nicht dazu.
|
|
|
|
_Chor der Hexen._
|
|
|
|
Die Salbe giebt den Hexen Muth,
|
|
Ein Lumpen ist zum Segel gut,
|
|
Ein gutes Schiff ist jeder Trog,
|
|
Der flieget nie, der heut nicht flog.
|
|
|
|
_Beyde Chöre._
|
|
|
|
Und wenn wir um den Gipfel ziehn,
|
|
So streichet an dem Boden hin,
|
|
Und deckt die Heide weit und breit
|
|
Mit eurem Schwarm der Hexenheit.
|
|
|
|
(Sie lassen sich nieder.)
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Das drängt und stößt, das ruscht und klappert!
|
|
Das zischt und quirlt, das zieht und plappert!
|
|
Das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!
|
|
Ein wahres Hexenelement!
|
|
Nur fest an mir! sonst sind wir gleich getrennt.
|
|
Wo bist du?
|
|
|
|
_Faust_ in der Ferne.
|
|
|
|
Hier!
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|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Was! dort schon hingerissen?
|
|
Da werd' ich Hausrecht brauchen müssen.
|
|
Platz! Junker Voland kommt. Platz! süßer Pöbel, Platz!
|
|
Hier, Doctor, fasse mich! und nun, in Einem Satz,
|
|
Laß uns aus dem Gedräng' entweichen;
|
|
Es ist zu toll, sogar für meines gleichen.
|
|
Dort neben leuchtet was mit ganz besond'rem Schein,
|
|
Es zieht mich was nach jenen Sträuchen.
|
|
Komm, komm! wir schlupfen da hinein.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! du magst mich führen.
|
|
Ich denke doch das war recht klug gemacht.
|
|
Zum Brocken wandlen wir in der Walpurgisnacht,
|
|
Um uns beliebig nun hieselbst zu isoliren.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Da sieh nur welche bunten Flammen!
|
|
Es ist ein muntrer Klub beysammen.
|
|
Im Kleinen ist man nicht allein.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Doch droben möcht' ich lieber seyn!
|
|
Schon seh' ich Glut und Wirbelrauch.
|
|
Dort strömt die Menge zu dem Bösen;
|
|
Da muß sich manches Räthsel lösen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Doch manches Räthsel knüpft sich auch.
|
|
Laß du die große Welt nur sausen,
|
|
Wir wollen hier im Stillen hausen.
|
|
Es ist doch lange hergebracht,
|
|
Daß in der großen Welt man kleine Welten macht.
|
|
Da seh' ich junge Hexchen nackt und blos,
|
|
Und alte die sich klug verhüllen.
|
|
Seyd freundlich, nur um meinetwillen,
|
|
Die Müh' ist klein, der Spaß ist groß.
|
|
Ich höre was von Instrumenten tönen!
|
|
Verflucht Geschnarr! Man muß sich dran gewöhnen.
|
|
Komm mit! Komm mit! Es kann nicht anders seyn,
|
|
Ich tret' heran und führe dich herein,
|
|
Und ich verbinde dich aufs neue.
|
|
Was sagst du Freund? das ist kein kleiner Raum.
|
|
Da sieh nur hin! du siehst das Ende kaum.
|
|
Ein Hundert Feuer brennen in der Reihe;
|
|
Man tanzt, man schwazt, man kocht, man trinkt, man liebt;
|
|
Nun sage mir, wo es was bessers giebt?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Willst du dich nun, um uns hier einzuführen
|
|
Als Zaub'rer oder Teufel produziren?
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Zwar bin ich sehr gewohnt incognito zu gehn;
|
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Doch läßt am Galatag man seinen Orden sehn.
|
|
Ein Knieband zeichnet mich nicht aus,
|
|
Doch ist der Pferdefuß hier ehrenvoll zu Haus.
|
|
Siehst du die Schnecke da! sie kommt herangekrochen;
|
|
Mit ihrem tastenden Gesicht
|
|
Hat sie mir schon was abgerochen.
|
|
Wenn ich auch will, verläugn' ich hier mich nicht.
|
|
Komm nur! von Feuer gehen wir zu Feuer,
|
|
Ich bin der Werber und du bist der Freyer.
|
|
|
|
(zu einigen, die um verglimmende Kohlen sitzen.)
|
|
|
|
Ihr alten Herrn, was macht ihr hier am Ende?
|
|
Ich lobt' euch, wenn ich euch hübsch in der Mitte fände,
|
|
Von Saus umzirkt und Jugendbraus.
|
|
Genug allein ist jeder ja zu Haus.
|
|
|
|
_General._
|
|
|
|
Wer mag auf Nationen trauen!
|
|
Man habe noch so viel für sie gethan;
|
|
Denn bey dem Volk, wie bey den Frauen,
|
|
Steht immerfort die Jugend oben an.
|
|
|
|
_Minister._
|
|
|
|
Jetzt ist man von dem Rechten allzuweit,
|
|
Ich lobe mir die guten Alten;
|
|
Denn freylich, da wir alles galten,
|
|
Da war die rechte goldne Zeit.
|
|
|
|
_Parvenü._
|
|
|
|
Wir waren wahrlich auch nicht dumm,
|
|
Und thaten oft was wir nicht sollten;
|
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Doch jetzo kehrt sich alles um und um,
|
|
Und eben da wir's fest erhalten wollten.
|
|
|
|
_Autor._
|
|
|
|
Wer mag wohl überhaupt jetzt eine Schrift
|
|
Von mäßig klugem Inhalt lesen!
|
|
Und was das liebe junge Volk betrifft,
|
|
Das ist noch nie so naseweis gewesen.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
(auf einmal sehr alt erscheint.)
|
|
|
|
Zum jüngsten Tag fühl' ich das Volk gereift;
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Da ich zum letztenmal den Hexenberg ersteige,
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Und, weil mein Fäßchen trübe läuft;
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So ist die Welt auch auf der Neige.
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_Trödelhexe._
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Ihr Herren geht nicht so vorbey!
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Laßt die Gelegenheit nicht fahren!
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Aufmerksam blickt nach meinen Waaren,
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Es steht dahier gar mancherley.
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Und doch ist nichts in meinem Laden,
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Dem keiner auf der Erde gleicht,
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Das nicht einmal zum tücht'gen Schaden
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Der Menschen und der Welt gereicht.
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Kein Dolch ist hier, von dem nicht Blut geflossen,
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Kein Kelch, aus dem sich nicht, in ganz gesunden Leib,
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Verzehrend heißes Gift ergossen.
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Kein Schmuck, der nicht ein liebenswürdig Weib
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Verführt, kein Schwerdt das nicht den Bund gebrochen,
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Nicht etwa hinterrücks den Gegenmann durchstochen.
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_Mephistopheles._
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Frau Muhme! Sie versteht mir schlecht die Zeiten.
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Gethan geschehn! Geschehn gethan!
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Verleg' sie sich auf Neuigkeiten,
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Nur Neuigkeiten ziehn uns an.
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_Faust._
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Daß ich mich nur nicht selbst vergesse!
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Heiß' ich mir das doch eine Messe!
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_Mephistopheles._
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Der ganze Strudel strebt nach oben;
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Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
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_Faust._
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Wer ist denn das?
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_Mephistopheles._
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Betrachte sie genau!
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Lilith ist das.
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_Faust._
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Wer?
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_Mephistopheles._
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Adams erste Frau.
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Nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren,
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Vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt.
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Wenn sie damit den jungen Mann erlangt,
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So läßt sie ihn sobald nicht wieder fahren.
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_Faust._
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Da sitzen zwey, die alte mit der jungen;
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Die haben schon was rechts gesprungen!
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_Mephistopheles._
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Das hat nun heute keine Ruh.
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Es geht zum neuen Tanz, nun komm! wir greifen zu.
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_Faust_ mit der jungen tanzend.
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Einst hatt' ich einen schönen Traum;
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Da sah ich einen Apfelbaum,
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Zwey schöne Aepfel glänzten dran,
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Sie reizten mich, ich stieg hinan.
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_Die Schöne._
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Der Aepfelchen begehrt ihr sehr
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Und schon vom Paradiese her.
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Von Freuden fühl' ich mich bewegt,
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Daß auch mein Garten solche trägt.
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_Mephistopheles_ mit der Alten.
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Einst hatt' ich einen wüsten Traum;
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Da sah' ich einen gespaltnen Baum,
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Der hatt' ein -- -- --[ungeheures Loch];
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So --[groß] es war, gefiel mir's doch.
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_Die Alte._
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Ich biete meinen besten Gruß
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Dem Ritter mit dem Pferdefuß!
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Halt' er einen -- --[rechten Pfropf] bereit,
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Wenn er -- -- --[das große Loch] nicht scheut.
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_Brocktophantasmist._
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Verfluchtes Volk! was untersteht ihr euch?
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Hat man euch lange nicht bewiesen?
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Ein Geist steht nie auf ordentlichen Füßen;
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Nun tanzt ihr gar, uns andern Menschen gleich!
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_Die Schöne_ tanzend.
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Was will denn der auf unserm Ball?
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_Faust_ tanzend.
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Ey! der ist eben überall.
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Was andre tanzen muß er schätzen.
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Kann er nicht jeden Schritt beschwätzen;
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So ist der Schritt so gut als nicht geschehn.
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Am meisten ärgert ihn, sobald wir vorwärts gehn.
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Wenn ihr euch so im Kreise drehen wolltet,
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Wie er's in seiner alten Mühle thut,
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Das hieß er allenfalls noch gut;
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Besonders wenn ihr ihn darum begrüßen solltet.
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|
_Brocktophantasmist._
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Ihr seyd noch immer da! nein das ist unerhört.
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Verschwindet doch! Wir haben ja aufgeklärt.
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Das Teufelspack es fragt nach keiner Regel.
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Wir sind so klug und dennoch spukt's in Tegel.
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Wie lange hab' ich nicht am Wahn hinausgekehrt
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Und nie wird's rein, das ist doch unerhört!
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_Die Schöne._
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|
So hört doch auf uns hier zu ennuyiren!
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|
_Brocktophantasmist._
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Ich sag's euch Geistern in's Gesicht,
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Den Geistesdespotismus leid' ich nicht;
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Mein Geist kann ihn nicht exerziren.
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(es wird fortgetanzt.)
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Heut, seh' ich, will mir nichts gelingen,
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Doch eine Reise nehm' ich immer mit
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Und hoffe noch, vor meinem letzten Schritt,
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Die Teufel und die Dichter zu bezwingen.
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_Mephistopheles._
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Er wird sich gleich in eine Pfütze setzen,
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Das ist die Art wie er sich soulagirt,
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Und wenn Blutegel sich an seinem Steiß ergötzen,
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Ist er von Geistern und von Geist kurirt.
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(zu Faust der aus dem Tanz getreten ist.)
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Was lässest du das schöne Mädchen fahren?
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Das dir zum Tanz so lieblich sang.
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_Faust._
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Ach! mitten im Gesange sprang
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Ein rothes Mäuschen ihr aus dem Munde.
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_Mephistopheles._
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Das ist was rechts! Das nimmt man nicht genau.
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Genug die Maus war doch nicht grau.
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Wer fragt darnach in einer Schäferstunde?
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_Faust._
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Dann sah' ich --
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_Mephistopheles._
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Was?
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_Faust._
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Mephisto siehst du dort
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Ein blasses, schönes Kind allein und ferne stehen?
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Sie schiebt sich langsam nur vom Ort,
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Sie scheint mit geschloßnen Füßen zu gehen.
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Ich muß bekennen, daß mir däucht,
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Daß sie dem guten Gretchen gleicht.
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_Mephistopheles._
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Laß das nur stehn! dabey wird's niemand wohl.
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Es ist ein Zauberbild, ist leblos, ein Idol.
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Ihm zu begegnen ist nicht gut,
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Vom starren Blick erstarrt des Menschen Blut,
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Und er wird fast in Stein verkehrt,
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Von der Meduse hast du ja gehört.
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_Faust._
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Fürwahr es sind die Augen eines Todten,
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Die eine liebende Hand nicht schloß.
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Das ist die Brust, die Gretchen mir geboten,
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Das ist der süße Leib, den ich genoß.
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|
_Mephistopheles._
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Das ist die Zauberey, du leicht verführter Thor!
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Denn jedem kommt sie wie sein Liebchen vor.
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|
_Faust._
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Welch eine Wonne! welch ein Leiden!
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Ich kann von diesem Blick nicht scheiden.
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Wie sonderbar muß diesen schönen Hals
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Ein einzig rothes Schnürchen schmücken,
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|
Nicht breiter als ein Messerrücken!
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|
_Mephistopheles._
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|
Ganz recht! ich seh' es ebenfalls.
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Sie kann das Haupt auch unterm Arme tragen;
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Denn Perseus hat's ihr abgeschlagen.
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Nur immer diese Lust zum Wahn!
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Komm doch das Hügelchen heran,
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|
Hier ist's so lustig wie im Prater;
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Und hat man mir's nicht angethan,
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So seh' ich wahrlich ein Theater.
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|
Was giebt's denn da?
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_Servibilis._
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|
Gleich fängt man wieder an.
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|
Ein neues Stück, das letzte Stück von sieben,
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Soviel zu geben ist allhier der Brauch.
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Ein Dilettant hat es geschrieben,
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Und Dilettanten spielen's auch.
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|
Verzeiht ihr Herrn, wenn ich verschwinde;
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Mich dilettirt's den Vorhang aufzuziehn.
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|
_Mephistopheles._
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Wenn ich euch auf dem Blocksberg finde,
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|
Das find' ich gut; denn da gehört ihr hin.
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Walpurgisnachtstraum
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_oder_
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_Oberons_ und _Titanias goldne Hochzeit._
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Intermezzo.
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_Theatermeister._
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Heute ruhen wir einmal
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Miedings wackre Söhne.
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Alter Berg und feuchtes Thal,
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Das ist die ganze Scene!
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_Herold._
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Daß die Hochzeit golden sey
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Soll'n funfzig Jahr seyn vorüber;
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Aber ist der Streit vorbey,
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|
Das _golden_ ist mir lieber.
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_Oberon._
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Seyd ihr Geister wo ich bin,
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So zeigt's in diesen Stunden;
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König und die Königinn,
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|
Sie sind auf's neu verbunden.
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|
_Puck._
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|
Kommt der Puck und dreht sich queer
|
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Und schleift den Fuß im Reihen,
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|
Hundert kommen hinterher
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|
Sich auch mit ihm zu freuen.
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_Ariel._
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Ariel bewegt den Sang
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In himmlisch reinen Tönen,
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Viele Fratzen lockt sein Klang,
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Doch lockt er auch die Schönen.
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_Oberon._
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Gatten die sich vertragen wollen,
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Lernen's von uns beyden!
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Wenn sich zweye lieben sollen,
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Braucht man sie nur zu scheiden.
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_Titania._
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Schmollt der Mann und grillt die Frau,
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So faßt sie nur behende,
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Führt mir nach dem Mittag Sie
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Und Ihn an Nordens Ende.
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|
_Orchester Tutti_
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(#Fortissimo.#)
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Fliegenschnauz' und Mückennas',
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Mit ihren Anverwandten,
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Frosch im Laub' und Grill' im Gras'
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Das sind die Musikanten!
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|
_Solo._
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Seht da kommt der Dudelsack!
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Es ist die Seifenblase,
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Hört den Schneckeschnickeschnack
|
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Durch seine stumpfe Nase.
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_Geist der sich erst bildet._
|
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|
Spinnenfuß und Krötenbauch
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Und Flügelchen dem Wichtchen!
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Zwar ein Thierchen giebt es nicht,
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|
Doch giebt es ein Gedichtchen.
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|
_Ein Pärchen._
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|
Kleiner Schritt und hoher Sprung
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|
Durch Honigthau und Düfte;
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Zwar du trippelst mir genung,
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|
Doch geht's nicht in die Lüfte.
|
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|
|
_Neugieriger Reisender._
|
|
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|
Ist das nicht Maskeraden-Spott?
|
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Soll ich den Augen trauen?
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Oberon den schönen Gott
|
|
Auch heute hier zu schauen!
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|
_Orthodox._
|
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|
Keine Klauen, keinen Schwanz!
|
|
Doch bleibt es außer Zweifel,
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|
So wie die Götter Griechenlands,
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So ist auch er ein Teufel.
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|
_Nordischer Künstler._
|
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|
Was ich ergreife das ist heut
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Fürwahr nur skizzenweise;
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Doch ich bereite mich bey Zeit
|
|
Zur Italiän'schen Reise.
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|
_Purist._
|
|
|
|
Ach! mein Unglück führt mich her.
|
|
Wie wird nicht hier geludert!
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|
Und von dem ganzen Hexenheer
|
|
Sind zweye nur gepudert.
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|
_Junge Hexe._
|
|
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|
Der Puder ist so wie der Rock
|
|
Für alt' und graue Weibchen,
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|
Drum sitz' ich nackt auf meinem Bock
|
|
Und zeig' ein derbes Leibchen.
|
|
|
|
_Matrone._
|
|
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|
Wir haben zu viel Lebensart
|
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Um hier mit euch zu maulen;
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|
Doch hoff' ich, sollt ihr jung und zart,
|
|
So wie ihr seyd verfaulen.
|
|
|
|
_Capellmeister._
|
|
|
|
Fliegenschnauz' und Mückennas'
|
|
Umschwärmt mir nicht die Nackte!
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|
Frosch im Laub' und Grill' im Gras'
|
|
So bleibt doch auch im Tacte!
|
|
|
|
_Windfahne_
|
|
|
|
(nach der einen Seite.)
|
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|
Gesellschaft wie man wünschen kann.
|
|
Wahrhaftig lauter Bräute!
|
|
Und Junggesellen, Mann für Mann,
|
|
Die hoffnungsvollsten Leute.
|
|
|
|
_Windfahne_
|
|
|
|
(nach der andern Seite.)
|
|
|
|
Und thut sich nicht der Boden auf
|
|
Sie alle zu verschlingen,
|
|
So will ich mit behendem Lauf
|
|
Gleich in die Hölle springen.
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|
_Xenien._
|
|
|
|
Als Insekten sind wir da,
|
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Mit kleinen scharfen Scheren,
|
|
Satan unsern Herrn Papa,
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|
Nach Würden zu verehren.
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|
_Hennings._
|
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|
|
Seht! wie sie in gedrängter Schaar
|
|
Naiv zusammen scherzen.
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|
Am Ende sagen sie noch gar,
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Sie hätten gute Herzen.
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|
_Musaget._
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Ich mag in diesem Hexenheer
|
|
Mich gar zu gern verlieren;
|
|
Denn freylich diese wüßt' ich eh'r,
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|
Als Musen anzuführen.
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|
_#Ci-devant# Genius der Zeit._
|
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|
Mit rechten Leuten wird man was.
|
|
Komm fasse meinen Zipfel!
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|
Der Blocksberg, wie der deutsche Parnaß,
|
|
Hat gar einen breiten Gipfel.
|
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|
_Neugieriger Reisender._
|
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|
Sagt wie heißt der steife Mann?
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|
Er geht mit stolzen Schritten.
|
|
Er schnopert was er schnopern kann.
|
|
»Er spürt nach Jesuiten.«
|
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|
_Kranich._
|
|
|
|
In dem Klaren mag ich gern
|
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Und auch im Trüben fischen,
|
|
Darum seht ihr den frommen Herrn
|
|
Sich auch mit Teufeln mischen.
|
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|
_Weltkind._
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|
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Ja für die Frommen, glaubet mir,
|
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Ist alles ein Vehikel,
|
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Sie bilden auf dem Blocksberg hier
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Gar manches Conventikel.
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|
_Tänzer._
|
|
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|
Da kommt ja wohl ein neues Chor?
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Ich höre ferne Trommeln.
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|
Nur ungestört! es sind im Rohr
|
|
Die unisonen Dommeln.
|
|
|
|
_Dogmatiker._
|
|
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|
Ich lasse mich nicht irre schreyn,
|
|
Nicht durch Critik noch Zweifel.
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|
Der Teufel muß doch etwas seyn;
|
|
Wie gäb's denn sonst auch Teufel?
|
|
|
|
_Idealist._
|
|
|
|
Die Phantasie in meinem Sinn
|
|
Ist dießmal gar zu herrisch.
|
|
Fürwahr, wenn ich das alles bin,
|
|
So bin ich heute närrisch.
|
|
|
|
_Realist._
|
|
|
|
Das Wesen ist mir recht zur Qual
|
|
Und muß mich baß verdrießen;
|
|
Ich stehe hier zum erstenmal
|
|
Nicht fest auf meinen Füßen.
|
|
|
|
_Supernaturalist._
|
|
|
|
Mit viel Vergnügen bin ich da
|
|
Und freue mich mit diesen;
|
|
Denn von den Teufeln kann ich ja
|
|
Auf gute Geister schließen.
|
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|
|
_Skeptiker._
|
|
|
|
Sie gehn den Flämmchen auf der Spur,
|
|
Und glaub'n sich nah dem Schatze.
|
|
Auf Teufel reimt der Zweifel nur,
|
|
Da bin ich recht am Platze.
|
|
|
|
_Capellmeister._
|
|
|
|
Frosch im Laub' und Grill' im Gras'
|
|
Verfluchte Dilettanten!
|
|
Fliegenschnauz' und Mückennas'
|
|
Ihr seyd doch Musikanten!
|
|
|
|
_Die Gewandten._
|
|
|
|
Sanssouci so heißt das Heer
|
|
Von lustigen Geschöpfen,
|
|
Auf den Füßen geht's nicht mehr,
|
|
Drum gehn wir auf den Köpfen.
|
|
|
|
_Die Unbehülflichen._
|
|
|
|
Sonst haben wir manchen Bissen erschranzt,
|
|
Nun aber Gott befohlen!
|
|
Unsere Schuhe sind durchgetanzt,
|
|
Wir laufen auf nackten Sohlen.
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|
|
|
_Irrlichter._
|
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|
|
Von dem Sumpfe kommen wir,
|
|
Woraus wir erst entstanden;
|
|
Doch sind wir gleich im Reihen hier
|
|
Die glänzenden Galanten.
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|
_Sternschnuppe._
|
|
|
|
Aus der Höhe schoß ich her
|
|
Im Stern- und Feuerscheine,
|
|
Liege nun im Grase quer,
|
|
Wer hilft mir auf die Beine?
|
|
|
|
_Die Massiven._
|
|
|
|
Platz und Platz! und ringsherum!
|
|
So gehn die Gräschen nieder,
|
|
Geister kommen, Geister auch
|
|
Sie haben plumpe Glieder.
|
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|
|
_Puck._
|
|
|
|
Tretet nicht so mastig auf
|
|
Wie Elephantenkälber,
|
|
Und der plumpst' an diesem Tag
|
|
Sey Puck der derbe selber.
|
|
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|
_Ariel._
|
|
|
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Gab die liebende Natur
|
|
Gab der Geist euch Flügel,
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|
Folget meiner leichten Spur,
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|
Auf zum Rosenhügel!
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_Orchester._
|
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(#pianissimo.#)
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Wolkenzug und Nebelflor
|
|
Erhellen sich von oben.
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Luft im Laub und Wind im Rohr,
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Und alles ist zerstoben.
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|
|
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|
|
|
_Trüber Tag._
|
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|
|
_Feld._
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|
_Faust. Mephistopheles._
|
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|
|
_Faust._
|
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Im Elend! Verzweifelnd! Erbärmlich auf der Erde lange verirrt und nun
|
|
gefangen! Als Missethäterinn im Kerker zu entsetzlichen Qualen
|
|
eingesperrt das holde unselige Geschöpf! Bis dahin! dahin! --
|
|
Verräthrischer, nichtswürdiger Geist, und das hast du mir verheimlicht!
|
|
-- Steh nur, steh! wälze die teuflischen Augen ingrimmend im Kopf herum!
|
|
Steh und trutze mir durch deine unerträgliche Gegenwart! Gefangen! Im
|
|
unwiederbringlichen Elend! Bösen Geistern übergeben und der richtenden
|
|
gefühllosen Menschheit! Und mich wiegst du indeß in abgeschmackten
|
|
Zerstreuungen, verbirgst mir ihren wachsenden Jammer und lässest sie
|
|
hülflos verderben!
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Sie ist die erste nicht.
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Hund! abscheuliches Unthier! -- Wandle ihn, du unendlicher Geist!
|
|
wandle den Wurm wieder in seine Hundsgestalt, wie er sich oft
|
|
nächtlicher Weise[Weile] gefiel vor mir herzutrotten, dem harmlosen
|
|
Wandrer vor die Füße zu kollern und sich dem niederstürzenden auf die
|
|
Schultern zu hängen. Wandl' ihn wieder in seine Lieblingsbildung, daß er
|
|
vor mir im Sand auf dem Bauch krieche, ich ihn mit Füßen trete, den
|
|
Verworfnen! -- die erste nicht! -- Jammer! Jammer! von keiner
|
|
Menschenseele zu fassen, daß mehr als ein Geschöpf in die Tiefe dieses
|
|
Elendes versank, daß nicht das erste genugthat für die Schuld aller
|
|
übrigen in seiner windenden Todesnoth vor den Augen des ewig
|
|
Verzeihenden! Mir wühlt es Mark und Leben durch das Elend dieser
|
|
einzigen, du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
|
|
Nun sind wir schon wieder an der Gränze unsres Witzes, da wo euch
|
|
Menschen der Sinn überschnappt. Warum machst du Gemeinschaft mit uns,
|
|
wenn du sie nicht durchführen kannst? Willst fliegen und bist vorm
|
|
Schwindel nicht sicher? Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?
|
|
|
|
_Faust._
|
|
|
|
Fletsche deine gefräßigen Zähne mir nicht so entgegen! Mir eckelts! --
|
|
Großer herrlicher Geist, der du mir zu erscheinen würdigtest, der du
|
|
mein Herz kennest und meine Seele, warum an den Schandgesellen mich
|
|
schmieden? der sich am Schaden weidet und am Verderben sich letzt.
|
|
|
|
_Mephistopheles._
|
|
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Endigst du?
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_Faust._
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Rette sie! oder weh dir! den gräßlichsten Fluch über dich auf
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Jahrtausende!
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_Mephistopheles._
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Ich kann die Bande des Rächers nicht lösen, seine Riegel nicht
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öffnen. -- Rette sie! -- Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich
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oder du?
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_Faust_ blickt wild umher.
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_Mephistopheles._
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Greifst du nach dem Donner? Wohl, daß er euch elenden Sterblichen
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nicht gegeben ward! Den unschuldig entgegnenden zu zerschmettern, das
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ist so Tyrannen-Art sich in Verlegenheiten Luft zu machen.
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_Faust._
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Bringe mich hin! Sie soll frey seyn!
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_Mephistopheles._
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Und die Gefahr der du dich aussetzest? Wisse, noch liegt auf der Stadt
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Blutschuld von deiner Hand. Ueber des Erschlagenen Stätte schweben
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rächende Geister und lauern auf den wiederkehrenden Mörder.
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_Faust._
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Noch das von dir? Mord und Tod einer Welt über dich Ungeheuer! Führe
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mich hin, sag' ich, und befrey sie!
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_Mephistopheles._
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Ich führe dich und was ich thun kann, höre! Habe ich alle Macht im
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Himmel und auf Erden? Des Thürners Sinne will ich umnebeln, bemächtige
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dich der Schlüssel und führe sie heraus mit Menschenhand. Ich wache! die
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Zauberpferde sind bereit, ich entführe euch. Das vermag ich!
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_Faust._
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Auf und davon!
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_Nacht, offen Feld._
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_Faust. Mephistopheles_
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auf schwarzen Pferden daher brausend.
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_Faust._
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Was weben die dort um den Rabenstein?
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_Mephistopheles._
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Weiß nicht was sie kochen und schaffen.
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_Faust._
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Schweben auf, schweben ab, neigen sich, beugen sich.
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_Mephistopheles._
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Eine Hexenzunft.
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_Faust._
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Sie streuen und weihen.
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_Mephistopheles._
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Vorbey! Vorbey!
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_Kerker._
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_Faust,_ mit einem Bund Schlüssel und einer Lampe, vor einem eisernen
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Thürchen.
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Mich faßt ein längst entwohnter Schauer,
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Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an.
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Hier wohnt sie hinter dieser feuchten Mauer,
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Und ihr Verbrechen war ein guter Wahn!
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Du zauderst zu ihr zu gehen!
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Du fürchtest sie wieder zu sehen!
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Fort! dein Zagen zögert den Tod heran.
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(er ergreift das Schloß. Es singt inwendig.)
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Meine Mutter, die Hur,
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Die mich umgebracht hat!
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Mein Vater, der Schelm,
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Der mich gessen hat!
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Mein Schwesterlein klein
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Hub auf die Bein,
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An einem kühlen Ort;
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Da ward ich ein schönes Waldvögelein,
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Fliege fort, fliege fort!
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_Faust_ aufschließend.
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Sie ahndet nicht, daß der Geliebte lauscht,
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Die Ketten klirren hört, das Stroh das rauscht.
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(er tritt ein.)
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_Margarete_ sich auf dem Lager verbergend.
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Weh! Weh! Sie kommen. Bittrer Tod!
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_Faust_ leise.
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Still! Still! ich komme dich zu befreyen.
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_Margarete_ sich vor ihn hinwälzend.
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Bist du ein Mensch, so fühle meine Noth.
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_Faust._
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Du wirst die Wächter aus dem Schlafe schreyen!
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(er faßt die Ketten, sie aufzuschließen.)
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_Margarete_ auf den Knieen.
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Wer hat dir Henker diese Macht
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Ueber mich gegeben!
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Du holst mich schon um Mitternacht.
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Erbarme dich und laß mich leben!
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Ist's morgen früh nicht zeitig genung?
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(sie steht auf.)
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Bin ich doch noch so jung, so jung!
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Und soll schon sterben!
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Schön war ich auch, und das war mein Verderben.
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Nah war der Freund, nun ist er weit,
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Zerrissen liegt der Kranz, die Blumen zerstreut.
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Fasse mich nicht so gewaltsam an!
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Schone mich! Was hab' ich dir gethan?
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Laß mich nicht vergebens flehen,
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Hab' ich dich doch mein Tage nicht gesehen!
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_Faust._
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Werd' ich den Jammer überstehen!
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_Margarete._
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Ich bin nun ganz in deiner Macht.
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Laß mich nur erst das Kind noch tränken.
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Ich herzt' es diese ganze Nacht;
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Sie nahmen mir's um mich zu kränken
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Und sagen nun, ich hätt' es umgebracht.
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Und niemals werd' ich wieder froh.
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Sie singen Lieder auf mich! Es ist bös von den Leuten!
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Ein altes Mährchen endigt so,
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Wer heißt sie's deuten?
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_Faust_ wirft sich nieder.
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Ein Liebender liegt dir zu Füßen
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Die Jammerknechtschaft aufzuschließen.
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_Margarete_ wirft sich zu ihm.
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O laß uns knien die Heil'gen anzurufen!
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Sieh! unter diesen Stufen,
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Unter der Schwelle
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Siedet die Hölle!
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Der Böse,
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Mit furchtbarem Grimme,
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Macht ein Getöse!
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_Faust_ laut.
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Gretchen! Gretchen!
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_Margarete_ aufmerksam.
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Das war des Freundes Stimme!
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(Sie springt auf. Die Ketten fallen ab.)
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Wo ist er? ich hab' ihn rufen hören.
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Ich bin frey! mir soll niemand wehren.
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An seinen Hals will ich fliegen,
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An seinem Busen liegen!
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Er rief Gretchen! Er stand auf der Schwelle.
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Mitten durch's Heulen und Klappen der Hölle,
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Durch den grimmigen, teuflischen Hohn,
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Erkannt' ich den süßen, den liebenden Ton.
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_Faust._
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Ich bin's!
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_Margarete._
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Du bist's! O sag' es noch einmal!
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|
(ihn fassend.)
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Er ist's! Er ist's! Wohin ist alle Qual?
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|
Wohin die Angst des Kerkers? der Ketten?
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Du bist's! Kommst mich zu retten.
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Ich bin gerettet! --
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Schon ist die Straße wieder da,
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Auf der ich dich zum erstenmale sah.
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Und der heitere Garten,
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Wo ich und Marthe deiner warten.
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_Faust_ (fortstrebend.)
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Komm mit! Komm mit!
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_Margarete._
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O weile!
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Weil' ich doch so gern wo du weilest.
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(liebkosend.)
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_Faust._
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Eile!
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Wenn du nicht eilest,
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Werden wir's theuer büßen müssen.
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_Margarete._
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Wie? du kannst nicht mehr küssen?
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Mein Freund, so kurz von mir entfernt,
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Und hast's Küssen verlernt?
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Warum wird mir an deinem Halse so bang?
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Wenn sonst von deinen Worten, deinen Blicken
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Ein ganzer Himmel mich überdrang,
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Und du mich küßtest als wolltest du mich ersticken.
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Küsse mich!
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Sonst küss' ich dich!
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|
(Sie umfaßt ihn.)
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|
O weh! deine Lippen sind kalt,
|
|
Sind stumm.
|
|
Wo ist dein Lieben
|
|
Geblieben?
|
|
Wer brachte mich drum?
|
|
|
|
(sie wendet sich von ihm.)
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|
_Faust._
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|
Komm! Folge mir! Liebchen fasse Muth!
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|
Ich herze dich mit tausendfacher Glut,
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|
Nur folge mir! Ich bitte dich nur dieß!
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|
_Margarete_ zu ihm gewendet.
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|
Und bist du's denn? Und bist du's auch gewiß.
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|
_Faust._
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|
|
|
Ich bin's! Komm mit!
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|
_Margarete._
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|
Du machst die Fesseln los,
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|
Nimmst wieder mich in deinen Schoos.
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|
Wie kommt es, daß du dich vor mir nicht scheust? --
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|
Und weißt du denn, mein Freund, wen du befreyst?
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|
_Faust._
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|
Komm! komm! schon weicht die tiefe Nacht.
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|
_Margarete._
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|
Meine Mutter hab' ich umgebracht,
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|
Mein Kind hab' ich ertränkt.
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War es nicht dir und mir geschenkt?
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Dir auch -- Du bist's! ich glaub' es kaum.
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Gieb deine Hand! Es ist kein Traum!
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Deine liebe Hand! -- Ach aber sie ist feucht!
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Wische sie ab! Wie mich däucht
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Ist Blut dran.
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Ach Gott! was hast du gethan!
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Stecke den Degen ein,
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Ich bitte dich drum!
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_Faust._
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Laß das Vergang'ne vergangen seyn,
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|
Du bringst mich um.
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|
_Margarete._
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|
Nein, du mußt übrig bleiben!
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Ich will dir die Gräber beschreiben,
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Für die mußt du sorgen
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Gleich morgen;
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Der Mutter den besten Platz geben,
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Meinen Bruder sogleich darneben,
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Mich ein wenig bey Seit',
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|
Nur nicht gar zu weit!
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|
Und das Kleine mir an die rechte Brust.
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|
Niemand wird sonst bey mir liegen! --
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|
Mich an deine Seite zu schmiegen
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Das war ein süßes, ein holdes Glück!
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Aber es will mir nicht mehr gelingen,
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Mir ist's als müßt' ich mich zu dir zwingen,
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Als stießest du mich von dir zurück.
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Und doch bist du's und blickst so gut, so fromm.
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|
_Faust._
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Fühlst du daß ich es bin, so komm!
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_Margarete._
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Dahinaus?
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|
_Faust._
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In's Freye.
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_Margarete._
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Ist das Grab drauß',
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Lauert der Tod; so komm!
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Von hier in's ewige Ruhebett
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Und weiter keinen Schritt --
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Du gehst nun fort? O Heinrich könnt' ich mit!
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_Faust._
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Du kannst! So wolle nur! die Thür steht offen.
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_Margarete._
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Ich darf nicht fort; für mich ist nichts zu hoffen.
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Was hilft es fliehn? sie lauern doch mir auf.
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Es ist so elend betteln zu müssen,
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Und noch dazu mit bösem Gewissen!
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Es ist so elend in der Fremde schweifen
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Und sie werden mich doch ergreifen!
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_Faust._
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Ich bleibe bey dir.
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|
_Margarete._
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Geschwind! Geschwind!
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Rette dein armes Kind.
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Fort! immer den Weg
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Am Bach hinauf,
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Ueber den Steg,
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In den Wald hinein,
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Links wo die Planke steht,
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Im Teich.
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Faß es nur gleich!
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Es will sich heben,
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Es zappelt noch,
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Rette! rette!
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_Faust._
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Besinne dich doch!
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Nur Einen Schritt, so bist du frey!
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_Margarete._
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Wären wir nur den Berg vorbey!
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Da sitzt meine Mutter auf einem Stein,
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Es faßt mich kalt beym Schopfe!
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Da sizt meine Mutter auf einem Stein
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Und wackelt mit dem Kopfe;
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|
Sie winkt nicht, sie nickt nicht, der Kopf ist ihr schwer,
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Sie schlief so lange, sie wacht nicht mehr.
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Sie schlief damit wir uns freuten.
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|
Es waren glückliche Zeiten!
|
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|
_Faust._
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Hilft hier kein Flehen, hilft kein Sagen;
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|
So wag' ich's dich hinweg zu tragen.
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|
_Margarete._
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|
Laß mich! Nein, ich leide keine Gewalt!
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|
Fasse mich nicht so mörderisch an!
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Sonst hab' ich dir ja alles zu lieb gethan.
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|
_Faust._
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Der Tag graut! Liebchen! Liebchen!
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|
_Margarete._
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|
Tag! Ja es wird Tag! der letzte Tag dringt herein!
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Mein Hochzeittag sollt' es seyn!
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Sag Niemand daß du schon bey Gretchen warst.
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Weh meinem Kranze!
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Es ist eben geschehn!
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Wir werden uns wiedersehn;
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Aber nicht beym Tanze.
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Die Menge drängt sich, man hört sie nicht.
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Der Platz, die Gassen
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Können sie nicht fassen.
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Die Glocke ruft, das Stäbchen bricht.
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Wie sie mich binden und packen!
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Zum Blutstuhl bin ich schon entrückt.
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Schon zuckt nach jedem Nacken
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Die Schärfe die nach meinem zückt.
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Stumm liegt die Welt wie das Grab!
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_Faust._
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O wär' ich nie geboren!
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_Mephistopheles_ erscheint draußen.
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Auf! oder ihr seyd verloren.
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Unnützes Zagen! Zaudern und Plaudern!
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Meine Pferde schaudern,
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Der Morgen dämmert auf.
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_Margarete._
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Was steigt aus dem Boden herauf?
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Der! der! Schicke ihn fort!
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Was will der an dem heiligen Ort?
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Er will mich!
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_Faust._
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Du sollst leben!
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_Margarete._
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Gericht Gottes! dir hab' ich mich übergeben!
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_Mephistopheles_ zu Faust.
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Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.
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_Margarete._
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Dein bin ich, Vater! Rette mich!
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Ihr Engel! Ihr heiligen Schaaren,
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Lagert euch umher, mich zu bewahren!
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Heinrich! Mir graut's vor dir.
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|
_Mephistopheles._
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Sie ist gerichtet!
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_Stimme_ von oben.
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Ist gerettet!
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|
_Mephistopheles_ zu Faust.
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Her zu mir!
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(verschwindet mit Faust.)
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_Stimme_ von innen, verhallend.
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Heinrich! Heinrich! |